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Ballad Of A Plain Man
Ballad Of A Plain Man, Bent Wheel Records, 2008
Jeff FinlinGuitar, Piano, Vocals, Drums, Background Vocals, Percussion
Doug LancioElectric Guitars, Reso-Electric
Brad JonesBass, Organ, Piano
Tommy MeyerDrums, Background Vocals, Percussion
Eben GraceGuitars, Bass
LijOrgan, Background Vocals, Percussion
JoyBackground Vocals
Produziert von: Lij and Jeff Finlin Länge: 48 Min 32 Sek Medium: CD
01. Ballad Of A Plain Man07. Highway Home
02. My Rosy Crucifixion By The Sea08. Hole In My Belly
03. Mercy09. Now
04. Goodbye Is Just A Freight Train Comin'10. Is This Love
05. Jesus Was Motorcycle Man11. Big Love Song
06. What's The Big Idea12. In My Masterpiece

Irgendwie haben sich auf mein Review zu "Angels In Disguise" wohl doch nicht genug den Namen Jeff Fiinlin gemerkt, sonst dürfte der doch mittlerweile bekannter sein. Oder nicht? Immerhin kam inzwischen auch eine Live-DVD/CD heraus und in diesem Jahr beehrte er uns mit "Ballad Of A Plain Man".
Stilistisch hat sich natürlich nichts geändert, außer dass der Mann vielleicht sogar noch besser geworden ist. Es fliest also alles wieder ein, in diesen Schmelztiegel: Country, Folk, Blues,Rock - was halt so unter den Begriffen Roots und Americana läuft. Obwohl mir gerade unter letzterem Begriff oft zuviel Dahinplätscherndes untergebracht ist.
Der Titelsong eröffnet dieses Album sparsam instrumentiert, lädt aber vielleicht gerade dadurch zum genaueren Hinhören ein und da klingt doch eine große Portion Dylan mit durch. So wie beim folgenden My Rosy Crucifixion By The Sea Country-Rock und Folk sofort den Gedanken an Tom Petty schüren und zwar aus dessen bester Phase. Die kann jetzt jeder für selbst bestimmen, denn es trifft immer zu. Im Laufe des Songs kommt noch ein großer Schuss Warren Zevon hinzu. Geht's noch besser? Ich denke nicht.

Getragen werden die Songs in erster Linie von Finlins Akustikgitarre, haben starken Folk- und Countryeinfluss und würde problemlos auch "stripped down" am Lagerfeuer funktionieren. Was für ihre Qualität spricht. Mich erinnert da erneut auch einiges an Chris Knight. Natürlich motzen die Mitspieler den Sound auf. Bei der Ballade Mercy finde ich das, im Solo, sogar leicht übertrieben "geblubbert". Ansonsten kommt mir hier ein Kris Kristofferson in den Sinn.
Auch leicht psychedelisch Anklingendes findet sich: Goodbye Is Just A Freight Train Comin' lässt die 60er durchscheinen und sowohl Dylan als auch - und im Besonderen - die BEATLES "daherleiern". Ein gewisser Drive geht trotzdem nicht verloren und stellenweise rockt es sogar. Gefällt mir sehr gut.
Geschichtlich bewandert ist Jeff Finlin sowieso, denn er weis: Jesus Was A Motorcycle Man. Entsprechend tuckert der Song munter voran, als würden die Highwaymeilen unter ihm weggleiten. Hier sind wir schon eher in den 70ern Zuhause.
In denen es ja gern groovig zuging. What's The Big Idea? Ganz einfach: Leicht funkiger Groove, souliger Untergrund und ein cooler Sprechgesang, über dem eine Orgel vibriert. Kommt wirklich gut!

Würde man mir Highway Home ungekannt vorspielen, würde ich sofort Chris Knight rufen. Zu Zeiten von "A Pretty Good Guy", sag ich mal. Lediglich beim Refrain ist die Stimme von Finlin etwas melodiöser.
Beim folgenden Hole In My Belly trifft Ähnliches zu, nur geht es etwas melancholischer, düsterer, zu. Zunächst etwas abgedrehter, empfinde ich Now, mit seinen hohen, vibrierenden Chorus-Vocals, aber das Gitarrensolo bringt wieder mehr Bodenständigkeit ein.
Zu einem Höhepunkt zähle ich Is This Love. Klingt wie die BEATLES, wenn sie sich Richtung Country bewegten, entsprechend Harrison die wichtigen Gitarrenfills einfügte, diesmal aber Lennon einen höheren Gesangseinfluss hatte. Schöne Nummer.
Wie kann man die Fab Four erwähnen, ohne bald wieder ins Camp von Herrn Petty zu stolpern? Schwerlich und deshalb sind wir beim Big Love Song auch wieder in dessen Dunstkreis und niemand würde sich beschweren, hätte Tom den auf einem seiner Alben. Im Gegenteil! Gar psychedelisch wummert es nochmals im abschließenden In My Masterpiece. Aber keine Sorge, gut anzuhören ist das durchwegs und mit jedem Durchgang erschließen sich neue Lieblingsparts.
Und wieder muss ich euch diesen Mann ans Herz legen. Wer genannte Künstler mag, der wird mit Jeff Finlin nicht falsch liegen.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 19.11.2008