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Emotion & Commotion
Jeff Beck
Emotion & Commotion, Warner Music Group, 2010
Jeff BeckGuitar
Alessia Mattalia, Vinnie Colaiuta, Clive Deamer, Earl HarvinDrums
Tal Wilkenfeld, Pino Palladino, Chris BruceBass
Jason RebelloKeyboards, Programming
Luis JardimPercussion
Pete MurrayOrchestral Arrangements
Steve LipsonProgramming
Joss StoneVocals on I Put A Spell On You and There's No Other Me
Olivia SafeVocals on Serene and Elegy For Dunkirk
Imelda MayVocals on Lilac Wine
Produziert von: Steve Lipson Länge: 40 Min 26 Sek Medium: CD
01. Corpus Christi Carol06. Hammerhead
02. Hammerhead07. Lilac Wine
03. Never Alone08. Nessun Dorma
04. Over The Rainbow09. There's No Other Me
05. I Put A Spell On You10. Elegy For Dunkirk

"Ich denke, das Album wird einige Fans ziemlich überraschen, wenn sie es hören, denn es ist kaum das, was die meisten Leute von mir erwarten", lies Jeff Beck im Vorfeld vom Stapel. Als wenn ihn irgendwann schon einmal interessiert hätte, was irgendjemand von ihm erwartet. Entsprechend haben sich die Hörer seit mindestens 40 Jahren von jeglichen Erwartungen gelöst und schauen halt einfach mal vorbei, in "Jeff Becks Guitar Shop" (Albumtitel): "Ist was für mich dabei? Nicht? Na, ich schau andermal wieder vorbei."
Damit war man ganz gut beraten, denn der Wendungen und Kurven waren gar Viele in seiner Karriere. Unser Frankie hat in seinem Bericht zur letztjährigen Live-DVD ja schon einiges zu dem Gitarren-Virtuosen reflektiert und so widme ich mich gleich mal seinem neuen Werk. Immerhin dem Ersten seit sieben Jahren.
Man sollte ja fast mit dem letzten Stück beginnen. Welch unglaublich schöne, ja, ich bin versucht zu sagen "erhabene" Töne Jeff Beck aus seiner Gitarre heraus "massiert" ist schon direkt "steinerweichend" - mir fallen lauter solche Vergleiche ein, wenn ich da zuhöre. Elegy For Dunkirk heißt die Nummer und die Opernsängerin Olivia Safe übernimmt hier den Gesang. Traumhaft, wie sich die Töne umkreisen, direkt sphärisch. Von solcher Güte, dass man danach erst einmal sprachlos ist.
...
Also doch zurück zum Beginn. Auch da - und diesmal ganz instrumental - entführt Beck in himmlische (Klang-) Welten. Klar kann man sagen, heutzutage gibtís Effektgeräte en mass, mit denen noch die absonderlichsten Töne kreiert werden können, aber solche Universen wie in Corpus Christi Carol, nur von ein paar Streichern unterlegt, können nur Gefühl und aufregende Kreativität hervorrufen.
Fließend, oder vielmehr von ein paar Hendrix'schen Wah-Wah-Tönen eingeleitet, gehtís in Hammerhead über und - ja, der Titel suggeriert es schon - Jeff verweist mit der, mit einem Zeppiln-haften Rock-Riff ausgestatteten, jazzigen Fusion-Nummer auf seine Zusammenarbeit mit Jan Hammer. Hier zieht Mr. Beck denn auch schon ganz schön vom Leder und lässt ein paar seiner Trademark-Saitenbendings aufjaulen.
Mit Never Alone - auch das von orchestralen Klängen unterlegt - wird es wieder ruhiger, getragener, sodass man entspannter diesen einzigartigen Gitarrentönen lauschen kann. Ich bin kein Freund von Instrumentalstücken und ewigen Gitarrensoli schon gleich gar nicht (meine Bandkollegen behaupten etwas anderes), aber der Einfallsreichtum und dieser Sound lassen keinen Hörer teilnahmslos.

Dass ich bei der vorhergehenden Nummer irgendwie an Ritchie Blackmore gedacht habe, wird mir erst beim folgenden Over The Rainbow klar. Etlichen Konzerten des Herrn Blackmore diente das als Prolog. Bei Jeff Beck klingt das so zart, so zerbrechlich und doch so ungeheuer stark. Schier unglaublich, wie der Mann diese Töne "entstehen" lässt. Ich bin mir sicher, nur Wenige können solche Bendings so glasklar klingen und gleichzeitig so irrsinnig leicht schweben lassen. Ob's einem gefällt oder nicht, das ist schon klasse.
Deutlich Eingängiger natürlich, wenn Joss Stone sich für den Klassiker I Put A Spell On You ans Mikro stellt. Ein typisches Beck-Lick leitet den Song ein, der sich hier in jazzigen Gefilden bewegt und in dem sich die angeraute Blues/R'n'B-Stimme der Sängerin und die Gitarre gegenseitig anstacheln und ordentlich Feuer machen. Da sind mir die knapp drei Minuten echt zu kurz.
Trotzdem - und in meinem Fall fast widersinnigerweise - gefällt es mir mit am besten, wenn sich Jeffs tolle Band mehr mit einbringt, wie in Serene. Das herrlich groovende Schlagzeug von Vinnie Colaiuta, der wundervoll swingende und von gefühlvollen Läufen getragene Bass von Tal Wilkenfeld und natürlich auch die Klangteppiche von Jason Rebello. Es sind herrliche Ton-Schichten, die hier übereinander, aneinander, nebeneinander pulsieren. Sicher ein Anspieltipp.
Wie schon Corpus Christi Carol, wurde >i>Lilac Wine zuletzt in der Bearbeitung von Jeff Buckley (auf dessen Erfolgsalbum "Grace") mit am bekanntesten. Zunächst nahm Jeff Beck die Nummer als Instrumental auf, aber zum Glück entschied er sich, der Sängerin Imelda May eine Plattform zu bieten und die verhilft mit ihrem jazzigen Gesang dem sehr getragenen Song zu einigen Glanzlichtern. Dazwischen immer wieder Beck-typische Soloeinlagen, die ähnlich verzaubern wie Mays Stimme.
Beck braucht ja eigentlich keine italienische Oper, um seine Gitarre wie eine Stradivari singen zu lassen, aber Nessun Dorma, aus der Feder von Giacomo Puccini, kommt ihm da natürlich schon entgegen. Auch das eine beeindruckende Demonstration.
There's No Other Me - der Titel könnte auf Beck zugeschnitten sein - bringt nochmals Joss Stone zurück in den Ring und die pusht die Band so richtig zu heftigen Klangeruptionen. Jazzig verspielt, leicht verhalten brodelnd und dann immer wieder heftigst ausbrechend. Absolut toll, wie Joss Stone hier dynamisch für Drive sorgt.
So, und dann eben noch das eingangs erwähnte Stück und man bleibt still und stumm sitzen. Versucht das Gehörte zu verarbeiten und zu verstehen. Und wird bald das Album von Neuem starten. Man muss nicht jedes Lied darauf mögen, aber es ist durchwegs eine tolle Leistung und - so denke ich - jeder Musikfreund kann sich für diese Emotionen, zu gewissen Zeiten, begeistern.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 19.04.2010