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Women + Country
Jakob Dylan
Women + Country, Sony Music, 2010
Jakob DylanVocals, Acoustic Guitar, Electric Guitar
Jay BellroseDrums
Dennis CrouchAcoustic Bass
Greg LeiszPedal Steel, Baritone Guitar
Keefus CianciaKeyboards
David MansfielFiddle, Banjo
Neko Case, Kelly HoganBackground Vocals
T Bone BurnettGuitar, Electric Bass
Marc RibotGuitar
Darrell LeonardTrumpet
Ira Nepus, George BohanonTrombone
Maurice SpearsBass Trombone
Produziert von: T Bone Burnett Länge: 42 Min 53 Sek Medium: CD
01. Nothing But The Whole Wide World07. Holy Rollers For Love
02. Down On Our Own Shield08. Truth For A Truth
03. Lend A Hand09. They've Trapped Us Boys
04. We Don't Live Here Anymore10. Smile When You Call Me That
05. Everybody's Hurting11. Standing Eight Count
06. Yonder Come The Blues

Ist es nun endlich so weit, dass der Junior aus dem Schatten des Übervaters tritt? Na, das "nothing" in Nothing But The Whole Wide World kriegt er schon nahezu genauso genuschelt hin, wie einst der Daddy. Daran liegt's aber natürlich nicht, wenn man jetzt vielleicht ein neues Kapitel aufschlagen muss.
Das Experiment mit Rick Rubin als Produzent des letzten Albums hat zwar prima funktioniert, aber - der Apfel fällt nicht weit vom Stamm - eine Veränderung war wieder angesagt und auf dem Produzentenstuhl (und in die Saiten griff er natürlich auch gern mal) saß diesmal T Bone Burnett. Selbst schon eine Art Legende. Weitere wichtige Neuerung ist die Hinzunahme der beiden wundervollen Backgroundsängerinnen Neko Case und Kelly Hogan. Und es sei jetzt schon verraten, dass das Album wirklich toll klingt.
Langsam, fast sanft, schlägt Jakob die Saiten seiner Akustikgitarre an, als säße er im heimischen Wohnzimmer. Und ein Mitspieler nach dem anderen gesellt sich hinzu und so langsam kommt ein richtig schöner Country-Schwof dabei heraus. Neko und Kelly umschmeicheln mit ihren Stimmen ganz subtil den Sänger, dazwischen immer wieder die gefühlvolle Pedal Steel von Greg Leisz. Bezaubernd.
Aber nicht dass jemand denkt, das klänge irgendwie glatt oder zu schmalzig! Nein, das ist alles von ganz besonderer Qualität! Man hört, ja, spürt förmlich, welch Könner hier am Werk sind. Da braucht's keine Hetze kein in den Vordergrund treten. Einfach ein paar tolle Songs und die Interpreten mit dem richtigen Sinn sie zum Leben zu erwecken. So geschieht das auch mit Down On Our Shield. Wieder fühlt man sich als säße man dabei, fühlte diese herrliche Atmosphäre, verliert sich in diesen tollen Klängen.
Herrlich, natürlich, so ein New Orleans Street-Waltz, wie Lend A Hand. Denn bekommt man in solcher Qualität sonst nur von Leuten wie Tom Waits geboten. Da kann man nicht anders als verzückt mitzuschaukeln. Ob es zu einer Beerdigung oder zu einer Party geht.. wen interessiert das hier schon?

Für den Rückweg empfehle ich das schleppende We Don't Live Here Anymore. Schwer, aber unnachgiebig von dem Banjo angetrieben, schleppt es sich durch den Straßenstaub und man meint fasst die Stiefel schlurfen zu hören, während das Mantra des Refrains wiederholt wird. Akzente setzt hier die Geige und natürlich der stolpernde Rhythmus. Klasse!
Einen leichten Ethno-touch scheint unter dem Beginn von Everybody's Hurting zu liegen, aber wenn Jakobs Gesang einsetzt, fühlt man sich bald an Interpreten wie Neal Casal erinnert und wenn die beiden Backgroundsängerinnen die Leadstimme umgarnen, gerät man wieder so richtig schön ins träumen. Erneut sind Geige und Pedal Steel für den Westernsound verantwortlich, während die Bläser den Louisiana-Flair mit einbringen. Auch das wunderschön.
Beim beschaulichen Yonder Come The Blues klingt Dylan so sehr nach Jackson Browne wie der selbst kaum noch. Spaß beiseite, aber das ist wirklich gut. Herrlich instrumentiert und von der singenden Pedal Steel getragen, könnte die Stimme hier auch ganz allein bestehen.
Das leicht atmosphärische Holy Rollers For Love klingt wieder stark nach Neal Casal und erneut sind es die tollen Gesangsharmonien, die einen verzaubern.

Und wenn wir schon beim träumen sind, bietet sich die leicht vibrierende Desert-Country-Nummer Truth For A Truth an, um einen kleinen Ausritt in den Sonnenuntergang zu unternehmen und sich von dem melancholischen Text gefangen nehmen zu lassen.
Mehr nach Bob hat Jakob wohl selten zuvor geklungen, wie in They've Trapped Us Boys. Der Song verwandelt sich zwar sehr bald in einen lockeren Country-Swing-Schunkler, aber Ähnliches kennen wir ja auch Daddy schon seit Jahren. Macht richtig Spaß hier zuzuhören und sich von diesen Klängen mittragen zu lassen.
Ich kann mir nicht helfen, irgendwie erinnert mich Smile When You Call Me That an die alte EVERLY BROTHERS Crying In The Rain. Gleichzeitig aber auch an manche Country-Rock-Ballade. So recht geeignet für den Tagesausklang auf der Veranda. Oder dem engen Tanz in der Roadside-Bar.
Der letzte Song wird von einem Bläsersatz eingeleitet und begleitet, als würde Neil Young erneut in den Präsidentschaftswahlkamp ziehen. So sehr scheppert und kracht es hier natürlich nicht, aber die Atmosphäre ist fast eine ähnliche und animiert einen sofort zum einsteigen und mitmarschieren. Egal, wohin die Truppe ziehen mag.
Ich sage, es ist so weit, dass man unter dem Trademark "Dylan" nicht mehr nur den verdienstvollen Helden der letzten 50 Jahre sehen muss, sondern hier hat sich einer endgültig freigeschwommen und verweist den Erzeuger, wenn nicht jetzt, so doch schon bald auf den zweiten Platz.
Watch out, Bob: The times they are a-changin'!

Epi Schmidt, (Artikelliste), 11.04.2010