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Meet Glen Campbell
Meet Glen Campbell, Capitol Records, 2008
Glen CampbellVocals, Guitar
Jason Falkner, Wendy MelvoinElectric Guitars
George DoeringAcoustic Guitar, Banjo, Mandolin
Chris ChaneyBass Guitar
Roger Joseph Manning Jr.Keyboards
Vinnie ColaiutaDrums
Luis ContePercussion
Marty RifkinPedal Steel
Additional Musicians:
Debby Campbell, Dillon Campbell, Cal Campbell, Shannon Campbell, Ashley CampbellVocals
Rick NielsenGuitar
Robin ZanderVocals
Todd YouthGuitar
Kim BullardKeyboards
Produziert von: Julian Raymond and Howard Willing Länge: 33 Min 48 Sek Medium: CD
01. Sing06. Sadly, Beautiful
02. Walls07. All I Want Is You
03. Angel Dream08. Jesus
04. Times Like These09. Good Riddance (Time Of Your Life)
05. These Days10. Grow Old With Me

"Meet Glen Campbell" - ja, den müsste man wirklich mal treffen. Ein facettenreicherer Musiker ist ja gar nicht so leicht aufzutreiben. Dazu schon seit Jahrzehnten im Geschäft. Mit einer ausgezeichneten Stimme gesegnet, weswegen ihn die BEACH BOYS in den 60ern als Ersatz für Brian Wilson für Tournee anheuerten. Gitarre spielt er schon damals hervorragend und tat dies für Mega-Stars wie Elvis Presley und Frank Sinatra (und wiederum für die BEACH BOYS auf "Pet Sounds") sowie regelmäßig für die Produktionen von Phil Spector. Und als die MONKEES Neil Diamonds I'm A Believer einspielten, ratet mal, wer da Gitarre spielte?
Aber nicht nur als 'Sideman' für andere glänzte Campbell. Zwar prinzipiell dem Country-Lager zugehörig, war das für ihn nie eine Grenze und gern überquerte er die Grenze zum Pop und hatte u.a. mit By The Time I Get To Phoenix einen Hit. Seine Popularität führte zu einer eigenen TV-Show von 1969 - 1972 - neben Johnny Cash haben das ja nicht viele geschafft - mit dem Titel "The Goodtime Hour".

Der "Rhinestone Cowboy" (na, jetzt dämmert's, was?) schreckte eigentlich vor nix zurück. Nicht einmal, vor der Beteiligung an eine Dance-Version dieses Hits, den die Hip-Hopper Rikki & Daz 2003 verwursteten.
Und jetzt also dieses Spätwerk: "Meet Glen Campbell". Beziehungsweise Glen Campbell trifft Kollegen - respektive deren Songs. Wer sich aber ein Alterswerk von Rick Rubin'scher Kargheit und Reduziertheit auf das Allernötigste - wie wir das von den genannten Cash und Diamond kennen - vorstellt, liegt falsch. Der Mann hat seine Vorstellungen und die Songs ordnen sich dem überwiegend unter.
Nichtsdestotrotz ist die Auswahl interessant und zeigt Campbells Sinn für den 'Cross-over'.
TRAVIS Sing wird in seinem Ohrwurmcharakter hier noch verstärkt, ja, das Banjo ist auch zu hören, aber auch aufgemotzt und mit reichlich Streicher-Kram und Glockentönen schon etwas glatt. Der Gesang ist allerdings toll!
Fast meint man, anschließend kommen SMOKIE mit Needles And Pins, aber es Tom Pettys Walls (aus dem oft schmählich übersehenen Soundtrack "She's The One"), ein wirklich toller Song. Der Petty-Charakter bleibt überwiegend erhalten, doch auch hier lullt man den Song in reichlich "Watte" ein.
Dass gleich hinterher ein weiterer Song von "She's The One" folgt, gefällt mir ausgesprochen gut und langsam dürfte jedem die Qualität dieses Albums in den Ohren klingeln. Bei Angel Dream hält sich der Orchesterkram denn auch in Grenzen und unterstützt die marschierende Snare-Drum, das galoppierende Banjo und die flotte Akustikgitarre mehr. Leider nach 2 Minuten schon 'rum.
Der FOO FIGHTERS Times Like These hätte ich solche Mainstream-Qualitäten gar nicht zugetraut. Doch auch hier reichlich Geigen-Schmalz.

Bei Jackson Browne klingt These Days eigentlich nicht sonderlich spektakulär, aber, wie oft bei Browne, die Stimme und die Inszenierung macht's und David Lindleys Slide ist göttlich wie immer. Bei Campbell erinnert mich der Song mehr an den "unknown Stuntman".
Paul Westerberg - mit oder ohne REPLACEMENTS - gehört zweifelsohne zu den tollsten Songschreibern und so findet sich mit Sadly Beautiful auch eine wundervolle, bittersüße Ballade auf dieser Scheibe. Hin und wieder wünsche ich mir Westerbergs Songs ja etwas "weniger sperrig", nur damit er eine größere Akzeptanz bekommt. Vielleicht gelingt das Glen Campbell mit dieser Aufnahme.
Von U2s Vorlage will sich Campbell bei All I Want Is You offenbar nicht entfernen. Immerhin mach die Streicher hier mit einigen leicht schrägen Tönen einen richtig guten Job und das Banjo im Hintergrund kommt auch gut. Keine Kanten und Ecken, aber mit nettem psychedelischen Charakter.
Jesus - im Original von VELVET UNDERGROUND hat dann wieder mehr Country-Stil in sich - die Geige bringt gar was Irisches mit ein - und die Stimme erstaunt erneut. Der Mann ist immerhin schon über 70!
Hält ihn das davon ab, einen Song von GREEN DAY zu covern? Nein! Good Riddance (Time Of Your Life) mutiert vom flotten Folksong zu einem richtig teibenden Country-Bluegrass Titel. Natürlich über einer gut gefederten Streicher-Matratze.
Vor solchen Pomp-Anflügen war auch ein John Lennon nicht gefeit und verlor sich auch gern mal in watteweichen Schmusesongs. Remember Good Night vom "Weißen Album"? Grow Old With Me (ja, man darf angesichts des Titels ruhig eine Träne verdrücken) stammt vom posthumen Album "Milk And Honey" und wäre nicht die E-Gitarre fiele der Song auf keinem Weihnachtsalbum negativ auf. Na ja, warum eigentlich nicht?
Insgesamt und auf die Dauer - auch wenn's kaum über 'ne halbe Stunde dauert - ist mir das alles schon etwas zu soft. Für sich genommen - gerade die Tom Petty-Nummern und der U2-Song - geht nahezu alles. Eine 'Stripped'-Version von dieser Scheibe würde mir zweifelsohne besser gefallen.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 28.08.2008