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Black Clouds & Silver Linings
Dream Theater
Black Clouds & Silver Linings, Roadrunner Records, 2009
James LaBrieGesang
John PetrucciGitarre
John MyungBass
Jordan RudessKeyboards
Mike PortnoySchlagzeug
Produziert von: John Petrucci & Mike Portnoy Länge: 75 Min 25 Sek Medium: CD
01. A Nightmare To Remember04. The Shattered Fortress
02. A Rite Of Passage05. The Best Of Times
03. Wither06. The Count Of Tuscany

Vor zwanzig Jahren veränderte eine Platte die Geschichte der Musik und hauchte einem lang daniederliegenden Genre neues Leben ein: seit “When Dream And Day Unite“ war klar, dass Heavy Metal durchaus anspruchsvoll sein und dennoch die Massen erreichen konnte. Auf der anderen Seite begannen viele Fans, sich mit den Einflüssen dieser neuen Band auseinanderzusetzen und entdeckten Bands wie unter anderem YES, PINK FLOYD, GENESIS wieder. Das Alles verdankt die Musik-Szene vier jungen Typen (der erste Sänger war nicht mehr ganz so frisch) aus New York, die ihre Band gerade von MAJESTY in DREAM THEATER umbenannt hatten.

Seitdem haben Drummer Mike Portnoy, Gitarrist John Petrucci, Bassist John Myung zusammen mit Sänger James LaBrie (seit 1991) und Keyboarder Jordan Rudess (seit 1999) mit großer Regelmäßigkeit wahre Meilensteine der anspruchsvollen und harten Rockmusik geschaffen und damit Legionen von Bands beeinflusst. Im Progressiven Metal müsste es eigentlich eine Zeitrechnung Prä-DREAM THEATER und eine Post-DREAM THEATER geben.

Das neue Werk “Black Clouds & Silver Linings“ ist nun das elfte Studio-Album der New Yorker und gemessen an ihren eigenen immens hohen Ansprüchen ist DREAM THEATER leider nicht ganz der große Wurf gelungen. Sie wollten mehrere extralange Tracks aufnehmen, da diese bei den Fans besonders gut ankommen und so besteht das neue Werk aus lediglich sechs Liedern, von denen aber vier jeweils deutlich über 12 Minuten Länge aufweisen. Das bedeutet natürlich, dass sich die Musiker wieder in ausufernden aber spannenden Improvisationen ergehen dürfen, die ihren Kollegen sicher den Angst-Schweiß auf die Stirne treiben dürften. Aber dennoch wirkt manche Passage der Songs etwas forciert und wäre bei anderen Alben vielleicht ersatzlos gestrichen worden. Gerade die Longtracks können eben doch nicht durchgängig die Spannung hoch halten. Das bedeutet aber nicht, dass sie langweilen, aber sie fesseln mich nicht durchgängig. Das war bei früheren überlangen Stücken wie etwa A Change Of Seasons, The Great Debate oder jüngst Octavarium noch ganz anders. Hier weiß mich noch am ehesten das abschließende The Count Of Tuscany komplett zu überzeugen. Aber mein persönlicher Favorit ist hier ganz klar A Rite Of Passage. Bei diesem Stück hat einfach alles Hand und Fuß, einen Sinn und hier käme niemand auf die Idee einen Part einfach auslassen zu wollen – so klingen DREAM THEATER in ihren stärksten Phasen.

Auffällig ist aber, dass Keyboarder Jordan Rudess der Band wieder den satten Soundteppich früherer Alben „drunterzaubert“. Dabei erinnert er stellenweise an Ur-Keyboarder Kevin Moore (OSI und CHROMA KEY). Sicherlich gibt es hier kein neues Space Dye Vest zu bewundern (das bei den Fans ohnehin geteilte Reaktionen hervorrief), aber Stücke wie Wither gehen wieder deutlicher in diese Richtung. Vielen Hörern dürfte es zudem positiv auffallen, dass sich Sänger James LaBrie meist in für ihn eher tieferen Lagen bewegt. Ihm dürfte das dann spätestens auf der kommenden Tour entgegenkommen.

Die treibenden Kräfte bei DREAM THEATER bleiben aber Portnoy und Petrucci, die auch wieder die Produktion des Albums persönlich übernahmen. Diese dominieren mit ihrem Drum- beziehungsweise Gitarren-Sound das Erscheinungsbild der Band. Die Fans wollen es ohnehin nicht anders, denn schließlich sind DREAM THEATER eine Metal-Band, die das auch in allen Facetten in ihren Songs auslebt. So ist keiner der Tracks eine reine Ballade und keiner eine reine Double-Bass-getriebene Metal-Nummer /(auch wenn Portnoy manchmal den Blast Beats sehr nahe kommt). Stattdessen werden aber zahlreiche balladeske Elemente in die Stücke eingeflochten, so dass das Album auch nicht zu anstrengend zum Hören wird.

Beim Song über Portnoys Alkohol-Entzug (auf jedem der letzten Alben ist ein Song, der sich dem 12-Punkte-Programm der Anonymen Alkoholiker widmet) The Shattered Fortress greifen DREAM THEATER auf musikalische und lyrische Motive aus vorangegangenen Stücke zu dem Thema zurück. Das ist wirklich sehr gelungen und zeigt die übergreifenden Zusammenhänge im Gesamtkunstwerk der Band auf.

In The Best Of Times verarbeitet der Drummer mit dem Faible fürs Texte schreiben dann die Beziehung zu seinem Vater. Diesem konnte er das Lied noch kurz vor seinem Tod vorspielen. Wem diese Geschichte schon ein wenig Tränen drückend vorkommt, dem dürfte der Song auch nicht gefallen. Die Melodien von Akustik-Gitarre und Geige zum Beginn sind schon ein wenig zu „cheesy“ für meinen Geschmack. Der richtige Song beginnt dann erst nach knapp drei Minuten und ist für ein so langes Stück überraschend eingängig.

Der Sound des Albums erscheint mir hingegen wieder etwas wärmer zu sein als bei dem Vorgänger “Systematic Chaos“. Alleine das tut dem Werk schon sehr gut. Dass dann noch auf die Wünsche der Fans eingegangen wird und sich die Band viel Zeit nimmt, musikalische Ideen zu entwickeln, voranzutreiben einem Höhepunkt entgegen treiben zu lassen und diesen dann entsprechend zu zelebrieren dürfte die Fans früherer und Kritiker jüngerer Werke wieder komplett mit der Band versöhnen.

“Black Clouds & Silver Linings“ ist somit wieder ein sehr gutes aber leider kein überragendes Album geworden. In meinen Ohren klingt es eben fast ein wenig zu gewollt. Die Band wollte den Fans das geben, wonach diese verlangen und hat vielleicht dabei ihre eigenen Kriterien ein wenig hinten angestellt. Im direkten Vergleich zu “Systematic Chaos“ ist “Black Clouds & Silver Linings“ ein deutlicher Schritt in die richtige Richtung. Wo die Band auf “Chaos“ manchmal etwas ausgelaugt wirkte und lediglich einige gute Songs bot (und das ist halt schon wenig für die Klasse der Band), da hat BLACK CLOUDS & SILVER LININGS schon mehr von dem zu bieten, was das Fan-Herz begehrt: epische Songs mit endlos erscheinenden aber niemals langweilenden Instrumental-Parts und hymnischen Melodiebögen.

Marc Langels, (Artikelliste), 17.06.2009

So nah an die alten Prog Götter wird wohl nie mehr eine Heavy Metal Band kommen, wie DREAM THEATER es in ihrer bisherigen Karriere geschafft haben. Für die einen ein Segen, kann es aber auch zum Fluch werden, denn bei ihrem neusten Werk bleibt außer einigen erneuten Annäherungsversuchen kaum ein Song, Melodie, Refrain oder Riff hängen und wenn, dann weil es z. B. ein paar Mal an RUSH, ein Steve Howe Solo oder einen METALLICA Thrash Riff erinnert.
Keine Frage, "Black Clouds And Silver Linings" ist im Vergleich zum Gross der jüngeren VÖs dieser Tage nach wie vor herausragend, technisch perfekt und fett produziert, aber ein Highlight wie "When Dream And Day Unite" oder Hits wie Pull Me Under schüttelt man eben nicht alle Tage aus dem Ärmel. Dazu schwächelt auch noch James LaBrie, nicht oft, aber immer öfter.
Vielleicht lässt sich das Album ja durch häufige Hördurchgänge erarbeiten, aber ich für meinen Teil halte es lieber mit dem ersten Eindruck, der ist doch meistens der Richtige.

Ralf Frank, (Artikelliste), 16.06.2009

Ich will ganz ehrlich sein. Gerissen habe ich mich nicht so sehr um den Job, die neue DREAM THEATER-Scheibe zu rezensieren.
Dafür haben mich die Herren Portnoy, Petrucci & Co nach "Awake" und dem Weggang von Kevin Moore viel zu häufig enttäuscht.
Einige Nachfolgealben klangen zum Teil doch recht motivationslos und schienen lediglich von der Aufgabe beseelt zu sein, die 75 Minuten auf dem Silberling irgendwie voll zu kriegen.
Ich weiß, die Alben waren alle noch gut im Vergleich zu den Scheiben manch anderer Band. Aber bei begnadeten Musikern hat man halt immer eine etwas andere Erwartungshaltung.

Nun folgt also mit "Black Clouds & Silver Linings" DREAM THEATERS zehnter Versuch, die Progressive Rocker erneut in ihren Bann zu ziehen. Und das gelingt den fünf New Yorkern besser als mit den anderen Studioalben der letzten Jahre.
Zwar hat man auf "Black Clouds & Silver Linings" erneut häufig Déjà-vus und meint den einen oder anderen Part bereits auf "Six Degrees..." oder "Train of Thought" gehört zu haben. Dennoch zeigt man sich neuen Einflüssen gegenüber offen.
Der Beginn von A Nightmare To Remember klingt z.B. mit seinen Bombast-Keyboards und den darunterliegenden Doublebassdrum-Gewittern fast ein wenig wie ein CRADLE OF FILTH-Song. Passend dazu streut James LaBrie des öfteren Vocals ein, die ganz schön "evil" klingen.
Mit A Ride Of Passage folgt für DREAM THEATER-Verhältnisse ein relativ straigter Song, bevor mit Wither die seit Another Day obligatorische Ballade folgt. The Shattered Fortress und das fast 20-minütige The Count Of Tuscany sind Songs alter DREAM THEATER-Schule, bei denen die oben erwähnten Déjà-vus am häufigsten auftreten sollten.
Mein persönlicher Lieblingssong auf "Black Clouds & Silver Linings" ist The Best Of Times. Hier werden sowohl Energie und Geschwindigkeit heruntergedrosselt, teilweise zeigt der Song sogar Reminiszenzen an klassische Musik. Ein sehr harmonischer Song, der der Band sehr gut zu Gesicht steht.

Apropos Herunterdrosseln: positiv möchte ich noch bemerken, dass James LaBrie bei seinem Gesang kaum einmal ans Limit geht, was den Songs sichtlich gut tut.
Was die Platte gegen über ihren Vorgängern ebenfalls heraushebt, ist das insgesamt bessere Songwriting. Obwohl DREAM THEATER-Platten ja immer "konstruiert" werden, hören sich die wenigsten Songs nach reiner Konstruktion an.
Auch die Gesangsarrangements haben meiner Meinung nach erheblich zugelegt.

Abschließend kann man sagen, dass auch "Black Clouds & Silver Linings" qualitativ die ersten drei Platten zwar nicht vom Podium wird stoßen können. In meiner persönlichen Rangliste nimmt sie jedoch gleich einen der Plätze dahinter ein.

Kay Markschies, (Artikelliste), 17.06.2009

Nachdem ich DT schon abgehakt hatte, gabs mit den letzten beiden Alben teils ne deutliche Rückbesinnung auf echte Songs, statt nur Gewichse.

Ich war also positiv neugierig. Nach ein paar Hördurchgängen bleibts aber beim Unentschieden. Ein strunzdoofes Stück wie "A Nightmare To Remember" das mit diesen Metallica Gedächtnis-Riffs wieder nervt und mit technisch böse verstellter Stimme mich dann noch zum Lachen bringt, gefolgt von nem teils-teils Werk, zwischen wieder diesem kreuzdoofen Geriffe und schönen melodischen Momenten. Mahlzeit dacht ich mir. Dann find ich aber überraschend die kurze Ballade, die meist ein sicherer Skipkandidat auf DT Alben war diesmal richtig angenehm.

Bevor Portnoys letzter Teil der Alk-Saga mit Brettgewichse und dieser.... ich-fürcht-mich-ja-so....bööööösen verzerrten Stimme wieder ernüchtert und Petrucci mit seinen meistergültig einfallslosen Soloauftritten einfach nur auf den Sack geht. Eigentlich wollt ich an dem Punkt das neue Album abhaken, erwartete nix mehr und dann kommen die beiden Höhepunkte. "The Best Of Times" ist teils stark und gut symphonisch angehaucht und glänzt mit Melodie und Refrain (geht doch Jungs). Der longeste Longtrack "The Count Of Tuscany" ist dann insgesamt ein feines episches abwechslungsreiches Progmetalwerk, dem ich sogar diese erneute Schwachsinnsbösestimme verzeihe weil der Rest fein ist. 32 Minuten die mir richtig taugen (war früher ne ganze LP), ein paar gute Minuten hie und da, also sag ich Unentschieden. Bisserl mehr Kreativität nächstesmal wäre wieder schön. Und zieht euch nicht soviel billigen RTL Fantasymurks rein. Das habt ihr doch von da, oder ? Die Dämonen dort müssen nämlich auch immer so BÖSE sprechen wie ihr hier.

Jürgen Gallitz-Duckar, (Artikelliste), 21.06.2009

Natürlich ist es vollkommen illusorisch ein neues DREAM THEATER-Album bereits nach ein paar wenigen Hördurchgängen in seiner kompletten Tiefe zu erfassen und sich ein Urteil zu erlauben, das in Stein gemeißelt garantiert auch noch Monate später Bestand hat. Dies hier kann also nicht mehr sein, als eine erste Momentaufnahme.

Als Fan der ersten Stunde sind für mich immer noch "When dream and day unite" und "Images and words" das Maß aller Dinge. Ersteres wegen seiner streckenweise an eine Metal-Reinkarnation von RUSH erinnernden Grundtenor, das Zweite, weil es die nahezu perfekte Synthese von Technik und kompositorischer Klasse im progressiven Metal verkörpert.

Ich gebe zu, dass ich mit der Hinwendung des Traumtheaters zu immer härteren Klängen in der jüngeren Vergangenheit nicht immer ganz so glücklich war, weil dies doch stark zu Lasten der traumhaften Melodien ging. Umso erfreulicher. dass es der Band mit "Black clouds and silver linings" zu gelingen scheint ein Album abzuliefern, bei dem Aggressivität und Gefühl in einem ausgewogenen Verhältnis auftreten.

Die beiden kompaktesten Stücke A rite of passage und Wither können zudem mit dem von "Images and words" vertrauten Ohrwurmcharakter aufwarten und verfügen trotzdem noch über genügend Haken und Ösen um die Anhänger vertrackter Kompositionen nicht zu unterfordern.

Die restlichen Stücke mit Laufzeiten zwischen knapp dreizehn und zwanzig Minuten besitzen bei aller ausschweifenden Komplexität und stilistischer Bandbreite genug Passagen mit hohem Wiedererkennungswert, an denen man sich entlang hangeln kann.

"Black clouds and silver linings" begeistert spontan, macht aber keinesfalls den Eindruck, man könne ihm all zu schnell überdrüssig werden. Für mich die überzeugendste Studioarbeit von DREAM THEATER seit "Scenes from a memory".

Martin Schneider, (Artikelliste), 22.06.2009