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Tyrant
Tyrant, Undergroove Records, 2008
Pete FraserVocals
Alan BoothGuitar
Marek BerezaBass
Ben StandageDrums & Vocals
Gäste:
David OkumuVocals
Alice GrantVocals
Rupert MorrisVocals
James RobertsonVocals
Oli ReatonVocals
Phoebe FullbrookViolin
Pascal RoggenViolin
Simon StandageViola
Carine RiesViola
Timothy KraemerCello
Abby WallCello
Tim HerbertDouble Bass
Tom HansonDouble Bass
Produziert von: Tom Savage Länge: 30 Min 55 Sek Medium: CD
01. Tomas de Torquemada07. King Henry VIII
02. Joseph Stalin08. Augusto Pinochet
03. George W. Bush Jnr.09. Pol Pot
04. Nicolae Ceaucescu10. Idi Amin
05. Saparmurat Niyazov11. Ariel Sharon
06. King Leopold II12. Ivan the Terrible

Nicht gerade der lockere Partystoff, den DOWN I GO dem Hörer mit ihrer neuesten Veröffentlichung "Tyrant" zumuten. Aber die vier Londoner spielen ja auch keine pubertären Fun-Punk, sondern wütenden Hardcore, da darf man ja auch mal textlich in die Vollen gehen und die düstersten Ecken der Menschheitsgeschichte ausloten. Das Konzeptalbum versammelt nämlich 12 der übelsten Gewaltherrscher aus Vergangenheit und Gegenwart, um mit ihnen musikalisch abzurechnen. Die Aufzählung erhebt dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Tomas de Torquemada war der erste spanische Großinquisitor im 15. Jahrhundert, mit dem hier in zweieinhalb Minuten abgerechnet wird. Außergewöhnlich ist hier, dass inmitten der eruptiven Corepassagen die Streicher die kurzen, wie Kerzenschein aufflackernden melodischen Elemente betonen. Das nachfolgende, eher langsam Sludgestückchen Joseph Stalin wirft dem Zuhörer wiederholt die Zeile "Glory To Stalin The Great" entgegen. Nach unheilvoller Stille im Mittelteil wirkt das metallische Ende umso unbarmherziger. George W. Bush Jnr. wird in Neunzig Sekunden abserviert. Fast schon eingängig ist der zweistimmige Gesang von Pete Fraser und Ben Standage in Nicolae Ceaucescu, die den stalinistischen Diktator "würdigen".

Saparmurat Niyazov, der 2006 verstorbene Präsident Turkmenistans, unter dessen Herrschaft Menschenrechtsverletzungen alltäglich waren, war berühmt für seinen absurden Personenkult, der in einer vergoldeten Statue von ihm gipfelte, die sich immer der Sonne zuwendet. Auch wollte er einen Eispalast mitten in die turkmenische Wüste bauen. Entsprechend ist der Song fast schon majestätischer Hardcore mit hymnischem Gesang "Turkmenbashi! Father Of The Turkmen!". King Leopold II gewidmet dem belgischen König und Ausbeuter des Kongo mit zahllosen Opfern in der Bevölkerung, beginnt mit einem düsteren Bassriff, um sich dann mit kehligen Coreattacken festzubrennen. Auch bei King Henry VIII werden die Stimmbänder nicht geschont, wobei die am Ende des Stücks hinzukommenden Bläser für eine neue Facette im Klang sorgen.

Nach dem chilenischen General und Diktator Augusto Pinochet und dem kambodschanischen Führer der Roten Khmer Pol Pot, wird dem brutalen ugandischen Gewaltherrscher Idi Amin ein knapp zweiminütiges, wütendes Stück Jazzcore gewidmet. Diskutabel vielleicht das Auftauchen von Ariel Sharon, in Israel ein Held, für die meisten Menschenrechtsorganisationen ein Kriegsverbrecher. Keine zwei Meinungen dürfte es bei Ivan the Terrible geben. Das längste Stück des Albums mit fast vier Minuten klingt mit überraschenden, sanften Streicherklängen aus.

DOWN I GO vereinen auf ""Tyrant" beißend intelligenten Hardcore, mit irrlichternden Gitarren, einem bass wie eine Hornisse - unruhig, rastlos und immer wieder zustechend, bellenden Shouts, aber auch üppiger orchestraler Sanftmut und mehrstimmigem Chorgesang. Durchsetzt von punkigen Elementen, Jazzcore und Metalprog, wirkt trotzdem alles wie aus einem Guss. Ein anstrengendes halbstündiges Vergnügen, bei dem man nahezu jede Sekunde aufmerksam sein muss, um nichts zu verpassen - aber es lohnt sich, wenn man einmal abseits der abgetretenen Core-Pfade wandeln möchte.

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 23.06.2008