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The Circle
Bon Jovi
The Circle, Island Records, 2009
Jon Bon JoviLead Vocals
Richie SamboraGuitars, Backing Vocals
David BryanKeyboards
Tico TorresDrums, Percussion
Hugh McDonaldBass Guitar
Charlie JudgeAdditional Keyboards and Strings
Produziert von: John Shanks Länge: 52 Min 49 Sek Medium: CD & DVD
CD:
01. We Weren't Born To Follow07. Live Before You Die
02. When We Were Beautiful08. Broken Promised Land
03. Work For The Working Man09. Love's The Only Rule
04. Superman Tonight10. Fast Cars
05. Bullet11. Happy Now
06. Thorn In My Side12. Learn To Love
DVD:
90 Minute Band Documentary "When We Were Beautiful"

Wie am Ende vom Review zu "Lost Highway: The Concert" versprochen, hör ich natürlich auch bei der neuen BON JOVI auch gern wieder rein, wenngleich mich die Jahre seit - Herr, sind es wirklich schon 14 Jahre?? - "These Days" nur bedingt begeistern konnten. Ein paar herbe Bauchlandungen darunter!
Aufgetaut bin ich aber schon kürzlich im Reha-Train - ja, das Alter... - als ich eine mir vertraute Stimme, im Radio, einen recht fetzigen Song singen hörte. War mir in dieser Konstellation schon kaum noch in Erinnerung. "Das ist doch der Jon Bon Jovi", denk' ich mir und bin doch recht positiv überrascht. Die Zeiten, in denen ich dem neuen Album der Band entgegenfieberte, sind schon lange vorbei und so war mir die Ankunft von "The Circle" gar nicht so gegenwärtig. Aber nach diesem "Trailer"..., dann mal ran!
Auch nach mehrmaligem Hören geht die Single immer noch gut ab. Sicher, wie bei den meisten Bands dieses Alters, kommt einem einiges vertraut vor (klingt nicht Manches von Born To Be My Baby, nur härter, durch?), aber das gehört ja dazu und wenn Jon mit "Guitar" seine "Rechte Hand" Richie Sambora zum Solo auffordert, klingt das so richtig frisch und knackig und selbst die "Yeah, yeah, oh yeah" Chöre klingen nicht altbacken. So weit, so gut, man war ja zu diesem Lied, mittels Radiopräsenz, schon voreingestimmt.
When We Were Beautiful scheint da schon wieder in den schwülstigen Balladenkram der Zwischenjahre einschwenken zu wollen, aber tatsächlich schaffen sie es irgendwie um diese Klippe herum. Es bleibt zwar im verzögerten Midtempo-Bereich, aber mit Schmackes. Samboras Gitarre sticht deutlich und mit Schärfe hervor und von "Weichspülerei" kann hier kaum die Rede sein, auch wenn es eher was zum Zurücklehnen und aus dem (Auto-, Zug- ?) Fenster schauen ist.
Na ja, bei sich selbst klaut es sich doch am besten, oder? Wie käme das Intro von Work For The Working Man sonst so "Livin' On A Prayer-mäßig" daher? Doch auch hier biegt man rechtzeitig auf ab und vermeidet die Spurrillen, die zuletzt vieles beliebig gemacht haben. Der "Work"-Chor sollte den Song schnell zu einem Live-Favoriten machen, wozu auch der rockige Charakter des Songs beiträgt.

Das "Superman"-Tattoo trägt Jon Boy ja schon seit Ewigkeiten auf der Schulter, da wurde es mal Zeit für einen gleichnamigen Song. Und natürlich ist er es, der dein Superman heute Nacht sein möchte. Als Plattform hat er sich diese, recht schwungvolle Hymne ausgesucht. Geht richtig gut ins Ohr und würde mich nicht wundern, wenn da bald 'ne Single draus wird.
Bullet mag nicht vor Originalität sprühen, aber allein der - fast brutale - Sound, den die Gitarren hier haben, macht schon Spaß und regt an. Langsam bekomme ich mal wieder Lust auf ein Konzert der Band.
Temporeich, fast gehetzt, kündet Jon vom Thorn In My Side und rockt eingängig. Ein weiterer Single-Kandidat und auch Sambora gefällt hier wieder mit Sound und vor allem mit seinem Solo: Kurz und geil!
Was aber richtig nach "Hit" schreit, ist Live Before You Die. Da sind die Gitarren nicht so vordergründig und die Tasten-Fraktion rückt mehr in den Fokus. Sollen sie ja auch mal. Der Song hat richtigen, hymnischen Balladencharakter und hat verliert sich trotzdem nicht in lahmen Arrangements, sondern bringt auch hier Power rüber. Kein Stoff für die Heavy-Anhänger, aber die Girls werden die Nummer lieben. Mir tut sie immerhin nicht weh.
Eine Zeitlang will mich Brokenpromisedland fast etwas einlullen und mir fehlt etwas der Pfeffer, aber letztlich ist es wohl Tico Torres zu verdanken, der im Maschinenraum schuftet und seinen Jungs doch immer wieder in den Arsch tritt und sie antreibt, sodass auch diese Nummer genügend Drive entwickelt um einen bei der Stange zu halten. Nach ein paar Mal hören gefällt mir der Song sogar recht gut.
Love's The Only Rule verwirrt zunächst mit programmierten Sounds und mir schwant schon Übles, aber auch kommt doch bald ein rockiger Elan hinzu und die Gitarren kämpfen recht ansprechend mit den Keyboards um die Herrschaft in diesem Song. Den Solopart entscheiden sie jedenfalls für sich. Heutzutage hat die Band ja auch die Fans, die mit einer Zeile wie "I'm alive like a lonely note from John Coltrane" etwas anfangen kann.

Wie Jon manchmal gar zu einschmeichelnd klingt, will mir Fast Cars an manchen Stellen noch nicht so recht gefallen, wenn es rockt, dann rockt und stampft es aber ganz prima. Und das macht dann doch den Großteil des Songs aus und versetzt auch den Hörer in Schwung.
So kleine "Wiedererkennungsmomente", wie der Solo-Einstieg von Richie Sambora in Happy Now - ja, ja, da fällt mir gleich Bed Of Roses ein - machen Spaß. Der Song plätschert mir, trotz gewisser Power - etwas zu gleichförmig dahin.
Völlig ohne Pomp - nun ja, der Tico mal wieder... - schließt das Album mit Learn To Love, überwiegend von Piano und Akustikgitarre begleitet. Göttlich, wie Jon und Richie hier Harmonie singen - ganz wie in alten Tagen. Ja, und schließlich wird es doch noch eine elektrische Rock-Ballade.
Für mich ist "The Circle" das beste Album der Band seit.. ja, seit 14 Jahren. Ohne echt Aussetzer und mit ein paar Songs, die sich im Repertoire von BON JOVI einen vorderen Platz erobern dürften.

Wer etwas tiefer in die Tasche greifen kann, der leistet sich die Ausgabe mit beigelegter DVD. Auf dieser, When We Were Beautiful betitelten, Scheibe wird eine Reise durch "zurück in die Zukunft" gemacht. Etliche Interviews, vornehmlich mit Jon, aber auch die anderen Drei kommen reichlich zu Wort, einiges an Live-Ausschnitten und Backstage-Kram, vor und nach den Konzerten, zeigen eine vor wie nach sympathische Band, die sehr zielorientiert arbeitet. Ganze Songs gibtís fast nicht zu sehen, aber schon die Ausschnitte reichen, um auch daheim Gänsehaut zu erzeugen. "Irish women are crazy" ruft Jon in die Dubliner Menschenmenge, nachdem ihn ein auf die Bühne gestürmtes Girl kaum mehr loslassen möchte und ihm einige Küsse abringt.
Wir begleiten Tico Torres auf den Golfplatz (ich denke erst, es sind Eiswürfel, die aus diesem Automat purzeln!) und Sambora beim Bötchenfahren. Genießen Jon und Richie beim Gesangsduett zu Diamond Ring - fantastisch!. Richie als Solo-Sänger bei "I'll Be There For You" - ebenfalls geil!
Es kommt nochmals zur Sprache, wie die Band fast auseinander ging und gerade noch rechtzeitig den Manager Doc McGhee feuerte.
Albernerweise werden aller "bad words" immer noch ausgeblendet - das "FSK ab O freigegeben" auf dem Cover muss wohl mit aller Gewalt aufrecht erhalten werden. Da kommt man sich ja fast vor wie bei Johnny Cash 1968! Aber das Jon Bon Jovi fast auf jeder Einstellung raucht, stört anscheinend niemand.
90 Minuten vergehen wie im Flug und unterhalten bestens. Eine schöne Ergänzung zu einem sehr ansprechenden Album.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 07.11.2009