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Before The Flood
Bob Dylan
Before The Flood, Columbia Records, 2009 (1974)
Bob DylanGuitar, Harmonica, Piano, Vocals
The Band:
Robbie RobertsonElectric Guitar, Vocals
Garth HudsonOrgan, Piano, Clavinette
Levon HelmDrums, Vocals
Rick DankoBass, Vocals
Richard ManuelPiano, Electric Piano, Drums, Organ, Vocals
Produziert von: Jeff Rosen und Steve Berkowitz (Reissue) Länge: 92 Min 34 Sek Medium: CD
Disc One:
01. Most Likely You Go Your Way (And I'll Go Mine)07. Up On Cripple creek
02. Lay Lady Lay08. I Shall Be Released
03. Rainy Day Women # 12 & 3509. Endless Highway
04. Knockin' On Heaven's Door10. The Night They Drove Old Dixie Down
05. It Ain't Me, Babe11. Stage Fright
06. Ballad Of A Thin Man
Disc Two:
01. Don't Think Twice, It's All Right06. The Weight
02. Just Like A Woman07. All Along The Watchtower
03. It's Alright, Ma (I'm Only Bleeding)08. Highway 61 Revisited
04. The Shape I'm In09. Like A Rolling Stone
05. When You Awake10. Blowin' In The Wind

Die Live-Alben der 70er. Erst unlängst habe ich darüber etwas geschrieben ..., wo war das doch? Ah! CHEAP TRICK! Und schon wären wir wieder beim Thema: Alle großen Künstler haben damals ihre, zum Teil bahnbrechenden, Live-Alben veröffentlicht. Wie CHEAP TRICK gehörte Bob Dylan zu den ersten Künstlern, die für die "At Budokan" Reihe mitgeschnitten wurden. Dylan gehörte zu denen, die, ob ihrer Tourfreudigkeit mehrere Live-Platten in jenem Jahrzehnt veröffentlichten. Wohl auch zu keinem geringen Teil den illegalen Konzertmitschnitten - sprich: Bootlegs - geschuldet, die sich gerade bei diesem Künstler gerne bedienten.
Neben "Budokan" stehen noch ein paar weitere Live-Alben des Herrn Zimmermann aus diesem Jahrzehnt im Regal, aber für mich kommt keines an "Before The Flood" heran. Schon als Vinylausgabe gehörte dieses Doppelalbum zu meinen liebsten Dylan-Aufnahmen überhaupt. Und das liegt ganz eindeutig mit an der "Begleitband", die gerechterweise auch im Albumtitel genannt wird: THE BAND. Die beste "Band", mit der Bob Dylan je spielte? Da wirdís mindestens so viele Meinungen wie Besetzungen geben, aber ich behaupte, dieses perfekte Verständnis für die Musik und die Art sie zu spielen - und das nur um der Musik willen - findet man sonst nur noch selten Dylans Schaffen.
Zu so solchen Glanzstücken, gehört auch immer das Umfeld und die entsprechende Zeit und hier, zu Beginn des Jahres 1974 auf Amerikatournee, passte einfach beides. Über zehn Jahre nach seinem Debüt geht Bob Dylan hier mit einem Engagement zur Sache, wie es bei seinen zeitgleich gestarteten Musikerkollegen damals kaum zu finden war.
Das lässt sich auf dieser neuen, "Remastered", Version noch besser verfolgen, denn der Sound auf meiner Vinylausgabe war das Einzige, mit dem ich nicht so ganz glücklich war.
Schon Most Likely You Go Your Way (And I'll Go Mine) startet mit großem Elan, einem Sänger, den man damals noch richtig gut verstehen konnte, mit stelleweise aggressiver Stimme und einer Band, die ihn mit rollendem Drive vorantrieb. Absolut klasse, schon zu diesem Zeitpunkt! Ein Musterbeispiel für dynamisches Zusammenspiel, zeigt sich auch THE BAND hier auf einem Höhepunkt. Robbie Robertsons einfühlsame, flüssige, aber auch kernige Riffs, seine zielsicher eingestreuten Licks im folgenden Lay Lady Lay - ein Eric Clapton hätte es nicht besser machen können. Dazu die auf- und abtauchenden Einwürfe an Orgel und Piano von Richard Manuel und Garth Hudson, Levon Helms perfekter Rhythmus. Allein diese Namen können einem schon eine Gänsehaut verschaffen, oder nicht?

Den Boogie Rainy Day Women #12 & 35 haben sicher manche schon "dreckiger" gespielt, aber wohl selten mit solcher Finesse wie die Interpreten hier. Auch das heutzutage eigentlich schon kaum noch hörbare Knockin' On Heaven's Door klingt hier noch richtig frisch und macht Spaß. Schön zu hören, wie Bob schon damals die Töne hin- und herbog. Richtig klasse finde ich, wie sich die BAND immer in die Anfänge von Dylan einklinkt. So mühelos, so natürlich, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Nun ja, haben sie zumindest ja auch lange nicht, aber hier passt wirklich das Wort "harmonieren". Das passt natürlich nicht minder, auf den Gesang der Protagonisten. Wie gesagt, sang Dylan damals noch verständlich und seine Backgroundsänger hatten ja allesamt geniale Stimmen. Als erster Höhepunkt schloss damals Ballad Of A Thin Man die erste Seite der Platte ab und mit verbessertem Sound, kommt die Nummer hier sogar noch besser.
Das Umdrehen erspart man sich mit der CD zum Glück, obwohl der Übergang zu THE BAND damals irgendwie besser "zelebriert" wurde. Egal. Die nächsten Songs gehören der "Begleitband" und die zeigt sich angestachelt und nicht minder engagiert und kann natürlich praktisch ein Greatest Hits - Programm abspulen: , Dylans I Shall Be Released (die Stimmen beim Refrain sorgen für erneute Schauer über den Rücken), The Night They Drove Old Dixie Down (mit großem Applaus begrüßt), Stage Fright ... was soll man da noch sagen?

Dass Bob Dylan nach wie vor nur mit Gitarre und Mundharmonika begeistern konnte, zeigt die dritte Seite (zweite CD). Schlechter Sänger, mittelmäßiger Instrumentalist? Ich behaupte eine bessere, mitreißendere, Version von Don't Think Twice, It's All Right schafft kein Zweiter. Oder die emotionale, fast schmerzhafte Darbietung von Just Like A Woman. Unnachahmlich.
Für mich ein weiterer Höhepunkt: It's Alright, Ma (I'm Only Bleeding). Wie sich Dylan selber in Fahrt bringt, das Publikum zu Zwischenjubel mitgerissen wird, der Song sich immer mehr steigert ... fantastisch!
Für The Shape I'm In kehrt THE BAND zurück und zeigt übergangslos ihre ganze Klasse. Ebenfalls ein Höhepunkt. Der tolle Gesang, die ausgefuchste, natürliche, Dynamik. Offenbar waren die Musiker durch Dylans Intermezzo angestachelt. Jedenfalls scheinen sie hier noch inspirierte zu sein. Wie sie sich die Soli und Breaks zuspielen, macht so richtig Spaß.
Damals wie heute ist The Weight ein fantastischer Song. In einer seiner besten Fassungen ganz sicher hier verewigt. Perfekt auf den Punkt gespielt und gesungen und trotzdem mit kleinen zusätzlichen Schnörkeln durch die Musiker verziert und erweitert.
Zum Endspurt ist Dylan natürlich wieder mit dabei. Wer kann schon immer von "besten Versionen" sprechen? Aber wie sich diese Musiker in All Along The Watchtower reintasten um sich dann furios darauf zu stürzen ist schon beispielhaft und die Soli zeugen von besonderer Inspiration. Diese setzt sich auch in den folgenden Highway 61 Revisited, Like A Rolling Stone und Blowin' In The Wind (mit kompletter Band) fort und macht "Before The Flood" zu einem der Alben, die man einfach haben muss.
Mit dem remasterten Sound klingt die Scheibe ein ganzes Stück besser und die Verpackung, mit mehrfach aufklappbarem Digipak, ist auch schön gemacht. Das etwas schmale Booklet hätte ein paar Infos mehr vertragen können, was jedoch den Genuss dieses Werkes nicht schmäler kann.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 03.04.2009