Guitars & Feathers
Guitars & Feathers, Ruf Records, 2008
Candye KaneVocals
Deborah ColemanVocals, Guitar
Dani WildeVocals, Guitar
Goovert van der KolmKeyboards
Denis PalatinDrums
Michael GriotBass
Laura ChavezGuitar
Produziert von: Paul Shuurman Länge: 73 Min 04 Sek Medium: CD
01. Won't Leave10. Toughest Girl Alive
02. Bring Your Loving Home11. Bad Boy
03. Heal My Blues12. I Got To Know
04. Come Undone13. Fight
05. I Love You More Than I Hate Myself14. Jesus Just Left Chicago
06. You Need A Great Big Woman15. Something's Got A Hold On Me
07. My Country Man16. Whole Lotta Love
08. I'm Lucky17. Rocking On The Blues Caravan
09. Crazy Little Thing

Na, wie hab ich das wieder gemacht? Kaum hatte ich in meinem Review zur BLUES CARAVAN 2008 DVD angeregt, dass ich dieses tolle Konzert, aus der Bonner 'Harmonie', doch auch gern als CD hören würde, schon wird das Teil veröffentlicht! Schön, die von mir erhoffte Doppel-CD wurde es nicht, aber anscheinend ging alles Relevante auf eine CD drauf.
Was ich noch für äußerst bemerkenswert halte, ist: Die BLUES CARAVAN Tour expandiert ja mittlerweile auch regelmäßig nach den Vereinigten Staaten. Bringt also den Blues zurück in sein Ursprungsland (jetzt mal von Afrika abgesehen, aber das kann ja auch noch kommen). Das erinnert mich direkt ein bisschen an die 60er Jahre, als die britischen R&B- und Bluesbeeinflussten Bands nach Amerika gingen und das Publikum wieder für diese Musik - und die schwarzen Originalinterpreten - interessierten.
Das ist jetzt natürlich ein bisschen hochgegriffen, aber lustig ist es doch nicht? Womit gleich nochmals auf den 2007 in Memphis an Thomas Ruf verliehenen "Keeping The Blues Alive" Award verwiesen sein soll.
Zur Musik hier habt ihr ja das Wichtigste schon im DVD Review gelesen, aber ohne Bilder dringt doch manches auf anderem Weg in die Hörmuschel.

So fällt mir hier, auch wenn es eigentlich um "Guitars" geht, der Beitrag der Orgel deutlicher auf. Was die Optik doch ausmacht. Jedenfalls schön, was für tolle Hammond-Sounds Govert van der Kolm schon in Ray Charles' Won't Leave beisteuert. Und es groovt ungeheuer geil!
Wie sich Dani Wilde und Laura Chavez auf der Gitarre ergänzen lässt Bring Your Loving Home erkennen. Und gerade Miss Chavez' Anteil kommt richtig klasse. Kopfhörer sind hier mal wieder empfehlenswert. Lediglich van der Kolms Solo hätte etwas lauter sein dürfen. Aber, wie gesagt, hier geht's eigentlich um "Guitars" (und Federn) und die kommen entsprechend gut.
Also, von Dani Wilde bin ich immer mehr begeistert und freu mich schon auf deren nächstes Album. Wie die sich in ihre Songs Heal My Blues und Come Undone reinsteigert und für Stimmung sorgt ist absolut beeindruckend. Candye Kane - das erfahrene Bühnen-Schlachtross - ist gleichfalls begeistert von der jungen Sängerin und nennt sie auf ihrer Homepage "amazing UK singer" spricht von ihr als "künftige Schwiegertochter". Zumindest Ersteres unterstreicht sie mit dem Slow-Blues I Love You More Than I Hate Myself, welches alle Janis Joplin und ZEP Fans mitreißen dürfte.
Auch ohne sie zu sehen, zaubert Candye Kane augenblicklich ein Grinsen auf jedes Gesicht, wenn sie klar macht: You Need A Great Big Woman! Hier swingt's und groovt es einfach unnachahmlich. Wieder auch ein Verdienst von Laura Chavez!
Ob das Up-Beat-Stück My Country Man oder das mehr bluesig-jazzige I'm Lucky, von ihrem Album "Guitar'd And Feathered" (auf dem Album spielt übrigens Ana Popovic bei diesem Song die Gitarre) oder die Good-Time-Boogie Nummer Crazy Little Thing - hier ist einfach Spaß garantiert. Die an Brustkrebs erkrankte Sängerin ist einfach eine Ausnahmeerscheinung und steht - bzw. sitzt zum Teil - mittlerweile, nach ihrer Behandlung, schon wieder auf der Bühne. Von hier aus nochmals: Gute Besserung, Candye!

Auf der DVD erschien mir Deborah Coleman im Anschluss etwas 'farblos' (sorry, das Wortspiel), aber wem ginge das nach Candye nicht so?
Hier kann man sich doch mehr auf das musikalische Konzentrieren und da fallen mir auch Michael Griots flinke Bassläufe in Bad Boy weitaus deutlicher auf. Und auch Deborahs unprätentiöses Gitarrenspiel tritt in I Got To Know mehr hervor, wie auch in Luther Allisons Fight.
Eindeutiger Höhepunkt ist für mich aber, wenn die drei Mädels Candye Kanes Something's Got A Hold On Me (warum wird das so oft falsch geschrieben?), von ihrem Album "Whole Lotta Love" vom Stapel lassen. Schon seit der DVD geht mir der Song nicht mehr aus dem Kopf: Einmal gehört und schon ist die Nummer für alle Zeiten in den Schädel gebrannt!
An diese Ur-Blues-Version von Whole Lotta Love hier, gewöhn ich mich auch immer mehr; sie gefällt mir von Mal zu Mal besser. Eine ungeheure Intensität ist drin!
Das abschließende Rocking On The Blues Caravan ist dann (nur) noch das Sahnehäubchen auf dieser Scheibe, welches einen beschwingt zum CD-Player tänzeln lässt, um die Play-Taste für einen weiteren Durchgang zu drücken.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 24.08.2008