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The Things We Left Behind
Blue Rodeo
The Things We Left Behind, Continental Record Service, 2009
Bazil DonovanBass
Greg KeelorVocals, Guitar
Jim CuddyVocals, Guitar
Glenn MichemDrums, Percussion
Bob EganPedal Steel Guitar, Mandolin
Produziert von: Blue Rodeo Länge: 84 Min 44 Sek Medium: CD
CD 1:
01. All The Things That Are Left Behind05. Sheba
02. One More Night06. One Light Left In Heaven
03. Waiting For The World07. Million Miles
04. Never Look Back08. Gossip
CD 2:
01. Don't Let The Darkness In your Hand05. Wasted
02. Arizona Dust06. You Said
03. In My Bones07. And When You Wake Up
04. Candice08. Venus Rising

Das wird nix mehr mit denen, oder? Da können BLUE RODEO noch ein weiteres Dutzend an hochkarätigen Americana - und was daran angrenzt - Alben veröffentlichen und die Schar der Fans wird nur unwesentlich steigern. Warum nur? Weil Qualität keinen interessiert?
Na, egal, nach bald 30 Jahren und mit ihrem zwölften Studioalbum hat die Band keinen Deut von ihrer Faszination verloren. Ja, die leicht ergrauenden Herren scheinen eher noch zuzulegen. Das schlägt sich auch gleich in der Spielzeit nieder, obwohl die Songs ja fast auf eine CD gepasst hätten. Die Idee dahinter war einfach, dass BLUE RODEO dem Hörer das Gefühl einer LP nahe bringen wollten. Als man die "Platte" also noch rumdrehen musste.
Steigen wir also gleich mal in die "erste Seite" ein. Bedeutungsschwanger klingen Streicher und Pauken, als würde ein Orchester den Soundtrack eines Filmes einleiten. Leicht verträumt/verhalten beginnt der Titelsong, schwingt sich aber in kürzester Zeit zu einer Hymne, irgendwo zwischen CSN und Pink Floyd - auf, die den meisten Bands schon zum Höhepunkt des Albums gereicht hätte. Heute sagt man ja wahrscheinlich "Download"-Tipp, aber im Sinne der Interpreten bleibe ich doch beim altmodischen Plattenladen-"Anspiel"-Tipp. Das Mittsiebziger-Young krönt diesen tollen Song.
In Fahrt kommt man gleich darauf mit dem munteren Railroad-Shuffle One More Night, der einen den Country-Highway endlos hinunterfahren lassen möchte. Das "Aufgemerkt"-Solo übernimmt hier Steve O'Connor an der Wurlitzer.
Sollte man doch irgendwann am Ziel sein, oder eine Pause brauchen, lässt es sich wohl kaum trefflicher entspannen, als zu Waiting For The World. Eine süßliche Country-Ballade allerbester Güte, mit einer herrlich sehnsüchtigen Pedal-Steel Gitarre. Der Harmoniegesang der Band ist ja eh schon fast legendär.
Der schlägt sich natürlich auch in einem rockigeren Song wie Never Look Back nieder. Lead-Sänger Greg Keelor meint sich für diesen Song auch bei den EVERLY BROTHERS bedient zu haben, aber das ist auch jede Menge BYRDS drinnen und zwar von der flotten Sorte.

BLUE RODEO denken bei Sheba nicht zu unrecht an die STONES der späten 60er Jahre. Mir persönlich kreist bei diesem Song der fantastischen Gary Gloyd und sein Never Felt Love At All im Schädel herum. Aber so zieht jeder seine Vergleiche.
Bei Million Miles assoziiert die Band FAIRPORT CONVENTION, während ich bei dieser folkigen Nummer eher erneut an CROSBY, STILLS & NASH denken muss. Vor allem wenn es im Mittelteil deutliche psychedelische Elemente zugefügt bekommt. Toller Song.
Gossip, von Don Henley gesungen und von den EAGLES veröffentlicht - oder meinetwegen auch auf einem Jackson Browne-Album - wäre ein weiterer Balladen-Hit für die Westcoastler.
Also schnell die Platte rumgedreht, respektive die CD gewechselt.
Don't Let The Darkness In Your Head prescht nicht gerade wie eine entlaufene Rinderherde davon, aber man lässt sich schnell und willig auf diese, leicht melancholische, Ballade ein, zumal sie so herrlich instrumentiert und gesungen ist. Ein weiterer Song, der sich im Kopf unauslöschlich festsetzt.
Sprachen wir nicht eben von den EAGLES? Die kanadische - etwas gezügeltere - Variante von Songs wie Already Gone und Take It Easy heißt Arizona Dust. Deutlich höherer Country-Anteil, ansonsten nahezu auf Augenhöhe mit genannten Songs.
Zu Candice möchte man entweder auf der Veranda schaukeln, oder an der Bar, mit einem Bier in der Hand, der lokalen Country-Rock-Band lauschen. Um die Örtlichkeiten muss man sich selber kümmern, der Soundtrack dazu ist da. Geeignet alle Sorgen und Probleme zu vergessen und sich einfach sanft wiegend in dieser Musik zu verlieren. Einfach nur gut!
Gleiches gilt für Wasted, wobei hier manches stark nach THE WHO in den 60er/70er Jahren klingt. Vom Gesang bis zum Nicky Hopkins-ähnlichen Piano.
Wer es atmosphärischer braucht, der wird mit You Said auf seine Kosten kommen und wer auf der Suche nach einer Piano-Hit-Ballade ist, der sollte mal auf And When You Wake Up switchen. Ein Elton John könnte da das Wort "Hit" gleich mit drauf stempeln lassen.
Auch eine "Doppel-LP" geht mal zu Ende. Hier tut sie das mit dem schleppenden, gedankenverlorenen Venus Rising. Vielleicht genau der richtige Song um einen Tag, einen Abend, oder eben dieses Album, zu beschließen.
"I don't think anybody's gonna miss me when I'm gone", heißt es in One More Night. Diese Band würde schmerzlich vermisst, wenn es sie denn nicht mehr gäbe. Und das nicht nur von mir.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 06.03.2010