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Rockpalast 28.11.1981 - Markthalle
BAP
Rockpalast 28.11.1981 - Markthalle, EMI Music, 2009
Manfred BoeckerPercussion, Bass (Jupp), Gesang
Wolfgang BoeckerSchlagzeug
Steve BorgBass, Cello (Jupp)
Alexander BüchelKeyboards
Klaus HeuserGitarre, Gesang
Wolfgang NiedeckenGesang, Gitarre
Christian KeulTrompete (Morgenmagazin)
Hans WollrathLive Sound
Produziert von: Gerd F. Schultze Länge: ca. 152 Min 00 Sek Medium: DVD
01. Rockpalast Vorspann14. Jupp
02. Morgenmagazin15. Pardong
03. 'Ne Schöne Jrooss16. Anna
04. Stell Dir Vüür17. Verdamp Lang Her
05. Südstadt Verzäll Nix18. Wo Mer Endlich Sommer Han
06. Stollwerck-Leed19. Waschsalon
07. Wat Ess?20. Liebeslied
08. Kraaduss21. Hang On Sloopy
09. Neppes, Ihrefeld Un Kreuzberg22. Wahnsinn
10. Helfe Kann Dir Keiner23. Et Letzte Leed
11. Frau, Ich Freu Mich24. Wie 'Ne Stein
12. Müsli Män25. Dat Bin Ich
13. Ruut-Wiess-Blau Quer-Jestriefte Frau26. Das Grosse Schu-Bi_Du
Bonus:
Rockpalast Trailer Loreley 1982, Grugahalle 1986, Koblenz 1996

Dass "Verdamp lang her" auch mal in Bezug auf dieses Konzert, am 28.11.1981, in der Hamburger Markthalle, hinweisen könnte, hat man damals noch nicht geahnt. Geahnt hat man viel mehr noch kaum was. So weit im Norden schon gleich gar nicht, aber Rockpalast-Oberguru Peter Rüchel hatte sein gutes Näschen schließlich über die 70er Jahre hinweg geschult. So wurde die junge Kölner Band im freien Termin einer "Rockpalast Produktionswoche" untergebracht.
Dankenswerterweise wird das ja mit den BAP-Rockpalast-DVDs jetzt alles wieder aufgerollt.
Vermutlich werden sich nicht allzu viele Bandmitglieder an die damalige Zeit erinnern wollen. Zumindest nicht an ihr Outfit. "Major" Heuser mit Schnurrbart und vorne geknoteten Schal schießt gewiss den Vogel ab, aber auch beim Rest gibt’s genug zu schmunzeln. Lediglich "der Wolfgang" kommt mit seinem Jeanshemd vorerst ganz gut weg, beeilt sich aber das auszugleichen. Zunächst aber leitet er, wie ein Conférencier, den Abend "frisch, fromm, fröhlich, frei" ein. Bald ist es allerdings mit der Beschaulichkeit vorbei und mit Ne Schöne Jrooss rockt einer meiner liebsten BAP-Songs die Markthalle. Natürlich waren es damals nur noch "drei läpp'sche Johr" bis zu Orwells 1984. Die 70er waren allerdings auch noch nicht lange vorbei, was sich deutlichst an Frisur und Kleidung des überwiegend sitzenden Publikums bemerkbar macht.
Die 80er wiederum, schlagen sich im NDW-Sound von Südstadt Verzäll Nix nieder. Politisch engagiert waren BAP eh und je. Damals auf der Bühne vielleicht noch mehr Jraaduss und so widmet Niedecken das Stollwerck-Leed den Leuten, die in Frankfurt gegen die Startbahn West demonstrieren.

Besetzungstechnisch war das natürlich eine legendäre Formation, aber gerade live und hier wird doch deutlich, dass es sich nicht um die musikalisch beste BAP-Formation gehandelt hat. Ja, sie waren auch noch jung und unerfahren, aber da klingt schon einiges unrund, holprig und Welten von dem entfernt, was die Band Jahre später auf die Beine stellen sollte. Die Rhythmusabteilung war halt in ihrem Spiel auch recht limitiert.
Aber durch Spielfreude und Attitüde machen sie doch einiges Wett. Da wirft es die Band auch nicht aus dem Gleis, wenn Wolfgang Niedecken erst nach mehreren Anläufen den Einsatz zu Helfe Kann Dir Keiner findet und auch nicht wenn dem Major dazu im Solo zum gleichen Song eine Saite reißt. Ausgerechnet bei dem Lied, das Niedecken als Gründungslied verkündet.
Aber BAP haben zu dem Zeitpunkt schon einiges an Erfahrung und überbrücken mit Schmals Kurzweil-Einsatz auch die kaputte Bass-Drum von Wolfgang Boecker. Zu schade war sich damals keiner für irgendwas. Da kommt Niedecken nahezu clownesk vermummt- und kaum zu erkennen - für Müsli Män auf die Bühne. Schmal Boecker setzt sich für ein Intermezzo in Ruut-Wiess-Blau Quer-Jestriefte Frau eine Perücke auf und fistelt seinen Part, um gleich darauf den Sänger mit Rasierschaum einzuschmieren. Also ein gewisser Schuss Theater, oder gar Kabarett, war da mit dabei.
Doch auch genug gute Musik! In Jupp trödelt man zwar auch etwas linkisch hinein, aber dann entpuppt sich die Nummer zu einer mitreißenden Hymne. Allerdings wird der aufkommende Elan durch das nahezu alberne Pardong wieder gebremst. Jetzt steht wieder der Spaß im Vordergrund, wenn Schmal und Steve Borg im Publikum Servietten, bzw. Salzletten verteilen. Das erinnert mich dann fast schon an Grobschnitt. Weitere Späße bleiben auch im weiteren Programmverlauf nicht aus. Etwa wenn "Effendi" Büchel den Richard Clayderman macht und den passenden Kerzenleuchter dazu serviert bekommt.

Zum letzten Drittel hin regiert der Rock'n'Roll. Verdamp Lang Her ist noch nicht der Abfeier-Song späterer Tage, aber Wo Mer Endlich Sommer Hann schon damals die beste Coverversion von Summertime Blues seit THE WHO den Titel in Leeds auf Vordermann gebracht haben. Waschsalon, auch da wackelt das Timing gewaltig. Dem Spaß tut's keinen Abbruch. Im Gegenteil. Bob Dylans It Ain't Me, Babe heißt bei BAP Dat Bin Ich Net und wird von einem "Tränen lügen nicht"-Vorspiel sowie von einem, vom Major "gesungenen", Hot Legs-Intermezzo eingeleitet.
Unvermeidlicher Abschluss damals war wohl Das Grosse Schu-Bi-Du. Die Heimatfilm-Parodie, die von den Fans heißt geliebt wurde.
Wie gesagt, wer da zu genau hin hört, der wird schon einiges an Defiziten finden, aber Unterhaltung bekommt so vielfältig von BAP sonst wohl kaum noch geboten. Vom historischen Wert der Aufnahmen mal ganz abgesehen.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 05.06.2009