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Für die Aufnahmen verließen Joel O’Keeffe (Gesang & Gitarre), sein Bruder Ryan (Schlagzeug), Gitarrist David Rhoads und Basser Justin Street ihre Heimat und gingen in Chicago zusammen mit Johnny K auf. Dieser hat sich durch seine Arbeit mit Bands wie DISTURBED, MACHINE HEAD, STAIND oder 3 DOORS DOWN einen Namen gemacht. Befürchtungen, dass K den Sound oder den Stil von AIRBOURNE „verbiegen“ könnte, zerstreuen schon die ersten Takte des Openers Born To Kill. Denn eines ist klar: die vier Jungs lassen sich um keinen Preis verändern. Sie spielen den schon fast traditionellen Pub-Rock, der einfach nur – man möge mir die Wortwahl verzeihen – in den Arsch tritt. Sie sind beeinflusst von ihren Landsmännern und Idolen ROSE TATTOO und AC/DC. Dabei sind es gerade bei letzteren eher die Zeiten mit Brian Johnson am Mikro, die ihre soundtechnischen Spuren hinterlassen haben. Das, was Joel O’Keeffe und Co. hier bieten erinnert an das, was die Brüder Young Mitte der 1980er auf Scheiben wie “Flick Of The Switch“, “Fly On The Wall“ oder “Blow Up Your Video“ millionenfach in die weltweiten Musik- und Wohnzimmer verteilten. Und wenn sich denn überhaupt etwas verändert hat, dann höchstens die Aggressivität, mit der AIRBOURNE auf “No Guts. No Glory.“ zu Werke gehen. Denn insgesamt ist das zweite Werk wesentlich kantiger, ruppiger, direkter und dynamischer ausgefallen als das teilweise noch beim Debüt der Fall war. Dabei scheinen die Jungs das Tempo konstant etwas angezogen zu haben. So befindet sich mit It Ain’t Over Till It’s Over der wohl schnellste Song der bisherigen Bandgeschichte auf “No Guts. No Glory.“. Dies kann durchaus an den Live-Erfahrungen liegen, die die Band in der Zwischenzeit in den Clubs, Hallen und großen Festival-Bühnen gesammelt haben.
Aber das bleiben auch die einzigen Ausfälle und zudem entschädigen die wieder zahlreich vertretenen „Hits“ der Marke No Way But The Hard Way, die Ode an die Frauen Blond, Bad And Beautiful und die anderen Party-Rocker Chewin’ The Fat sowie Armed And Dangerous und Overdrive mehr als genug. Aber auch die Hymne an die hart arbeitende Bevölkerung in Steel Town sowie das verschmitzte Bottom Of The Well und der mächtig Arsch tretende Rausschmeißer Back To The Bottle können restlos überzeugen. Der Sound von “No Guts. No Glory.“ ist wieder sehr trocken und gleichzeitig warm geworden und gibt der Musik dadurch das nötige kraftvolle Gewand für den mächtigen Arschtritt (es gibt für diese Musik einfach keinen besseren Vergleich für diese Art von Musik). Auch insofern muss man Produzent Johnny K Respekt zollen. Er hat hier alles richtig gemacht. Keine unnötigen Effekte, keine unnötigen Veränderungen am Band-Sound – einfach alles so gelassen, wie es war. Und das ist auch gut so! Insgesamt ist AIRBOURNE ein mehr als solides Zweit-Werk gelungen, das den extrem hohen Standard des Debüts aber nicht ganz erreicht. Weil a) eben ein paar schwächere Songs dazwischen sind und man b) bei manchem anderen Track einfach ein paar mehr Durchläufe benötigt, um ihn im Ohr zu behalten. Das könnte aber wiederum dazu führen, dass das Hörvergnügen bei “No Guts. No Glory.“ vielleicht sogar noch länger anhält, als dies bei “Runnin’ Wild“ ohnehin schon der Fall war und ist. Summa summarum legen AIRBOURNE aber wieder ein sehr starkes Werk vor, auf dem die Aussies ihre pure Lust am Rock ’n’ Roll voll ausleben und wieder dicke punkten können. An “No Guts. No Glory.“ werden sich viele andere Hard-Rock-Bands messen lassen müssen (und vermutlich scheitern). Marc Langels, (Artikelliste), 02.03.2010
Diese Rezension möchte ich mit ein paar persönlichen Worten ganz grundsätzlicher Natur einleiten: ![]() Vier junge Australier ließen anno 2008 mit ihrem ersten Album aufhorchen. Gemeint sind AIRBOURNE und ihr beachtliches, unüberhörbar total vom AC/DC-Sound der frühen 1980er Jahre geprägtes Debüt "Runnin’ Wild". Jetzt kommen die Jungs vom fünften Kontinent mit ihrem ersehnten nächsten Streich in Albumlänge um die Ecke. ’No Guts. No Glory.’, so der markige Titel. AIRBOURNE haben ihre AC/DC-Lektion wirklich gründlich gelernt. Sie regelrecht verinnerlicht. Das wirkt sich natürlich zwangsläufig auch auf ihre aktuelle Platte aus. Wobei der Albumname ’No Guts. No Glory.’ Programm ist. Unbeirrt ziehen die Burschen ihr Ding durch und machen keine Kompromisse. Die Australier orientieren sich nach wie vor vorrangig an der klanglichen Ausrichtung ihrer berühmten Landsleute in den 1980ern und nehmen gerne noch die eine oder andere Anregung von ROSE TATTOO mit. Besonders lobenswert ist es, dass AIRBOURNE hier nicht lediglich plump kopieren, sondern durchaus auch eigene und nicht ganz unoriginelle Ideen für Riffs und Melodien auf der Pfanne haben. Die Songs sind unkompliziert aufgebaut, modern und druckvoll produziert. Das vom Gitarrenriffing dominierte Zeug groovt höllisch und fährt ohne Umleitung sofort in Kopf und Glieder. Entkommen ist unmöglich. Auf ’No Guts. No Glory.’ präsentieren sich die jungen Männer von Down Under als gereifte Musiker, denen es gar nicht rockig genug sein kann. Die instrumentalen Leistungen und die Qualität des rauen, dreckigen Gesangs machen ihrem Schaffen alle Ehre. AIRBOURNE wissen mit ‘No Guts. No Glory.’ insgesamt zu überzeugen. Die neuen oder gar besseren AC/DC sind sie indessen noch nicht. Ob sie aus deren übermächtigen Schatten irgendwann hervortreten können, wird sich zeigen müssen. Gute Partymucke ist der Stoff allemal. Michael Koenig, (Artikelliste), 27.02.2010
Und wenn AC/DC einst abtreten, dann dürften diese dreisten Luftpiraten womöglich noch Einzug in die Rock'n'Roll Hall Of Fame halten? Na, ich weiß nicht, ob das Fehlen jeglichen Innovationswillens derart belohnt werden muss. Fakt ist, dass "No Guts. No Glory" kaum weniger energiestrotzend rockt als sein vielumjubelter Vorgänger. Man sieht förmlich schon die schleudernden Matten und hoch gereckten Fäuste im bierseligen Publikum auftauchen, klatschnasse Leiber wiegen sich in zugedröhnter Lust am Rocken. "No Guts. No Glory" bietet die perfekte Blaupause für einen völlig losgelösten Feierabend. Rock dich gesund mit AIRBOURNE... " there ain't no way but the hard way, so get used to it", sag ich da nur. Frank Ipach, (Artikelliste), 27.02.2010
Ich freue mich immer wieder, wenn junge Musiker sich Zeit nehmen für ihre Musik, um in komplexen, epischen Songs tiefgehenden Gedanken auf den Grund zu gehen und mit subtilen Arrangements ihren mitunter zart versponnenen Fantasien einen geeigneten tonalen Unterbau zu verschaffen. Ok, genug gescherzt, denn mit AIRBOURNE hat das alles nix zu tun. Aus Tralien kommt immer noch lustvoller Krach, der Rock N’ Roll auf das Wesentlich reduziert und nach Bier, Bier und noch mehr Bier schreit. Natürlich kann man die Frage stellen, ob die Welt “AC/DC reloaded“ braucht, aber ich gebe zu, auch ich bestelle bei einem hier nicht zu nennenden Franchise-Unternehmen immer wieder das selbe Pfeffersteak. Und wenn es denn frisch und saftig ist, schmeckt es doch gleich ungemein besser. “No Guts. No Glory.“ Biete in erster Linie “More of the same“, aber das will die hungrige Meute ja auch. Kernige Gitarrenriffs (Born To Kill, White Line Fever), ein Frontmann, der sich immer knapp am Rande der Hysterie die Seele aus dem Leib schreit und Songs, die man selbst mit einigen Promille und ohne jegliches musikalisches Feingefühl nach zwei Sekunden mitgrölen kann (No Way But The Hard Way, Back On The Bottle). Am überzeugendsten, wenn das Tempo hochgehalten wird (Raise The Flag, It Ain’t Over Till It’s Over) und sogar ein kleiner Schuss Blues mit durchgespült wird (Bottom Of The Well). ![]() Sicherlich keine Scheibe zum Analysieren, zum Anhören im heimischen Wohnzimmer oder gar mit Kopfhörer. Wenn schon nicht live, dann muss man diese Musik laut und unmittelbar spüren – am besten unterwegs (bitte an die Geschwindigkeitsbeschränkungen halten). Nicht gerade innovativ, schon gar nichts Neues, mehr für Bauch als für Kopf, aber für solche Momente gibt es doch den Rock N’ Roll. Abschalten, aufdrehen, abgehen. Ralf Stierlen, (Artikelliste), 28.02.2010
Die Bands, die in die Fußstapfen von AC/DC treten wollen sind
Legion, aber für die meisten sind diese eine Nummer zu groß
oder größer, nicht so bei AIRBOURNE. Leider scheint die Luft ein wenig raus zu sein. Natürlich rockt NGNG immer noch wie Sau, aber mittlerweile sind AIRBOURNE eben nicht mehr die vogelwilden Senkrechtstarter aus Warrnambool sondern ein etablierter Stadionakt aus Melbourne, ein leichter Gewöhnungseffekt setzt ein, außerdem fehlen die echten Kracher wie z. B. Runnin' Wild und Konsorten, die einen noch in dreißig Jahren wieder elektrifizieren, wie es die Klassiker von AC/DC nach wie vor noch schaffen. Trotzdem ist NGNG ein prima Album zum Mitwippen und Headbangen
geworden und dass es nach all den Jahren wieder eine junge und hungrige
Band aus Down Under gibt, die den Pub-Rock ihrer großen Vorbilder
AC/DC und ROSE TATTOO am Leben halten, ist auf jeden Fall
lobenswert. Ralf Frank, (Artikelliste), 02.03.2010
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