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Brainstorm Music Marketing
All Freaks - Alternative Vol. 1 & New Rock Vol. 1, netMusicZone Records, 2004
Länge: 68 Min 15 Sek & 70 Min 10 Sek Medium: CD

NetMusicZone Records hat gemeinsam mit Brainstorm Music Marketing und weiteren Partnern einen Weg eingeschlagen, um ambitionierten Nachwuchsbands eine Plattform und ein Sprungbrett zu bieten. Unter dem Namen ALL FREAKS haben sich zahlreiche Bands aus den Bereichen Alternative Rock, Metal, Gothic und Punk zusammengeschlossen und werden auf einer Samplerreihe, beginnend mit "ALL FREAKS Alternative Vol. 1" und "ALL FREAKS New Rock Vol. 1", vorgestellt.
Die Compilation wird in einer Auflage von 2.000 Stück herausgegeben und an 400 Alternative DJs, 120 Rock Radios und 400 Business Partner (Labels und Liveveranstalter) verschickt. Weitere Exemplare werden bei relevanten Touren an die Alternative Kids gestreut, so zum Beispiel schon erfolgreich geschehen bei "Rock im Park", als innerhalb einer halben Stunde alle 1.000 offerierten Exemplare vergriffen waren. Darüberhinaus bekommt jede auf dem Sampler vertretene Band 25 Exemplare nach Hause gesendet, die sie für ihre Freunde oder für Konzertbemusterung nutzen kann. Mit einem eigenen Unkostenbeitrag von lediglich 300 Euro können die beteiligten Bands somit nicht nur auf einem professionell gestalteten Produkt vertreten sein, sondern gleichzeitig ihre Musik in erheblichem Umfang verbreitet wissen.
Wirklich eine prima eigenentwickelte Idee, in Zeiten in der Teile der deutschen Musiklandschaft nach staatlicher Regulierung zur Sicherung von Marktanteilen deutscher Musik ruft.
Schön ist auch, dass die Bands dabei, so zumindest die Grundidee, nicht im Konkurrenzverhältnis zueinander stehen wie bei sonst üblichen Contests, sondern sich gegenseitig unterstützen, da sie zunächst einmal mit vergleichbaren Grunvoraussetzungen an den Start gehen.
Abgerundet wird das ganze Projekt dann natürlich noch durch die begleitende Tour der ALL FREAKS die in wechselnder Besetzung durch die Lande ziehen, um ihre Musik auch live zu präsentieren.
Dann wollen wir uns mal den vorliegenden Compilationen widmen.

All Freaks - Alternative Vol. 1:

1.) BLIND: Hands In The Air
Den Anfang macht die junge Band aus Westerstetten mit einer einigermaßen gelungenen Kick-Ass-Nummer, die allerdings für meinen Geschmack etwas zu sehr AOR-mäßig abgebremst und gefedert wird.
2.) MONZTAFARM: Insane
Diese Band ist aus München und besteht seit 2002; der Song Insane ist inzwischen doch schon etwas abgehangener Crossover, immerhin kompetent dargeboten.
3.) SEROTONINE: Feel
Hervorgegangen aus den Resten der Alternativerockband LOVE UNDER WILL (aus meiner früheren Heimat Böblingen), klingen die Herrenberger ziemlich nach den üblichen Verdächtigen wie CREED oder NICKELBACK. Haben aber handwerklich wirklich was drauf und einen prima Sänger.
4.) GIFTIG: Drowning
Trashiger Crossover in mutigem deutsch-englischem Sprachmix. Wirklich erfrischend, diese Truppe aus dem nordrhein-westfälischen Langenfeld.
5.) NUMBER NINE: Hit me
Die Band aus Zell am Main kommt mit einer recht gelungenen, sprich kitsch- und schleimfreien Metalballade daher.
6.) MR. HYDE: Grey-Entertainment
Eine junge Truppe aus Aschau am Inn mit einer durchaus tanzbaren Electronics-Rock-Crossover-Nummer. Macht wirklich Appetit auf mehr.
7.) GREEN STREET GREEN: Sucker
Leicht angepunkter Alternativerock aus der Bundeshauptstadt, der es schwer haben wird, sich gegen die zahlreiche Konkurrenz ähnlicher Bands durchzusetzen.
8.) DEADLY MEDLEY: Thimble
Irgendwie dämlicher Name, den diese Band aus Österreich gewählt hat. Die Kreuzung aus Trip Hop und zurückhaltendem Metal ist aber gar nicht verkehrt, sondern vielmehr äußerst unterhaltsam.
9.) SOLILOQUY: No Friend Of Mine
Die Frankfurter Band verfügt schon über eine erkleckliche Erfahrung und bringt eingängigen, geradezu klassisch zu nennenden Gitarrenrock.
10.) DOWN THE LINE: Release Me
Wo um alles in der Welt liegt Eferding (in Oberösterreich - denn von da kommt die Band)? Wenn man diesen Song hört, müsste es eigentlich in Übersee sein, so abgeklärt klingt dieser Adult Orientated Rock.
11.) SENGAYA: My Greatest
Die junge Band aus Wallerfing (im Landkreis Deggendorf gelegen) wartet mit frischem Indie Rock mit deutlichem Popappeal auf. Durchaus belebend nach in diesem Karohemden-Tieftonmusik-Umfeld.
12.) STONECIRCLE: Life Ain't Fair
Der metallische Crossover dieser Band aus unserem Nachbarland Österreich kommt für meinen Geschmck soundtechnisch etwas dünn rüber.
13.) TUMBLIN DICE: Masquerade
Eine wirklich überraschende Nummer: treibend, groovig mit einer geradezu southern-rock-artig ausbrechenden Leadgitarre. Dagegen vermag mich die Sängerin der Schweizer Truppe hier nicht restlos zu überzeugen.
14.) T BONE: Scam
Geradezu klassischer Poprock, dabei weiß die Band aus Paderborn vor allem mit nahezu perfektem mehrstimmigen Harmoniegesang zu überzeugen.
15.) BXDXF: White Collar Kid Rap
Eine richtig schön groovende, rockige HipHop Nummer dieser jungen, vielversprechenden Band aus Frechen. Ein weiterer schön bunter Farbtupfer in diesem Sampler.
16.) KOKOON: Save Me
Diese Band aus dem hessischen Seeheim um die klasse Sängerin Nadine Bonifer kann man aufgrund ihrer Live-Erfahrung ja fast schon als alte Hasen bezeichnen. Eine schön treibende Pop-Rock-Nummer.
17.) NOVOKAIN: Wasted
Die Wiesbadener reichern ihren Crossover mit leicht wavigen 9oer Jahre Tönen an.
18.) PINK AS A PANTHER: Bad Boys (Town Ride)
Wunderschön dreckig-staubiger Bastard aus Alternative Rock und Boogie, ein gelungener Schlußpunkt dieser Compilation.

Als Fazit kann man sagen, dass es eine Menge zu entdecken gibt und das handwerkliche Niveau durchgehend erstaunlich gut ist.Mir gefallen die Songs am besten, die weniger auf Nummer Sicher gehen und etwas neues, überraschendes aufzuweisen haben. Daher meine Gewinner : GIFTIG, MR.HYDE, SENGAYA, BXDXF, KOKOON, PINK AS A PANTHER und mit leichten Abstrichen DEADLY MEDLEY und TUMBLIN DICE.

All Freaks - New Rock Vol. 1:

1.) A LIFE (DIVIDED): Virtualized
Die Band aus Geretsried bei München legt mit fiebrigem modernen Metal, durchzogen von einem Fitzelchen Industrial einen vielversprechenden Start hin.
2.) ALEV: Just Because
Die Münchner um die namensgebende Sängerin glänzen mit frischem, melodischem PopRock für alle, denen DIE HAPPY inzwischen zu soft geworden sind.
3.) BURST OF FIRE: This Creation
Aus Frankfurt am Main kommt diese Band, die seit 2001 in der aktuellen Besetzung musiziert und hier ein Stück schweren Düstermetals auflegt, das immer wieder von leicht grungigen Passagen unterbrochen wird, bevor dann erneut die Post abgeht. Sehr gelungen.
4.) TOXIC INSANITY: Lost
Die Truppe aus dem österreichischen Faistenau kommt mit einem Nu Metal crossover in deutsch-englischem Sprachmix daher.
5.) KONSTINGER: Good To B Bad
Wenn ich das Wort Multiinstrumentalist höre, bin ich meist etwas skeptisch, denn in der Regel frickelt dann irgendein Gitarrist vor sich hin und spart sich den Rest der Gruppe, da er sowieso keine gescheiten Songs komponieren kann. Hier scheint das aber anders zu sein: der Titel überrascht mit absolut ohrwurmtauglichem Melodic Metal.
6.) KAMINARI: Vampire Vanity
Klassischer Metal Song, der den Verdacht nahe legt, dass die Baden-Württemberger die eine oder andere Scheibe von IRON MAIDEN zuhause im Schrank stehen haben. Die Band hat isch im übrigen besonders für den Gedanken der ALL FREAKS-Tour verdient gemacht, schon allein dafür Chapeau.
7.) CROSSFADE: Rock 2
Wiederum Melodic Metal, diesmal aus dem schweizerischen Grindelwald, schön treibend und mit wunderbarem Gniedelsolo des Gitarristen Thomas Gertsch. Hoffentlich kriegen die Jungs keine Probleme mit ihrem Namen, denn CROSSFADE heißt auch eine furchtbar öde AOR-Ami-Combo, die bei Sony unter Vertrag ist.
8.) UNDERGOD: Killing Me
Die Schweizer bieten einen groovig-knackigen Mix aus Metal und Electronics, ohne dabei steril zu klingen.
9.) KILL THE AUDIENCE: Third Eye
Na, dieser Name ist ja eher kontraproduktiv. Es steht aber wohl nicht zu befürchten, dass diese Ankündigung in die Tat umgesetzt wird, zumindest nicht mit diesem Song. Der erinnert nämlich nach einem soften Akustik-Intro nicht nur aufgrund des Organs des Sängers an TYPE O NEGATIVE und schwelgt in atmosphärisch stimmigen düster-wavigen Sounds.
10.) CENTAO: Defend
International ausgerichteter Nu Metal aus Eggendorf in Österreich.
11.) CAPSIZE: Thanx
Die Bremer Band bietet zappeligen Metalcore-Crossover mit einem durchaus spürbaren Hang zum Thrash.
12.) LACRIMAS PROFUNDERE: Sarah Lou
Die Band möchte lieber als süddeutsch denn als bayrisch bezeichnet werden, da letzteres zu sehr nach Trachtenseeligkeit klänge. In jedem Falle beweisen sie mit dem Titel Sarah Lou Stilsicherheit in Sachen effektvoller Düsterrock mit Groove.
13.) BIONIC ANGEL: End Of Days
Die Berliner kommen mit rockigem Dark Wave um die Ecke, allerdings sind mir die Vocals nun wirklich irgendwie zu trashig geraten (irgendwie kommt mir ein zerquetschter Frosch in den Sinn...).
14.) MISBEGOTTEN: Things I'm Living For
Die Österreicher geben mit ihrem heftig knüppelnden Crossover, der reichlich Punkappeal beinhaltet, ganz ordentlich Gummi.
15.) REDEEMA: Back To Life
Eigentlich ist der in Ermangelung irgendwelcher passenderer Vokabeln sogenannte Nu Metal zum einen inzwischen ein alter Hut und daher zum anderen fast schon als Schimpf- und Schmähwort gebräuchlich. So wie er von den Emergenza-Finalisten dargeboten wird, macht er aber richtig Spaß: Pointiert und knackigst.
16.) LAST WARNING: Mystery
Die Band aus Österreich pendelt etwas unentschlossen zwischen thrashigem Nu Metal und Adult Orientated Rock. Ausbaufähiger Song.
17.) AUTUMN DEATH: Out Of The Abyss
Den Abschluß bildet ein musikalisches Vermächtnis, denn die Berliner Band AUTUMN DEATH hat sich zwischenzeitlich aufgelöst. Schade, denn Out Of The Abyss bietet sinfonischen Düsterrock mit Anspruch, der neugierig auf mehr gemacht hätte.

Fazit: Auch im Bereich der härteren Jungs und Mädels muss einem um den Nachwuchs nicht bange sein, insgesamt vielleicht sogar noch einen Tick stärker als der Alternative Sampler.
Highlights sind für mich ALEV, BURST OF FIRE, KONSTINGER, CROSSFADE, UNDERGOD, KILL THE AUDIENCE, LACRIMAS PROFUNDERE und REDEEMA.

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 05.10.2004