The Singles A's & B's
The Easybeats
The Singles A's & B's, Repertoire Records, 2005
George Young Guitar
Harry Vanda Lead Guitar
Stevie Wright Vocals
Dick Diamonde Bass Guitar
Gordon Fleet Drums (1965-1969)
Tony Cahil Drums (1969-70)
Länge: 115 Min 32 Sek Medium: Do-CD
CD 1:
1. For My Woman11. Come And See Her
2. Say That You're Mine12. I Can See
3. She's So Fine13. Sorry
4. Old Oak Tree14. Funny Feeling
5. Wedding Ring15. Friday On My Mind
6. Me Or You16. Made My Bed, Gonna Lie Into It
7. Sad Lonley And Blue17. Who'll Be The One
8. Easy As Can Be18. Do You Have A Soul
9. Woman (You Make Me Feel Alright) 19. Saturday Night
10. In My Block20. Heaven And Hell
CD 2:
1. Pretty Girl11. Lay Me Down And Die (Instrumental)
2. Falling Off The Edge Of The World12. See Line Woman
3. Remember Sam13. I Can't Stand It
4. The Music Goes Round The World14. St. Louis
5. Come In, You'll Get Pneumonia15. Can't Find Love
6. Good Times16. Rock'n Roll Boogie
7. Hello, How Are You17. Woman You're On My Mind
8. The Music Goes Round My Head (Fast Version, Italy)18. Peculiar Hole In The Sky
9. The Land Of Make Believe19. H.P. Man
10. We All Live Happily20. (Who Are My) Friends

Halbe Sachen gibt's nicht bei Repertoire Records und so wird mit "The Singles A's & B's" der 45er Katalog der EASYBEATS umfassend aufgearbeitet. Die Australier werden ja primär mit ihrem Hit Friday On My Mind assoziiert und nicht von ungefähr wurde dieser Titel "down under" 2001 zum "Best Australien song of all time" gewählt.
Geschrieben wurde der Titel von George Young und Harry Vanda, die, zusammen mit Sänger Stevie Wright, nahezu alle EASYBEATS-Nummern verfassten. Für die damalige Zeit, Mitte der 60er, durchaus außergewöhnlich und so waren THE EASYBEATS auch die erste australische Band, die es mit eigenem Material in die heimischen Charts schaffte.
Tatsächlich war natürlich keiner von ihnen in Australien geboren. Allesamt waren sie Zöglinge von Auswanderern von der britischen Insel, bzw. aus Holland. Na ja, das betrifft ja eigentlich die gesamte weiße Bevölkerung dort unten und, das behaupte ich jetzt ganz einfach mal, eine gewisse Verrücktheit begründet sich darauf, dass da (zumindest früher) Menschen landeten, die nicht so recht in die Gesellschaft ihrer ursprünglichen Heimat passten. Seien es Strafgefangene oder einfach Aussteiger, "Andersartige" oder wie man's nennen will.
Musikalisch drückt sich das bei Bands wie AC/DC, INXS, COLD CHISEL (resp. Jimmy Barnes) und einigen anderen aus, die einfach von Beginn an etwas anders, etwas Besonderes, waren.

So kann man erahnen, dass es bei einer Band die die genannten beeinflusst hat auch immer gut abging. Nicht zuletzt auf der Bühne.
For My Woman war die erste Single der Band und verdeutlicht schon ihre starke R&B-Bezogenheit.
Auch klingt hier schon etwas Dunkles, Düsteres durch, das sich durch einen Großteil des EASYBEATS-Repertoires zieht und die Band eher in die musikalische Nähe zu den PRETTY THINGS und den ROLLING STONES setzt, denn zu den BEATLES und den "Beat-Bands" wie der Name suggerieren könnte.
Hört man sich die B-Seite (die Titel sind über die ganze Doppel-CD chronologisch und immer schön nach A- und zugehöriger B-Seite sortiert) Say That You're Mine an, meint man in dieser tanzbaren R&B-Nummer mit leichtem Jazz-Touch, das größere Hitpotenzial zu hören.

Auch wenn die großen Guitar-Heros damals erst langsam aufkamen und die Soli noch minimalistisch und mit bescheidenem Sound waren, hatte die Band doch mit Harry Vanda einen Leadgitarristen der des öfteren aufhorchen lässt.
She's So Fine ist eine treibende R&B-/Rock'n'Roll-Nummer, die einem eine Vorstellung vermittelt, wie das Publikum damals bei diesem Beat in Fahrt kam. Da werden Erinnerungen an die frühe Zeit von Mitch Ryder wach. Heutzutage kriegt man so was authentisch noch von Bands wie den DETROIT COBRAS geboten.
Old Oak Tree hat ein bisschen was von Can I Get A Witness (die "1865" im Booklet ist natürlich ein Druckfehler - so alt ist der Titel noch nicht).
Auch diese Band musste sich, um im Geschäft zu bleiben, hier und da verbiegen. Me Or You scheint den Stil von SMOKIE, mit reichlich Country, vorwegzunehmen. Gut, auf die A-Seite einer Single hatt's der Song verdientermaßen nicht geschafft. Sad And Lonely And Blue verweist auf die frühen STONES, während auf dessen B-Side Easy As Can Be (die das größere Hitpotenzial offenbart) eher Vergleiche zum pureren R&B der ANIMALS angebracht sind.

Zeitweise arbeitete die Band auch mit dem damaligen Produzenten von THE WHO, Shel Talmy, zusammen und bei Songs wie I Can See und noch mehr bei Sorry schimmert doch stark der Sound und Stil der frühen WHO-Alben durch.
In dieser Zeit wurde eben auch der größte Hit der Easybeats aufgenommen: Friday On My Mind.
Auch heute noch zeigt sich die Qualität dieses Songs daran, wie er den Hörer sofort anspricht und mitnimmt auf die Reise durch die Woche. Noch in Jahrzehnten wird der Titel von der arbeitenden Bevölkerung im Kopf, leise oder laut gesungen werden und die letzte Coverversion von Friday... liegt noch in ferner Zukunft.
Bei Who'll Be The One versucht sich die Truppe als eine Art australische BEACH BOYS. Ja, man schreibt bereits 1967 und so experimentiert man auch in R&B-Songs wie Heaven And Hell mit verschiedensten Klängen und Einflüssen. Mit dem Wort "Hell" im Titel hatte der Song allerdings keine Chance auf Airplay bei der BBC - o tempora, o mores.

Kommen wir zu zweiten Scheibe.
Das charakteristische Intro von "Friday..." hat man, leicht abgewandelt, bei Pretty Girl gleich noch mal verbraten, taucht dann aber eher in einen HOLLIES-ähnlichen Pop ein. Dessen B-Seite hat es in Deutschland auf die A-Seite geschafft und zurecht wird sich mancher an das leicht psychedelische Falling Off The Edge Of The World mit seinem hymnischen Refrain erinnern.
Mit The Music Goes Round My Head wollte man sich wieder etwas der BBC annähern und gleichzeitig einen eigenständigen Charakter bewahren. Nun ja, für mich ist eine große Ähnlichkeit zu englischen Bands wie THE HERD zu hören und somit nichts über-originelles. Allerdings ist der Titel ein absoluter Ohrwurm und Hit.
Uiuiui.... allein der Gesang zu Beginn von Come In, You'll Get Pneumonia versetzt einen fast in einen berauschten Zustand. Tja, die psychedelische Zeit war in vollem Gange. Nicht sonderlich typisch für die Band, wobei der Refrain-Part von besonderer Güte ist und mit seinen hymnischen Steigerungen das Wort "Hit" atmet.
Ähnlich kommt Hello, How Are You, wobei man hier etwas zu balladesk und schmeichlerisch zu Werke geht.

Dazwischen liegt das grandiose Good Times. Diesen treibenden R&B/Rock-Song schrieben Vanda und Young bereits 1968 und die Version von INXS zusammen mit Jimmy Barnes (1987) dürfte wohl die bekannteste sein. Aber auch heute noch hat der Song nichts von seinem mitreißenden Charakter verloren und erst kürzlich haben LIVING LOUD (das Projekt um Jimmy Barnes, Steve Morse, Bob Daisley etc.) den Titel auf ihrer aktuellen Scheibe wieder rausgebracht. Auf der hier zu hörenden Originalfassung übrigens im Background-Chor: Steve Marriott!
Was an der "Fast Version Italy" von The Music Goes Round My Head jetzt so erwähnenswert schnell sein soll bleibt mir ein Rätsel. Nicht mal die Spielzeit des Titels variiert.
Wie erwähnt schimmern die 68er immer wieder durch. Mal verklärter, wie in The Land Of Make Believe, oder mehr mit spaßigem Charakter, wie bei der abgedrehten Schunkelnummer We All Live Happily.
Anno 1969 und mit I Can't Stand It bewegten sich die EASYBEATS wieder mehr Richtung eines ursprünglicheren R&B's und trotz der Bläserunterstützung kann man bei St. Louis schon etwas von dem Stil erahnen, den AC/DC ein paar Jahre später unter der Regie von Vanda und Young (George ist natürlich der ältere Bruder von Malcolm und Angus) etablierten.

Ähnliches kann man über das sehr bluesige Can't Find Love sagen, wobei dieses teilweise auch starke Funkanteile hat.
Einen Titel wie Rock'n Roll Boogie muss man wohl nicht weiter erläutern. Recht erfolgreich in Amerika und etwas den Sound von T. REX vorweg nehmend.
Der akustische Boogie Woman Your On My Mind könnte durchaus auch auf eine der ersten HUMBLE PIE-LPs passen.
Bei Peculiar Hole In The Sky hat man etwas den Eindruck, sie hätten die beiden ersten Worte gerne durch "Lucy" ersetzt. Die war allerdings, wie die Klasse eines solchen Songs, bereits vergeben. Da passt doch der urwüchsige Song H.P. Man weit besser zu der Band - R&B und Folk mit leicht dunklem Unterton, wieder mehr im Stile der PRETTY THINGS.
Dazu passt denn auch der letzte Titel (Who Are My) Friends. Akustisch unterstützt und sich gesanglich immer weiter steigernd, beendet der folkige Song Jahrzehnt, Ära und Karriere der EASYBEATS.

Beim ersten Hören springt einen nicht jeder Song sofort an, aber bereits beim zweiten Mal vereinnahmt einen doch der größte Teil der Titel, vor allem der ersten CD. Im mehrfach aufklappbaren Digi-Pack und mit informativem Booklet, kann man mit dieser Doppel-CD eine weitere Lücke im Regal (und im Kopf) wunderschön schließen.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 21.05.2005