Friday On My Mind
The Easybeats
Friday On My Mind, Repertoire Records, 2005 (United Artists, 1967)
George Young Guitar, Vocals
Harry Vanda Guitar, Vocals
Stephen Wright Vocals
Dick Diamonde Bass
Snowy Fleet Drums
Produziert von: Shel Talmy Länge: 68 Min 37 Sek Medium: CD
1. River Deep, Mountain HighBonus Tracks:
2. Do You Have A Soul13. Women (Make You Feel Alright)
3. Saturday Night14. Do You Have A Soul (Long Version)
4. You Me, We Love15. You Me, We Love (Different Mix)
5. Pretty Girl16. Lisa (Different Mix)
6. Friday On My Mind17. All Gone Boy (Different Mix)
7. Happy Is The Man18. Friday On My Mind (Mono Single Mix)
8. Hound Dog19. Made My Bed Gonna Lie In It (Mono Single Mix)
9. Who'll Be The One20. Who'll Be The One (Mono Single Mix)
10. Made My Bed Gonna Lie In It21. Saturday Night (Mono Single Mix)
11. Remember Sam22. Heaven And Hell (Mono Single Mix)
12. See Line Woman23. Pretty Girl (Mono Single Mix)
24. Heaven And Hell (Stereo Mix)

So, meine Damen und Herren, heutiges Thema: THE EASYBEATS.
Wie, die hatten wir erst kürzlich? Nu ja, das mag schon sein, aber da ging es ja lediglich um die Single-Veröffentlichungen und Australiens bester Band aus den 60ern wird man damit nicht so leicht gerecht. Schließlich würden wir die Beatles ja auch nicht auf das rote und blaue Album reduzieren wollen. Nicht?
Außerdem wurden die Australier erst kürzlich in die 'Hall Of Fame' down under aufgenommen. Ein weiterer Grund.

Nach drei Alben und Superstar-Status in der australischen Wahlheimat - tatsächlich hatten natürlich ihre Eltern diese neue Heimat gewählt, denn weder die beiden Engländer Wright und Fleet, noch der Schotte Young und die beiden Holländer schon gar nicht, waren vom Umzug nach Australien begeistert - wollten die EASYBEATS ihren kommerziellen Horizont erweitern und wagten den Schritt nach England. Da kannte sie kaum ein Schwein und mit so einem [Schwein? Red.] konnte man leicht in die Ecke der Möchtegern-Mersey-Beatler abgestellt werden. Dazu waren die Jungs aber doch zu gut und erfrischend rau. Nachdem man WHO-Produzent Shel Talmy für das neue Album gewinnen konnte und mit Friday On My Mind einen anstehenden Welthit geschrieben hatte, war auch bald Europa von der Band äußerst angetan.

Repertoire Records geizen für gewöhnlich nicht mit Bonus-Tracks und so wurde auch diese Reproduktion der Original-Scheibe mit 12 weiteren Tracks aufgestockt.
Eigentlich kaum verständlich, warum eine pulsierende Nummer wie die Version von River Deep, Mountain High nicht als Single rauskam. Jedenfalls ein toller Opener für dieses Album und wer weiß, ob nicht ein Jimmy Barnes von dieser Aufnahme zu seiner späteren eigenen Version inspiriert wurde.
Tja, die Schreie (wie aus dem australischen Busch) zu Beginn von Do You Have A Soul zeugen schon etwas von der Verrücktheit der dortigen Einwohner, ansonsten klingt hier reichlich KINKS durch. Für den Durchschnittshörer wohl zu sperrig, mündet der Titel aber doch immer wieder in einen absoluten Ohrwurmrefrain, der der Versuchung Soul auf Rock'n'Roll zu reimen erfolgreich wiedersteht.
Auch Saturday Night war eine Single und am - wenigstens kurzzeitigen - Einsatz von ein paar Sitar-Klängen kam man damals nicht herum. Auch hier deutliche KINKS-Ähnlichkeiten, mit frech-aufdringlichen Backgroundgesang.
Etwas dunklere Töne finden sich in You Me, We Love mit größerem R&B-Anteil, die auch mal an die ANIMALS denken lassen.
Leisetreter waren die EASYBEATS jedenfalls nicht. Nahezu jeden Song kann man als Expressiv bezeichnen und auch wenn so schöne Refrains wie bei Pretty Girl herauskommen, klingt doch der Rest des Songs unterschwellig aggressiv. Hier singt übrigens der Holländer Harry Vanda Leadstimme, der bei seiner Ankunft in Australien des Englischen noch wenig mächtig war.

Friday On My Mind hat bis heute nichts von seinem Flair verloren. Immer noch reißt einen der Song, von seinem treibenden Intro an, augenblicklich mit.
Ähnlich wie die BEATLES waren auch die EASYBEATS von Tamla Motown stark beeinflusst und so klingt ihre Version von Hound Dog eher nach Detroit denn nach Memphis. Reichlich Bläser und ein crazy Sax inklusive.
Made My Bed Gonna Lie In It klingt beim mehrstimmigen Gesang ein bisschen nach BEATLES, aber der Rest des Songs hört sich eher nach frühen WHO an. Etwas stören einen die Ausblendungen, aber damals hat man halt noch auf kurze Songs penibel geachtet.
Leichte psychedelische Anflüge sind in Remember Sam zu hören, während See Line Woman noch mal in den schwarzen R&B taucht und mit seinem Trommeln eine gewisse Voodoo-Stimmung verbreitet. Brrr, da wird's mir ganz schwummerig im Kopf...

Bei den Bonus Tracks finden sich einige Mono-Mixe, von denen ich eigentlich kein Freund bin. Aber tatsächlich klingen, zumindest hier, die Titel tatsächlich anders. Friday... etwa hat einen viel direkteren Klang, der einem noch eindringlicher gegen die Stirn hämmert. Außerdem ist die flotte R&B-Nummer Women (Make You Feel Alright) für mich einer der besten Songs der Band überhaupt. Geht einfach gut ab!
Von einer in Frankreich erschienen EP stammen Lisa und All Gone Boy.
Schön, dass Heaven And Hell hier enthalten ist (in Mono und Stereo), schon allein deswegen, weil die alte Dame BBC den Titel damals nicht spielen wollte. Ein Wort wie "Hell" im Titel? Das geht nun wirklich nicht! Dabei klingt der Song so wunderbar nach den frühen WHO, hat aber nix mit deren gleichnamigen Song zu tun.

In England kam diese Scheibe damals unter dem Titel "Good Friday" heraus, in Australien (bereits 1966) und in Deutschland aber unter ihrem richtigen Titel "Friday On My Mind". So, und jetzt ist Montag und ich hab...
P.S.: Nach den EASYBEATS kamen Vanda und Young zu weiteren Ehren als Produzenten der Band der jüngeren Brüder von George, Malcolm und Angus, sowie u.a. mit ihrem Studioprojekt FLASH & THE PAN.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 22.08.2005