Instro-Mania
The Dillengers
Instro Mania, Favored Nations Entertainment, 2004
Rick Rossano Guitar
Charlie Gonzalez Bass
George Anderson Drums
Gäste:
Jim Crockett Piano, Organ
Gene Oliveri Saxophone
Peter Trappen Organ
Produziert von: Rick Rossano Länge: 40 Min 15 Sek Medium: CP
1. Dirtbag8. Jack the ripper
2. Penetration9. Astrosurfin'
3. Goldfinger10. Apache
4. Rumble11. Sleepwalk
5. Mr. Moto/The Munsters theme12. Theme from Magnificent seven
6. The good, the bad & the ugly13. Rebel rouser
7. Harlem nocturne

Seit 1998 gibt es die DILLENGERS aus West Palm Beach im südlichen Florida. Auf ihrem ersten langen Release "Instro-Mania" spielen sie, der Titel lässt es schon irgendwie erahnen, ausschließlich Instrumentals, vorwiegend von Klassikern der sechziger Jahre aus den Bereichen Filmmusik, Surf, Blues, Country und Rockabilly.

Der Opener Dirtbag ist eine Eigenkompisition von Mastermind Rick Rossano, der ja auch für die Produktion verantwortlich zeichnet und atmet durch und durch die sechziger Jahre aus, inklusive einem kreischenden Striplokal-Saxophon.
Das nachfolgende Surfstück Penetration schreit aus allen Knopflöchern 'Tarantino', während die Interpretation des Themas von Goldfinger doch ziemlich an der Oberfläche kleben bleibt.

Und so geht es leider auch weiter, den altbekannten Stücken wird irgendwie nichts Neues abgewonnen, die Interpretation erinnert irgendwie an die SHADOWS (folglich darf Apache natürlich auch nicht fehlen), was heißen will, dass alles im Stil der Sechziger dargeboten wird, ohne wirklich erkennbare eigene Handschrift. Exemplarisch wird dies deutlich bei Harlem nocturne, wenn man sich zum Vergleich die Version des gleichen Titels von den FRIENDS OF DEAN MARTINEZ anschaut. Während die FRIENDS innovativ und kreativ an den altbekannten Song herangehen, ihn zerdehnen, pathetisch überhöhen, sezieren und dann wieder zusammensetzen, wird bei den DILLENGERS nur notengetreu nachgespielt, ohne Subtilität und Experimentierfreude.
Etwas überspitzt und böse ausgedrückt klingt es meist so wie die obligate Dorfcombo auf der Hochzeit von Vetter Kalle.
Auch der Klang ist ziemlich enttäuschend, ziemlich flach, mit indifferentem Bass und viel zu weit nach vorne gemischten Drums.

Ganz gut funktioniert immerhin das kurz angerissene The good, the bad & the ugly sowie Duane Eddys Klassiker Rebel rouser mit einem gewissen raubeinigen Charme. Dagegen ist Sleepwalk von den FARINAS (sprich SANTO & JOHNNY) sehr zuckrig und bei der weiteren Eigenkomposition Astrosurfin' lollipoppt es an allen Ecken und Enden.

Vielleicht funktioniert das ganze an einem lauschigen Abend im Süden Floridas, mir ist das alles zu offensichtlich, zu platt auf Coolness getrimmt und letztlich zu vorhersehbar und damit langweilig.

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 12.03.2004