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Blue Rose Records
Songs Of Sahm
The Bottle Rockets
Songs Of Sahm, Blue Rose Records, 2002
Brian Henneman Lead Vocals, Guitar
Tom Parr Guitar
Robert Kearns Bass, Organ, Vocals
Mark Ortmann Drums
Produziert von: The Bottle Rockets & Lou Whitney Länge: 47 Min 12 Sek Medium: CD
1. Floataway8. Song Of Everything
2. Mendocino9. Sunday Sunny Mill Valley Groove Day
3. Be Real10. Stones Faces Don't Lie
4. At The Crossraods11. You Can't Hide A Redneck (Under That Hippy Hair)
5. She's About A Mover12. I Din't Want To Go Home
6. Lawd, I'm Just A Country Boy In This Great Big Freak City13. I'm Not That Kat Anymore
7. Nitty Gritty

Tributealben sind ja die letzten Jahre ziemlich in Mode gekommen. In den unterschiedlichsten und teilweise obskursten Arten. Hier werden, von unterschiedlichen Interpreten, Rocker "zerpickt", dort Metaller "verbluest", oder einfach einfallslos Songs mehr oder weniger originalgetreu "nachgedudelt".
Meistens handelt es sich um eine Ansammlung leidlich bekannter Musiker, bei denen es für 'ne eigene Scheibe kaum noch reicht. Sehr selten widmet sich ein Interpret/Band auf einem Album ausschließlich einem einzigen "Vorbild".
Doch genau das haben die BOTTLE ROCKETS hier getan!
Das Vorgängeralbum "Brand New Year" wäre wahrscheinlich auch nicht zu überbieten gewesen (ein Meisterwerk!), und so haben sie sich hier die Songs des am 18. November 1999 verstorbenen Doug Sahm vorgenommen.
Laut eigener Aussage sind sie seit 1982 ein Fan des Country-, Folk-, Beat-Rockers, und ausnahmslos Songs aus dessen Feder haben sie auf ihrem neuesten Release gecovert. In nur 7 Tagen, vom 20. bis 26. August 2001, wurden die 13 Songs eingespielt.

Doug Sahm war in den 60ern schon mit dem SIR DOUGLAS QUINTETT unterwegs, bei denen nicht nur der Name eine Reflektion der britischen Beat-Invasion war. Später, unter anderem mit den TEXAS TORNADOS, widmete er sich dem Countryrock, bzw. Tex-Mex-Folk. Entsprechend klingen natürlich die BOTTLE ROCKETS auf ihrem "Songs of Sahm" Album.
Zunächst scheint sich aber nicht viel zu ändern: Floataway klingt wie die Bottle Rockets, die man kennt. Also kickin' Rock'n'Roll mit STONES-Riffs und Country-Licks satt. Aber beim zweiten Song wird's schon anders. Unheilvolle Erinnerungen kommen auf: "Auf der Straße, nach San Fernando...", hier natürlich "Teeny Bopper, my teenage girl..." Ja, meine Damen und Herren, es handelt sich unzweideutig um Mendocino! Auch das stammt im Original von Doug Sahm. Wenn man sich aber erst mal von der Michael Holm-Erinnerung gelöst hat, singt man dann doch gern mit. Zumal die Bottle Rockets recht unromantisch ihre Gitarren dazu schrammeln.

Bei Be Real ist der Schritt zu Country pur vollzogen. Allerdings ohne den dort heutzutage gern gepflegten Schmalz. Eher so wie die LOS LOBOS auf ihren früheren Scheiben, oder auch Dwight Yoakam.
At the Crossroads ist nicht, wie vielleicht vermutet, ein Blues, sondern eine schöne Countryballade. Da möchte man gern dazu in Texas auf 'ner Veranda sitzen und mit dem rocking-chair wippen.

Die Countrymusik bleibt uns erhalten. Allerdings wird's etwas flotter: She's About A Mover, im Original eher ein Beat-Song, wird zum Country-Wechselbass-Stomper. 1965 auf Platz 13 in den National Charts und wohl Doug's größter Erfolg.
Lawd, I'm Just A Country Boy In This Great Big Freaky City bleibt Country mit den typischen Licks. Erinnert mich auch etwas an die FLYING BURRITTO BROTHERS. Sicher perfekt, um den Highway (na gut bei uns halt die A81) runter zu rollen. Vorzugsweise in einem Truck...
Mehr an die TEXAS TORNADOS erinnert Nitty Gritty mit seinem Tex-Mex-Country. Mit seiner Kirmes-Orgel, nur nicht so rockig, ähnlich wie George Thorogood z. T. auf seinen letzten Alben.
Beim nächsten Song, Song Of Everything, kommen wieder mehr die 60's durch. Passend zum Cover der CD (speziell der Golden Gate Bridge) wird's reichlich psychedelisch. Ja, auch an Doug Sahm gingen die damaligen Einflüsse nicht vorbei.
Stil- und soundmäßig wird auch bei Sunday Sunny Mill Valley Groove Day in den 60ern verweilt. Der sehr Beat(-les) beeinflusste Song klingt fast wie George Harrison (R.I.P.) öfters auf seinen Solo-Scheiben.
Zwar wieder mehr ins Countrylager wechselnd, bleibt es aber in der selben Ära beim folgenden Stoned Faces Don't Lie. Der Text passt ja auch in die damalige Zeit. "Stoned Faces don't lie, baby when you're high.". Hört sich ziemlich nach Bob Dylan an.
Eine ganze Ecke heftiger wird's bei You Can't Hide A Redneck (Under That Hippy Hair), ein Three-Chord Power Blues feinster Bottle Rockets Art. Die Jungs um Leadsänger Brian Henneman leben sich hier richtig aus.

Kurz vor Schluss wird noch mal abgebremst und mit I Don't Want To Go Home eine schöne Country Ballade im Stile von I Don't Want To Talk About It (der Titel ist auch noch ähnlich, hmm...?, also schon sehr nahe dran!) gebracht.
Zum Abschluss wollen die vier Bottle Rockets doch wohl noch mal klarstellen, wer hier am Werk ist/war. I'm Not That Kat Anymore ist ein cooler Rocker wie in etwa Dan Baird auch gern praktiziert. Rockt gut - nur zu kurz.

Die Songs sind natürlich alle nicht übermäßig lange. Schließlich war Doug ein End-50er/60er Jahre Teeny. Somit dauern die 13 Songs zusammen kaum über 'ne 3/4 Stunde = Kann man morgens, zum Aufstehen, und abends zum Entspannen hören.
Die Bedenken waren umsonst, die BOTTLE ROCKETS haben sich nicht zu sehr verändert und bleiben ihrem Stil im großen und ganzen doch treu.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 09.02.2002