Endless Harmony
The Beach Boys
Endless Harmony, Eagle Vision, 2005
Brian Wilson Vocals, Bass, Keyboards
Dennis Wilson Vocals, Drums
Carl Wilson Vocals, Guitar
Mike Love Vocals, Percussion
Al Jardine Vocals, Guitar
Länge: ca. 141 Min Medium: DVD
1. Introduction9. The Beach Boys Grow Up
2. Birth Of The Beach Boys10. Brian's Back
3. Overnight Success11. Dennis Wilson
4. Fun Fun Fun12. America's Band
5. Brian Grows Up13. Carl Wilson
6. Pet Sounds14. Finale
7. Good Vibes & Smile15. DVD Production Credits
8. Times Of Turmoil

Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast.
Irgendein Beach Boys Hit, der aus dem Radio dudelte, lies dich von kalifornischen Mädchen träumen, verwandelte deine Karre in einen Little Deuce Coupe oder einen 409 der dich das nächste Freibad oder den Baggersee ansteuern lies, um soviel Fun Fun Fun wie möglich zu haben.
Seit über 40 Jahren sind die BEACH BOYS untrennbar mit dem Feeling von Sommer, Sonne und Strand verbunden.

Kürzlich beschäftigte ich mich ja erst mit Brian Wilson und dessen Ausnahmewerk "SMiLE" und da bietet sich ein Blick auf seine Band und deren Geschichte doch an. Jene Geschichte beleuchtet diese DVD anschaulich, informativ und unterhaltsam.
"Endless Harmony" räumt dabei auch mit einigen Mythen auf. So waren die BEACH BOYS vielleicht Strandjungs, aber mit Surfen hatte eigentlich nur Dennis Wilson was am Hut. Wenig verwunderlich: Nachdem Brian Wilson bei seinem ersten Surf-Versuch das Brett fast an den Kopf bekommen hätte, war dieses Thema für ihn erledigt.
Deutlich wird auch, dass der Vater - ja man kann es nicht anders sagen - ein despotisches Arschloch war. Murray Wilson vererbte wohl ein gewisses musikalisches Talent an seine Söhne, hielt sich aber zu unrecht für ein ähnliches Genie wie Brian und setzte vor allem diesen psychisch wie physisch unter Druck.
Aber auch für den Rest sprang jederzeit eine Tracht Prügel heraus, wenn Murray danach war.

In den Rückblicken, die aus verschiedenen Interviews mit den Bandmitgliedern über die Jahre stammen, erfährt man einiges über ihre Einflüsse (Chuck Berry, The Four Freshmen), über die weiten Anreisen zu Auftritten. Lear-Jets und eigene Flugzeuge waren noch in weiter Ferne und so waren Autofahrten von 1.300 km zu einem einzigen Gig keine Seltenheit.
Auf die Idee, Autos in ihre Songs mit einzubauen, kamen die BEACH BOYS, weil sie auch die Menschen im inneren des Landes ansprechen wollten und denen sind Autos nun mal näher als Surfbretter.
Die Idee zum Titel Good Vibrations kam Brian, weil seine Mutter ihm etwas über die Schwingungen die Hunde spüren erzählte.
Man verfolgt, wie Brian sich von den anderen entfernte, wie sie sich wieder annäherten, wie andere Musiker geholt wurden und auch wieder gingen.
Auch wie sich die Band mal recht, mal schlechter, durch die 70er Jahre hangelte. Brian Wilson mal kreativ, mal depressiv, mit und neben der Band taumelte, bis er schließlich in die Fänge eines Psycho-Arztes geriet, der ihn zu seiner Marionette machen wollte und dies auch fast geschafft hätte.
Die Versuche über die Jahre hinweg, ihn wieder mit der Band auf die Bühne zu bringen, waren alle zum Scheitern verurteilt. Der Mann ist ein musikalisches Genie, aber kein Entertainer. Trotz Einladung und Aufforderung durch die Band wollte er an dem Titel Kokomo nicht beteiligt sein. Der Band brachte dieser Titel wieder einen Hit ein kleines Comeback. Die BEACH BOYS waren wieder zurück und machten deutlich: Sie sind die ultimative "American Band"!

Natürlich wird das alles von entsprechendem Bildmaterial begleitet, das teilweise wohl noch nicht zu sehen war.
Verschiedene Zeitgenossen bzw. Musiker geben ihre Statements ab. Wie etwa Jackson Browne, Glenn Frey und Elvis Costello, der sich relativ häufig zu Wort meldet und der ein BEACH BOYS Konzert Anfang der 70er zu seinen tollsten und liebsten Konzerten überhaupt zählt.
Ihm Gegensatz zu den alternden Strandjungens, bei denen Bärte wucherten und absonderlichste Klamotten das Tageslicht erblickten, blieben die Mädels in den Videos immer jung. So wie der Traum von Sommer, Sonne, Strand und einer "endlosen Harmonie".

Zusätzlich gibt's fünf komplette Videos: Surfin' USA, In My Room, Things We Did Last Summer, Little Deuce Coupe, Sloop John B. und Friends und sieben Audio-Tracks als 5.1 Surround Abmischung, wobei Do It Again auch visuell, nämlich vom Knebworth Konzert vorhanden ist.
Die restlichen sind: California Girls, Kiss Me Baby, God Only Knows, Surf's Up, Long Promised Road und Sail On Sailor.
Vieles könnte man wohl auch in Büchern und Magazinen lesen, aber so unterhaltsam, mit der entsprechenden Musik und den z.T. schon fast historisch wertvollen Bildern untermalt, kriegt man (Musik-) Geschichte selten präsentiert. Da lässt man das Freibad gern mal 2 Stündchen warten.

Bild: 4:3
Ton: Stereo; 5.1 Surround
Ländercode: 0
Untertitel: Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Holländisch
Extras: Video Clips, 5.1 Surround Audio Tracks

Epi Schmidt, (Artikelliste), 01.08.2005