Gold
The Allman Brothers Band
Gold, Geffen Records, 2006
Duane Allman Lead, Slide & Acousic Guitar
Gregg Allman Organ, Lead Vocals
Dickey Betts Lead, Slide & Acousic Guitar, Lead Vocals
Berry Oakley Bass
Butch Trucks Drums, Timbales, Maracas
Jai Johanny Johanson (Jaimoe) Drums, Congas, Percussion
Thom Doucette Harmonica, Percussion
Lamar Williams Bass
Chuck Leavell Piano, Electric Piano, Background Vocals
Les Dudek Lead Guitar, Acoustic Guitar
Johnny Sandlin Acoustic Guitar, Percussion
Bill Stewart Percussion
Dan Toler Electric & Acoustic Guitar
David Goldflies Bass
Joe Lala Percussion
Jim Essery Harmonica
Bonnie Bramlett Background Vocals
Produziert von: Bill Levenson Länge: 152 Min 08 Sek Medium: Do-CD
CD 1:
1. Don't Want You No More8. Midnight Rider
2. It's Not My Cross To Bear9. Don't Keep Me Wonderin'
3. Blackhearted Woman10. Hoochie Coochie Man (live)
4. Trouble No More11. Statesboro Blues (live)
5. Dreams12. Stormy Monday (live)
6. Whipping Post13. Hot 'Lanta (live)
7. Revival14. In Memory Of Elizabeth Reed (live)
CD 2:
1. One Way Out (live)9. Southbound
2. Ain't Waisting Time No More10. Jessica
3. Melissa11. Come And Go Blues (live)
4. Stand Back12. Can't Lose What You Never Had
5. Blue Sky13. Win, Lose Or Draw
6. Little Martha14. Crazy Love
7. Wasted Words15. Can't Take It With You
8. Ramblin' Man16. Pegasus

Wie schon früher von AEROSMITH, STEPPENWOLF usw. und kürzlich von LYNYRD SKYNYRD, gibt es auch von der ALLMAN BROTHERS BAND nun eine "Gold" Ausgabe. Eine Doppel-CD, remastert, und dem Aufkleber nach zum "Low Price".
Mit LYNYRD SKYNYRD verbindet die ALLMAN BROTHERS ja eine Menge. Beide sind natürlich Southern Rock Aushängeschilder. Hier wie da starben zu einer Glanzzeit der Band bedeutende musikalische Köpfe, ja eigentlich die Köpfe der Band. Dort Ronnie Van Zant und hier, bei den ALLMANS, Duane Allman. Der Slide-Virtuose und Innovator ist, selbst beide Bands zusammengenommen, noch heute die Lichtgestalt und immer noch fällt der Name Duane Allman wenn es um herausragende Fähigkeiten an der Slide-Gitarre geht.
Parallelen finden sich noch zahlreiche, vom zwischenzeitlichen Bruch bis zu der Tatsache, dass beide heute noch "unterwegs" sind. Allerdings auch beide mehr als eine Art "Tribute-Band".
Die musikalischen Einflüsse lagen bei den Brothers jedenfalls deutlicher im Blues, wie man hier deutlich beim Einstieg zu It's Not My Cross to Bear hört.

Gleich sechs Nummern vom Debütalbum - lediglich Every Hungry Woman fehlt - unterstreichen die Bedeutung jener Scheibe und zeigen auch schon die Bandbreite der Band an, die auf dem folgenden "Idlewild South" noch erweitert wurde. Von Country, Folk und Rock zu Blues und Jazz bis zu, ja fast mittelalterlichen Melodien in Revival erstreckt sich die Musik und schafft eine direkt magische Atmosphäre, nicht zuletzt durch die beiden Lead Gitarren von Duane Allman und Dickey Betts, die sich ergänzen, gegenseitig anstacheln und oft gemeinsam einige der fantastischsten Melodien kreierten, die diese Musik bis heute kennt.
Die Licks und Riffs der beiden sind bis zum heutigen Tage noch regelmäßig Gegenstand der Workshops in den einschlägigen Gitarren-Magazinen. Das Eröffnungs-Riff zu Statesboro Blues sei hier nur als Beispiel genannt.

Mit "Unveröffentlichtem" oder Rarem wird hier nicht gedient, was die Freude an der strahlenden Schönheit von Titel wie In Memory In Elizabeth Reed nicht schmälern kann, aber das Album "The Allman Brothers Band At Filmore East" ist natürlich essentiell und sollte in keiner Sammlung fehlen.
Überhaupt lief die ALLMAN BROTHERS BAND erst live zu wahrer Größe auf und hob ab, während LYNYRD SKYNYRD, für mich, ihre Stärken eher im Studio hatten.
Die Freude am Album "Eat A Peach", und hier sind wir schon bei der zweiten Disc, wurde vom Tode Duane Allmans getrübt, aber er war ja noch auf einigen Stücken zu hören.
Bereits One Way Out gehört zu ihren unwiderstehlichen Klassikern. Der tolle Groove, mit dem die Band diesen Elmore James spielt, lässt die Lead-Gitarren locker und unbeschwert darüber flirren und sie steigern sich auch wahrlich in einen weiteren Höhenflug. Zu ihrem blinden Verständnis finde ich nur noch Vergleiche bei den frühen WISHBONE ASH. Die hatten allerdings nicht das Glück eine solche Rhythmusgruppe zu haben.
Melissa ist ein weiteres unvergessliches Meisterwerk aus dem Backkatalog der ALLMANs. Mit dem Akustikinstrumental verabschiedet sich Duane Allman würdig.
Blue Sky verdeutlicht schon die eher countryfizierte Richtung, die die Band nehmen sollte und dann mit Ramblin' Man und Jessica auf dem folgenden Album "Brothers And Sisters" weitergeführt wurde. Mit zugegen entsprechenden Erfolg.
Das aus den folgenden Alben hier zusammen so viele Lieder stammen wie aus dem Debüt spricht schon für sich. Der Come And Go Blues, vom Live-Album "Wipe The Windows, Check The Oil, Dollar Gas", kommt zwar immer noch gut, aber das Feuer alter Zeiten kann Dickey Betts als einziger Gitarrist nicht entfachen und mit Chuck Leavell als zusätzlichem Tastenmann wird zwar schön gezwirbelt, aber zum echten Erlebnis reicht es dann doch nicht.
Die beiden folgenden Alben sind mit Can't Lose What You Never Had und Win, Lose Or Draw, bzw. Crazy Love, Can't Take It With You und Pegasus ausreichend und würdig vertreten. Letzteres ist noch mal ein richtig schönes Instrumental von hoher Güte und, ja, klingt es nicht zwischendurch wieder etwas nach WISHBONE ASH?

Natürlich gibt es mit der 4-CD Box auch über jenen Zeitraum schon eine erschöpfende, außerdem noch durch seltene Aufnahmen aufgepeppte Werkschau namens "Dreams". Inwieweit das noch erhältlich ist, weiß ich nicht, aber wer tatsächlich kaum was aus von den ALLMAN BROTHERS aus ihren frühen Tagen zuhause hat, könnte hiermit glücklich werden. Ansonsten empfiehlt sich ein Live-Album von damals, oder natürlich die Scheiben, die sie Ende der 80er/Anfang der 90 mit Warren Haynes wieder zusammen und in die richtige Spur brachte. Für weitergehenden Hörstoff in dieser Form sei u.a. die italienische Band W.I.N.D. empfohlen.
Das zwanzigseitige Booklet liefert die nötigen und bekannten Fakten, und übertreibt etwas was die späteren Songs angeht, aber ist schön gemacht und der remasterte Sound kommt auch gut, wenngleich nicht überspektakulär.
Für Neueinsteiger und Nichtkomplettisten empfehlenswert.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 22.10.2006