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Ruf Records
Live In Europe
Sue Foley
Live In Europe, Ruf Records, 2006
Sue Foley Guitar, Vocals
Michael Turenne Bass
Tom Bona Drums
Graham Guest Keyboards
Länge: ca. 136 Min Medium: DVD
1. The Snake8. Mediterranean Breakfast
2. Queenbee9. Found My Love
3. Hooked On Love10. Absolution
4. Me And My Chauffeur11. Change Your Mind
5. Fool Me Good12. New Used Car
6. Same Thing13. Gone Blind
7. Hooker Thing
Bonus:
Photo Gallery, Interview, Amsterdam Show 2005
1. Queenbee5. Mediterranean Breakfast
2. Me And My Chauffeur6. Doggie Treats
3. Careless Love7. Absolution
4. Change8. Shake That Thing

Die Kanadierin Sue Foley scheint sich immer mehr zum Zugpferd im Hause RUF Records zu entwickeln. Seit dem Einzug beim deutschen Blues Plattenlabel 2004, erschienen mit "Change" und der aktuellen "New Used Car" sowie der "Blues Guitar Women"-Zusammenstellung bereits drei CDs unter ihrer Führung, sie war sowohl solo als auch mit Rufs BLUES CARAVAN auf Tour und wer sie sträflicherweise verpasst hat, dem wird jetzt mit "Live In Europe" auch noch eine DVD nachgereicht, die Sue auf der Bühne präsentiert.

Aufgenommen wurde am 6. Dezember 2005 im bewährten Kölner 'Underground'. Natürlich lief das durch die Finger des Rockpalastes und somit weiß man, dass hier Qualität geboten wird. Zumindest mir gefällt es, wenn die Kameras keine wilden Schwenker machen und auch die Bildschnitte nicht wie ein Stroboskop auf einen einprasseln. Da hatte ich ja bei Ana Popovics DVD etwas gekrittelt, die trotz allem eine feine DVD ist, die man als Blues-Fan haben muss.
Und das gilt noch mehr für Sue Foleys Mitschnitt. Was die Frau auf der Bühne leistet ist schon klasse. Das verbirgt sich vielleicht etwas hinter einem leicht zurückhaltenden Wesen, aber wenn sie ihre Gitarre aufdreht, kommt sie sehr schnell in Fahrt und mit dem Eröffnungsinstrumental The Snake versetzt sie umgehend sich und alle Anwesenden in beste Laune. Ganz nebenbei demonstriert sie einige ihrer Fähigkeiten auf der Gitarre. Das praktisch nie reißerisch, mehr traditionell orientiert, aber wie oft kriegt man das denn heute noch geboten? Selbst bei der männlichen Fraktion ist das nicht mehr so häufig zu hören.
Diese Technik, mit Daumenpick und die restlichen Finger der rechten Hand zusätzlich zum Spielen einsetzend, ist für Gitarristen, gerade im Blues, äußerst effektiv. Zumal als einziger Gitarrist auf der Bühne.

Der Einstieg verlief relativ rock'n'rollig, bluesiger wird's mit dem nächsten Song und Sue macht klar, dass sie eine Queenbee ist. Wow, dieser Ausdruck in ihren Augen, da ist Widerstandskraft gefragt, um ihr nicht willenlos zu verfallen. Ja, hinter dieser manchmal etwas spröden Fassade brodelt es doch ganz schön...
Sue ist natürlich auch äußerst bewandert was den Blues im allgemeinen und den der weiblichen Interpreten im besonderen angeht, wie sie auch auf ihrer Homepage 'Guitar Women' demonstriert. So vergisst sie nicht die Credits für Jody Williams leicht funkiges Hooked On Love-Instrumental, klasse Orgelsolo von Graham Guest übrigens, und schon gar nicht für ihr großes Vorbild Memphis Minnie bei deren Me And My Chauffeur, welches sie ja auf "Change" schon so toll gecovert hat.
Ja, man muss sich echt mal die alten Blues-Sachen besorgen, da kann man z.B. hören, wie sehr sich eine Sue Foley von Minnies Gesang beeinflussen lies. Da dreht sie denn auch gleich noch etwas mehr auf.
Wer danach mit Verschnaufpause gerechnet hat, sieht sich getäuscht, denn mit Fool Me Good sorgt die Band für gesteigerte rhythmische Bewegungen im Publikum.
Gitarrenwechsel hat Sue Foley nicht nötig. Alles spielt sie mit ihrer Fender Telecaster im Paisley-Design, lediglich ein Kapodaster wird hier und da verwendet oder die Stimmung mal geändert. Das läuft alles wie nebenbei und routiniert ab, so dass kein Bruch in der Show entsteht und auf dieser DVD schon gleich gar net.
Auch die Klassiker werden nicht vergessen und Willie Dixons Same Thing, schmerzvoll-getragen, eingeflochten. Gerade hier lässt sich, dank der Kameraführung, das Spiel der Gitarristin schön verfolgen und mancher dürfte hier Inspiration finden.
Das folgende, rasend schnelle Hooker Thing unterstreicht Sues Solokünste eindrucksvoll. Das treibt auch ihre Band zu Höchstleistungen und sie liefern sich berauschende Duelle. Spitze!
Beim Mediterranean Breakfast kommt sie uns reichlich spanisch, für manche vielleicht mexikanisch, auf alle Fälle - würde Sergio Leone noch Western drehen - würde sich das als Soundtrack bestens eigenen. Die langsamen Songs kommen bei einem, leider beim Blues immer noch die Regel, altersmäßig vorgerückten Publikum ebenso gut an wie die "Rocker" und besonders gut kommt Absolution, vom damals noch nicht veröffentlichten Album "New Used Car". Das sieht man deutlich an den verzückt-faszinierten Gesichtern im Publikum.
Zum Schluss stellt sich Mrs. Foley für Gone Blind allein auf die Bühne, um noch mal einen Country-Blues zu spielen, so wie es ähnlich wohl schon vor annähernd hundert Jahren gemacht wurde.

So, und jetzt hätte man gern noch etwas Nachschlag, oder? Bei RUF kein Thema, denn als Bonus gibt's acht Songs aus ihrem Set im Rahmen des BLUES CARAVANs aus dem Frühjahr des selben Jahres.
Das blinde Verständnis wie mit ihrer eigenen Band ist hier vielleicht nicht ganz so gegeben, aber der Auftritt ist kein bisschen weniger reizvoll, liefert sogar einen erfreulich Kontrast. Außerdem werden wir hier mit einigen Titeln versorgt, die für mich zu ihren besten gehören. Der Country-Barroom-Blues von Careless etwa, bei dem Lisa Otey ihr Keyboard tatsächlich wie ein altes Piano klimpern und klingen lässt. Und dann natürlich dass dynamische Doggie Treats, das sich vom verhaltenen Beginn zum Fetzer entwickelt. Geile Nummer!
Tja, im Interview mit mir hatte Sue damals noch nichts geahnt von einer visuellen Veröffentlichung dieser Tour, aber ich denke, sie wird damit wohl ebenso zufrieden sein, wie jeder der sich diese DVD zulegt. Was nicht nur für Blues-Fans keine Frage sein sollte. Zusätzlich abgerundet wird die DVD von einem Interview im Rahmen der Crossroads-Serie. Absolut interessant, also ansehen und -hören! Eine Photogalerie ist ja mittlerweile schon fast Standard.
Von dem was ich bisher an Blues-DVDs mitgekriegt habe, ist diese Scheibe mit das Beste und über zwei Stunden lang ein gewaltiger Anreiz sich die Frau mal wieder live im Konzert anzusehen.

Ländercode: 0
Ton: Dolby Digital 5.1, Stereo, DTS 5.1
Bild: 16:9

Epi Schmidt, (Artikelliste), 26.09.2006