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A&M Records
Wildflower
Sheryl Crow
Wildflower, A&M Records, 2005
Sheryl Crow Lead and Background Vocals, Piano, Acoustic Guitar, Keyboards, Bass
Abe Laboriel Jr. Drums
John Shanks Bass, Acoustic and Electric Guitars, Banjo, Keyboards, Backgorund Vocals
David Campbell String Arrangements
Joel Derouin Concertmaster
Jeff Trott Acoustic and Electric Guitars, Bass, Background Vocals
Dan Chase Drums, Programming
Mike Elizondo Bass
Dan Chase Drums, Programming
Produziert von: Sheryl Crow, Jeff Trott und John Shanks Länge: 50 Min 45 Sek Medium: CD
1. I Know Why7. Letter To God
2. Perfect Lie8. Live It Up
3. Good Is Good9. I Don't Wanna Know
4. Chances Are10. Always On Your Side
5. Wildflower11. Where Has All The Love Gone
6. Lifetimes12. Wildflower (Acoustic Version)

Mensch, hätte ich nur geahnt, wie weit man es als Radfahrer bringen kann...
Da gewinnt der Kerl nicht nur die Tour de France Jahr für Jahr, sondern auch das Herz einer der tollsten Sängerinnen im Pop und Rock Bereich. Na ja, wenn die SHERYL CROW an der Ziellinie wartet, beflügelt das einen schon.
Aber, Spaß beiseite, der Lance Armstrong hat schon genug schwere Zeiten in seinem Leben gehabt und es sei ihm alles Glück dieser Welt, einschließlich (schweren Herzens) der Sheryl, gegönnt. Die hat ihrem Stahlross-Ritter denn auch gleich ihr gesamtes neues Album gewidmet und die Veröffentlichung um ein halbes Jahr verschoben. Schließlich gehen dann gleich Promotion und Touraktivitäten los und im Sommer bestreitet ja zunächst der Ehegatte seine eigene Tour.

Auf "Wildflower" wimmelt es längst nicht mehr so vor hochkarätigen Gaststars wie noch auf "C'mon C'mon" und die E-Gitarren und schmissigen Hooklines wurden auch um einiges zurückgefahren.
Die gute Sheryl ist halt verliebt und wenn sie auch gern erzählt, das sie jetzt über 40 ist und der Rock'n'Roll sie nicht mehr so verzückt wie früher - da kommen auch wieder andere Zeiten. Wartet's ab.
Im Vorfeld ihrer neuen CD hat sich Mrs. Crow Inspiration bei Kollegen geholt. Die Erwähnung von NEIL YOUNGs "Harvest" Album hätt's gar nicht gebraucht, denn I Know Why hat von der gepickten Akustikgitarre über das Banjo bis zur Slidegitarre überdeutliche 'Old Man' Einflüsse in sich. Trotzdem wird noch ein E-Gitarren-Solo eingefügt, vielleicht, damit die Ähnlichkeit nicht zu groß wird.
Die verzerrte Gitarre in Perfect Lie könnte auch aus dem Young'schen Lager stammen, aber sie taucht nur sehr verhalten auf und der Song bleibt eher im melancholischen Bereich, mit reichlich Streichern aufgepeppt.
Ohne die faszinierende Stimme und Ausdruckskraft dieser Sängerin, wäre der Song vielleicht etwas banal, aber so kriegt er doch noch die Kurve. Ja, auch George Harrison - vor allem das Album "All Things Must Pass" - gehörte zu den Paten für dieses Album, wie sich unschwer am Intro und Refrain (jeweils mit Harrison-Slide) von der Single Good Is Good hören lässt.
Also spätestens beim zweiten, dritten Hören, kommt einem diese Scheibe gar nicht mehr so ruhig vor. Schön, die String Arrangements bräuchte man nicht überall und gern auch dezenter, aber die Songs sind nahezu durchwegs von erstklassiger Güte.
Um bei Herrn Harrison zu bleiben, bringt Chances Are dann etwas indische Perkussion - Tabla, heißt das Ding, glaub ich - ein und auch die instrumentale Begleitung wandert hier und da in die Gefilde am Ganges ab. Reichlich Atmosphäre, aber etwas, na ja, arg ruhig.
Auch der Titelsong Wildflower strotzt nicht gerade vor unbändiger Energie, sondern betört eher mit seiner süßen Schwere. Da schraubt sich die Sheryl gerne mal in die oberen Regionen ihrer Stimme, was natürlich dann etwas dünner klingt. Ist auch nicht so mein Fall. Ich mag die Dame lieber engagierter., wenngleich das sicherlich toll gemacht ist und ein bisschen was von Simon & Garfunkel hat.

Mehr an die Zeiten vom diensttäglichen Musikclub erinnert Lifetimes und schon, trotz gebremsten Schaum, fühlt man sich doch deutlich wohler, wenn dieser Country Rock einen locker schaukelt.
Bei dem Letter To God denkt man, ob der akustischen, wie elektrischen, Gitarren gleich wieder an Neil Young. Wie bei fast allen Titeln, unterstreicht auch hier das String Arrangement von David Campbell den Song und auch das 'Programming' tut seinen Dienst. Nach ein paar Durchgängen ist man aber auch von dem Song recht angetan.
Absoluter Gewinner des Albums ist für mich Live It Up das mit richtig Pepp rüberkommt, Sheryls Stimme prima Geltung bringt und einen mit seinem leicht funkigen Swing in gute Laune versetzt. Klasse Nummer.
Ein bisschen ans Vorgängeralbum erinnert I Don't Wanna Know. Wie gehabt, zurückhaltend und ruhiger aber mit dem gewissen Charme und der einnehmenden Stimme dieser Ausnahmesängerin.

Zu den Alben die sich Frau Crow im Vorfeld reinzog, gehörte auch Elton Johns "Tumbleweed Connection" (1969) und Always On Your Side könnte durchaus eine von dessen großen Piano-Balladen sein, was durchaus für die Interpretin spricht.
Where Has All The Love Gone schmeichelt sich an Beatles-Harmonien entlang und lässt auch gitarristisch wieder Verweise an George Harrison erklingen. Unspektakulär, aber schön.
Warum Wildflower ein zweites Mal auf diesem Album erscheint - in einer 'Akustik Version' - versteh ich nicht. So etwas gehört auf Single B-Seiten.
Allerdings gefällt mir diese akustische, sehr intime Variante besser als die überladene Streicher-Version von vorhin.
Auf eine rockige Sheryl Crow muss man wohl einige Zeit warten - auch die kommenden Konzerte sollen mit Streichern unterzuckert werden - aber man kann sich durchaus mit ihrer zarteren Seite anfreunden. Überwiegend.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 27.10.2005