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Rocks In The Head
Roger Daltrey
Rocks In The Head, Sanctuary Records, 2005 (1992)
Roger DaltreyVocals, Harmonica, Guitar
Gerard McMahonGuitars, Keyboards, Background Vocals
Ricky BirdGuitars, Lead Guitars, Background Vocals
David KatzKeyboards
Shaun SolomonBass
Tommy PriceDrums
Jody LinscottPercussion
Produziert von: Gerard McMahon Länge: 48 Min 14 Sek Medium: CD
01. Who's Gonna Walk On Water07. Love Is
02. Befor My Time Is Up08. Blues Man's Road
03. Times Changed09. Everything A Heart Could Ever Want (Willow)
04. You Can't Call It Love10. Days Of Light
05. Mirror Mirror11. Unforgettable
06. Perfect World

Für mich ist Roger Daltrey einer der fantastischsten Rock-Sänger aller Zeiten. Quasi der Prototyp des muskulösen, energiegeladenen Frontmannes. In seinen gesanglichen Möglichkeiten zwar eingeschränkt, aber mit einer Power ausgestattet, die das problemlos wettmacht.
Da können Armeen von pseudo-aggressiven Metalbubis einpacken, wenn Mr. Daltrey auf der Bühne das marschieren anfängt. Pete Townshend war mal der Meinung, Roger mit der Gitarre attackieren zu müssen, woraufhin der ihm eine donnerte. "Aber nur eine", wie Roger beteuert. Das reichte wohl auch.

Die Arbeit von Roger Daltrey mit THE WHO ist legendär und etliche Meilensteine wurden da gesetzt. Auch in den filmischen Umsetzungen von "Tommy" und "Quadrophenia" konnte der ehemalige Stahlarbeiter überzeugen.
Was allerdings seine Soloalben angeht... tja, da findet sich wenig begeisterungswürdiges.
Ich hab mich echt nicht so leicht abschrecken lassen und einige gekauft, immer in der Hoffnung: Irgendeine ist bestimmt klasse.
Am ehesten kann man sich noch an seinen Scheiben aus den 70ern erfreuen. Auf dem Debüt von 1974, auf "Ride A Rock Horse" und auch auf "One Of The Boys" fanden sich einige gute Songs. Oftmals mehr im folkigen Bereich und bei weitem nicht so wuchtig-rockig wie THE WHO, aber gut gemacht und durchaus brauchbar.
Wenn's dann allerdings mehr in die 80er reingeht, schüttelt es einen schon öfter mal.
Aus "Under A Raging Moon" wäre vielleicht noch etwas rauszuholen gewesen, aber irgendwie haben weder diverse Songs von Bryan Adams/Jim Vallance, noch von Russ Ballard oder Chris Thompson was genützt, noch haben Musiker wie Robbie McIntosh, Cozy Powell oder Roger Taylor was gebracht.
Noch saft- und kraftloser klingt "Can't Wait To See The Movie". Leute wie Clem Clempson haben da mitgewirkt und trotzdem klingt es überwiegend wischi-waschi - einfach langweilig. Viel Schuld trägt hier die Produktion der 80er Jahre.
Allerdings, wie dieses Reissue beweist, war's anno 1992 beim Album "Rocks In The Head" auch kaum besser.

Who's Gonna Walk On Water klingt wie eine spannungslose Mischung aus I Can't Dance von GENESIS und der Guitar Jamboree von Dave Edmunds. Geht ja noch halbwegs, aber schon die Keyboardblubbereien in Bevor My Time Is Up gehen einem auf die Nerven und der Song gibt auch nix her.
Wenn ab und an der Gesang mal in die Nähe Young Man Blues - wie auf "Live At Leeds" - kommt, wie zu Beginn von Times Changed, dann klingt das schon noch gut, aber was dahinter rumklimpert und klappert geht einem grad am... vorbei.
Bei Love Is versucht Drummer Tommy Price zwar einen auf Kenny Jones zu machen, aber den Song rettet es auch nicht.
Die Blues-Gitarre am Anfang von Blues Man's Road weiß einen kurz zu erfreuen, aber schnell holpert ein komischer Drum-Groove alles über den Haufen und wenn dann noch ein blödsinniger Schubidu-Chor einsetzt, bin ich vollends bedient. Herr!

Ach, und mit dem Rest der Scheibe geht's einem auch nicht besser. Hier und da mal ein kleiner Moment der aufhorchen lässt, aber für die Länge, auch nur eines halben Liedes, reicht es nie. Schade.
Es ist halt nun mal so: Der Roger braucht offensichtlich den Pete - wie auch der selten richtig gut ohne den Roger war. Wer sich was von Roger Daltrey ins Regal stellen will, der sollte zu seinen ersten Solowerken, oder im Zweifelsfall zu seinem Sampler "Best Of Rockers & Ballads" greifen.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 05.12.2005