Bat Out Of Hell III
Meat Loaf
Bat Out Of Hell III - The Monster Is Loose, Mercury Records, 2006
Meat Loaf Lead Vocals
John 5, Corky James, Randy Flowers, Paul Crook, Eric Bazilian, Dan Warner, David Levita, Brian May, Steve Vai, Clint Walsh, John Shanks, Rusty Anderson, Eric Sardinas Guitars
Mark Alexander, Matt Rolings Organ, Piano
Kasim Sulton Bass
Victor Indrizzo, John Miceli Drums
Kenny Aronoff Drums, Percussion
Todd Rundgren, Kasim Sulton, Eric Troyer, Storm Lee, Jason Paige, Jeanette Olson, Desmond Child, James Michael, Diana Grasselli, John Gregory, Keely Pressly, Brett Cullen, Andreas Carlsson, u.v.m. Background Vocals
Stephanie Bennett Harp
Bettie Ross Pipe Organ
Patti Russo Vocals (What About Love)
Eric Rigler Irish Flute (Cry To Heaven)
Graham Phillips Boy Soprano (Cry To Heaven)
Produziert von: Desmond Child Länge: 77 Min 37 Sek Medium: CD
1. The Monster Is Loose8. Alive
2. Blind As A Bat9. If God Could Talk
3. It's All Coming Back To Me Now10. If It Ain't Broke Break It
4. Bad For Good11. What About Love
5. Cry Over Me12. Seize The Night
6. In The Land Of The Pig, The Butcher Is King13. The Future Ain't What It Used To Be
7. Monstro14. Cry To Heaven

Nun, das wäre auch nicht die erste Fledermaus, die man reitet, solange noch ein Tropfen Blut, respektive Geld darin ist.
Und wenn mal irgendwann - 29 Jahre ist es her - eines der erfolgreichsten Debütalben aller Zeiten unter einem bestimmten Thema veröffentlicht wurde, wird es Bastarde produzieren. So geschehen schon 1993 mit dem zweiten Teil "Back Into Hell". Und weil es der Fledermaus da auch nicht gefällt, wird das Monster anno 2006 wieder losgelassen.
Mal kurz zur Verpackung, da hat man sich wohl was neues ausgedacht - auch die neue THE WHO ist so verpackt - und das Jewel-Case etwas geändert. Die Ecken sind nun abgerundet und zum öffnen drückt man die Plastikverriegelung an der rechten Seite. Soweit ganz praktisch, da das Teil nicht, wie so manch alte Hülle, von alleine aufzuspringen gedenkt. Dafür hat man das Booklet von vier Seiten so eingekeilt, dass man ohne längere Fingernägel oder Hilfsmittel kaum eine Chance darauf hat. Ansatzweise also nicht schlecht, aber noch mal der Überarbeitung bedürftig, meine Herren. Bitte.

So, nun zum neuen Output von Marvin Lee Aday alias MEAT LOAF. Der hat sich anscheinend mit dem musikalischen Kopf dieser Geschichte, Jim Steinman, etwas überworfen. Damit will natürlich keiner der beiden so recht heraus und Jim hatte ja vor Jahren auch einen Schlaganfall und ist vielleicht nicht mehr so fit. Offiziell sagt der, er ist zu beschäftigt, da er an einem groß angelegten Projekt, "a massive stage spectacle", arbeitet. Und MEAT LOAF konnte jetzt plötzlich, 14 Jahre nach den Aufnahmen zu Bat II, nicht mehr warten. Wisst ihr was? Kasperltheater!
Die Songs die Jim geschrieben hatte, waren angeblich auch nur zur Hälfte für dieses Album geeignet und so hat sich MEAT den unvermeidlichen Desmond Child geholt. Was soll man da sagen?
Damit's nicht völlig aus dem Ruder läuft, durfte Todd Rundgren auch noch ein paar Dienste verrichten (der hat früher sämtliche Gitarren gespielt, jetzt darf er den Backgroundchor arrangieren) und, hoppla, der alte Bassist vom ersten Album, Kasim Sultan, zupft auch hier den Tieftöner. In die Gitarrensaiten dreschen dafür Leute wie John 5 (Rob Zombie, Marilyn Manson, kürzlich Paul Stanley) und John Shanks (Sessionmusiker) sowie eine ganze Riege weiterer Axtschwinger.
Desmond Child hat es sich nicht nehmen lassen, neben der Produktion, eine ganze Anzahl Songs für "Bat Out Of Hell III" zu schreiben und mit einer seiner Nummern beginnt das Opus auch: The Monster Is Loose.
Es brodelt kurz, bevor sich reichlich heavy-industrial Gitarren unter den computerisierten Beat und die Plastikgeigen mischen. Recht modern, zumal Meat eher stakkatohaft singt, und erwartet pompös. Bleibt, auch nach über sieben Minuten, nicht viel hängen von, auch wenn sich Meat gesanglich reinhängt.
Blind As A Bat trägt die typische Desmond Child Handschrift. Will sagen: Klingt wie jede BON JOVI-Ballade seit ca. 50 Jahren, nur noch bombastischer angelegt. Spätestens beim Refrain werdet ihr mir Recht geben.
Natürlich muss MEAT LOAF, und erst recht die "Bat Out Of Hell" Alben, bombastisch sein, aber das hat man halt schon besser gehört.
Das sieht man zum Beispiel beim folgenden, von Jim Steinman geschriebenen It's All Coming Back To Me Now. Da hört man wie der Sänger immer noch schmachten kann, wie kaum ein zweiter, zumal wenn er eine Gesangspartnerin hat. Leider klingt Marion Raven für mich etwas nach Cindy Lauper. Außerdem wurde der Song vor 10 Jahren schon mal von Celine Dion verbraten.
Wenn die Leadgitarre in Bad For Good einsteigt, weiß man: Das ist Brian May. Der QUEEN-Gitarrero hat sich hier mal kurz eingeklinkt, taucht allerdings nur zu Beginn mit einem kurzen Solo und ganz am Schluss wirkungsvoll auf. Ansonsten erinnert mich die Nummer etwas an Meats Hit Modern Girl, ist also gar nicht mal so schlecht. Tatsächlich gab es auch diesen Song schon mal. Auf einem Jim Steinman Soloalbum von 1981.
Aus der Feder von Diane Warren stammt das folgende Cry Over Me. Eine weitere Ballade und Meat Loaf singt da sicherlich sehr gut, aber mit der Zeit wird mir die Nummer zu beliebig. Das ist ein Song für die oben erwähnte Celine Dion oder ähnliche und kann den "Bat"-Standart nicht erfüllen.
Richtig hart dröhnt es bei In The Land Of The Pig, The Butcher Is King (eine eigenartige Logik hat der Mann). Damit es auch möglichst technisch bleibt, hat man Steve Vai einen Teil der Gitarrenarbeit angedient. Ja, lärmt gut und schiebt ordentlich, aber irgendwie zu überfrachtet um sich zu entfalten.
Beim komponieren des Zwischenspiels Monstro hat Desmond Child wahrscheinlich gerade den "Exorzisten" gesehen. Jedenfalls klingt dieses kurze Instrumental stark nach der Musik des Filmes. Beim folgenden Alive wiederum lies er sich sehr vom Song Bat Out Of Hell vom Debütalbum inspirieren. Schadet hier aber gar nicht und der Song gehört zu den besten auf dieser CD. Es geht doch!
If God Could Talk - also gestern, im Don Camillo Film, hat er doch noch gesprochen? - ist eine weitere Child-Ballade und klingt auch entsprechend. Abhaken.
Das Beste an If It Ain't Broke Break It ist zweifellos die Slide-Gitarre von Eric Sardinas. Ansonsten sind mir diese programmierten Drums viel zu steril und wirr und man mag vielleicht auf eine jüngere Hörerschaft zielen, aber ich empfinde den Song eher als störend.
Wenn er eine Frau in Reichweite hat - und wenn's nur für die Hand an ihrem Hintern reicht - ist Meat Loaf halt doch am besten, was er in What About Love wieder bestätigt. Mit Patti Russo ist denn auch die passendere Duettpartnerin angetreten und wer Meat mag, der wird sich hier pudelwohl fühlen.
Ebenfalls als guten, passenden Song empfinde ich Seize The Night. Natürlich im Breitwandformat und aus der Schreibe von Jim Steinman, ist der Titel nahezu opernhaft konstruiert, wechselt von klassischen Elementen zu modern-rockigen Tönen und liefert Meat in fast zehn Minuten eine perfekte Plattform für seinen Gesang.
Im hymnischen The Future Ain't What It Used To Be (Stimmt, früher sagten wir noch 'No Future') steht ihm mit Jennifer Hudson die wohl kompetenteste Sangespartnerin gegenüber, die sogar leicht an die famose Ellen Foley erinnert. Was zum davonschweben.
Eine 'Irish Flute' wie in Cry To Heaven haben wir auf dem Album "Couldn't Have Said It Better", im Song Man Of Steel, ähnlich gehört. Hier wie da eine Ballade, die mir hier, zumal als Abschluss, etwas zu schmalzig gerät.

Langer Rede kurzer Sinn: Das eben erwähnte Album hat mir besser gefallen und in eine Reihe mit "Bat Out Of Hell" kann sich "Bat Out Of Hell III" nicht stellen.
Wer Meat Loaf mag, kann hier sicher manches für sich herausfiltern, insgesamt aber nix für Ewigkeit.
Einen vierten Teil wird es übrigens nach Aussage von Meat nicht geben, da er nach den üblichen mindestens 14 Jahren Wartezeit zu alt sein wird. Macht ja nix.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 28.10.2006