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Rounder Records
Hello, I Must Be...
Kip Boardman
Hello, I Must Be..., Continental Song City/Rounder Records, 2006
Kip Boardman Vocals, Bass, Piano, Wurlitzer, Banjo
Tony Gilkyson Electric & Acoustic Guitars, Banjo
Don Heffington Drums & Percussion
div. Gäste
Produziert von: R. Walt Vincent & Tony Gilkyson Länge: 38 Min 04 Sek Medium: CD
1. Hello, I Must Be...6. Life Would Leave Us
2. What Are Clouds?7. Spin Me Around
3. Losing Streak8. Socks Have Holes
4. Good Place To Hide9. The Wheel
5. Dirty Work10. Truth And The Idiot

I hab's Gfui, ihr wollt's mi verarschn..., sagte nicht nur Fredl Fesl da und dort, sondern das denk ich mir auch wenn ich mir die ersten Male dieses Album anhöre. Ich meine, da ist doch ein Typ vorne drauf. Und hinten. Und innen drin. Und dann beginnt das erste Stück, Hello, I Must Be..., und da hört man den singa wia a Zeiserl, so dass man denkt, das wäre eine Frau. Alle Nachforschungen ergeben: Es ist ein Mann.
Kip Boardman ist natürlich ein Mann, und als ob das nicht genug wäre auch noch ein ausgezeichneter Songschreiber, der mit "Hello, I Must Be..." sein zweites Soloalbum vorlegt. So eine Stimme ist natürlich schon längst anderen aufgefallen und so wirkte er u.a. als Backgroundsänger auf Eleni Mandells "Country For True Lovers" (2003) mit.
Das Wort Country ist somit schon gefallen und zusammen mit Folk bildet das schon überwiegend die Grundlage für Kips Musik. Wie zu Zeiten von Neil Youngs "Comes A Time" kommt einem dieser erste Song vor. Bei besagter Eleni Mandell ist meistens auch der Pedal-Steel Spezialist Joshua "Josh" Grange mit dabei und der sorgt auch hier, zusammen mit Kips Banjo, fürs rechte Country-Feeling.
Auf jeden Fall fühlt man sich in die 70er Jahre zurückversetzt. Den Pop-Faktor bringen Ähnlichkeiten zu FLEETWOOD MAC ein und in What Are Clouds? können sich Freunde von Elton Johns großen Pianoballaden problemlos verlieben.

Eine herrlich lockere Stimmung verbreitet das angenehm fliesende Losing Streak mit leicht jazzig-poppigen Akzenten. So richtig was zum relaxen und wer könnte das in diesen Tagen nicht vertragen. Und wo man sich's grad so schön bequem gemacht hat, trasht da plötzlich in Good Place To Hide eine lärmig verzerrte Gitarre und reißt einen aus dem Halbschlaf. Da wird's richtig Stones-rockig - und damit auch nix schief geht, hat man hier Beth Hart als Background-Sängerin engagiert. Die zählt ja für viele als eine der besten weiblichen Rock-Röhren und beeindruckt auch hier durchaus.
Dirty Work kommt euch bekannt vor? Richtig, aber nicht um das gleichnamige STONES-Album geht es hier, sondern es ist der alte STEELY DAN Titel, der hier eine Country-Rock Bearbeitung erfährt, die auch einen Gram Parsons befriedigt hätte. Das wundervolle Slide-Solo von Josh Grange tut ein übriges.
Life Would Leave Us ist eine weitere großartig einfühlsame Ballade. Hört euch nur den Wiedereinstieg der Stimmen nach dem Akustikgitarren-Solo an. CSN&Y hätten es nicht besser machen können.
Für das folgende Spin Me Round, das ein richtig feines Tom Wait'sches Kirmes-Feeling erzeugt, hat man Van Dyke Parks hinzugenommen, der ja schon für die BEACH BOYS und vor allem für Brian Wilsons "SMiLE" von großer Bedeutung war, und hat ihm hier das "orchestral arrangement" anvertraut.
Mit dem sehr atmosphärischen The Wheel, den fast gesprochenen Vocals und sehr effektiver Dynamik wird in über fünf Minuten eine fast hypnotische Stimmung erzeugt, die man sich fast umgehend noch mal geben möchte. Der letzte Song, Truth And The Idiot, macht insofern eine Ausnahme, dass Kips Stimme dann doch noch männlich klingt. Ansonsten klingt hier wieder etwas Elton John der frühen 70er durch, etwas Jackson Browne vielleicht noch und wieder reichlich easy West-Coast-Flair.

Dass die Spielzeit dieser Scheibe mit knapp über 38 Minuten Vinyl-Länge erreicht, ist ja fast schon ein Muss. Ob von ihm selbst oder bei anderen, die Songs und die Stimme von Kip Boardman wird man sicherlich noch öfter hören.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 31.12.2006