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Sony BMG
Personal File
Johnny Cash
Personal File, Sony BMG, 2006
Johnny Cash Vocals, Guitar
Produziert von: Gregg Geller Länge: 138 Min 35 Sek Medium: Do-CD
CD 1:
1. The Letter Edged In Black14. I Don't Believe You Wanted To Leave
2. There's A Mother Always Waiting At Home15. Jim Wore A Tie Today
3. The Engineer's Dying Child16. Saginaw, Michigan
4. My Mother Was A Lady17. When It's Springtime In Alaska (It's Forty Below)
5. The Winding Stream18. Girl In Saskatoon
6. Far Away Places19. The Cremation Of Sam McGee
7. Galway Bay20. Tiger Whitehead
8. When I Stop Dreaming21. It's All Over
9. Drink To Me Only With Thine Eyes22. A Fast Song
10. I'll Take You Home Again Kathleen23. Virgie
11. Missouri Waltz24. I Wanted So
12. Louisiana Man25. It Takes One To Know Me
13. Paradise10.
CD 2:
1. Seal It In My Heart And Mind13. One Of These Days I'm Gonna Sit Down An Talk To Paul
2. Wildwood In The Pines14. What On Earth (Will You Do For Heaven's Sake)
3. Who At My Door Is Standing15. My Children Walk In Truth
4. Have Thine Own Way Lord16. No Earthly Good
5. Lights Of Magdala17. Sanctified
6. If Jesus Ever Loved A Woman18. Lord, Lord
7. The Lily Of The Valley19. What Is Man
8. Have A Drink Of Water20. Over The Next Hill (We'll Be Home)
9. The Way Worn Traveler21. A Half A Mile A Day
10. Look Unto The East22. Farther Along
11. Matthew 24 (Is Knocking At The Door)23. Life's Railway To Heaven
12. The House Is Falling Down24. In Sweet Bye And Bye

Es ist schier nicht zu fassen, was der 'Man in black' im Laufe seines Lebens an Musik aufgenommen bzw. gespielt hat. Und schon liegt wieder eine Sammlung von Songs vor, die Johnny Cash eingespielt hat.
Bei "Personal File" handelt es sich allerdings nicht um Outtakes oder Unveröffentlichtem aus seinen späten Jahren mit Rick Rubin, sondern überwiegend aus den 1970er Jahren. In einem Raum hinter Johnnys Aufnahmestudio "House of Cash" fand man Hunderte, wenn nicht Tausende von Tapes und Demos. Viele davon waren eingesandte Songs, deren Verfasser sie Johnny anbot.
Und dann gab es eben auch ein paar Tapes, die mit "Personal File" gekennzeichnet waren und aus denen diese Aufnahmen hier stammen. Allesamt von Johnny Cash ganz alleine mit Gitarre eingespielt. Gut die Hälfte davon stammen aus dem Jahr 1973 und obwohl sie in ihrer spartanischen Art an seine 'American Recordings' erinnern, fällt einem natürlich die deutlich jüngere Stimme auf. Nichts von der charmanten Brüchigkeit der letzten Jahre, sondern voll und gefestigt klingt sie hier noch.

Es handelt sich hierbei auch nicht um irgendwelche Outtakes oder Mitschnitte von bescheidenem Sound, sondern durchwegs um glasklare Aufnahmen. Ja, in dieser nahezu intimen Atmosphäre - nur der Mann und seine Gitarre - fällt es nicht schwer, sich den Sänger im Sessel gegenüber vorzustellen.
Dazu erzählt Cash hier und da vor den Liedern als spräche er zu seinem Publikum. Spricht über den Song, woher er ihn hat, was er ihm bedeutet oder wann er ihn zuerst aufgenommen hat. Oder, im Falle von Far Away Places, dass es der erste Song war, den er vor Publikum gespielt hat. Ein "sehr kritisches Publikum", wie er anmerkt.
Und noch mal muss ich Mr. Cash zitieren: "Ich liebe Songs über Pferde, Eisenbahnzüge, Land, das jüngste Gericht, die Familie, schwere Zeiten, Whiskey, Brautschau, Ehe und Ehebruch, Trennung, Mord, Krieg, Haft, Herumtreiberei, Verdammnis und Heimatgefühle, über Erlösung, Tod, Stolz, Humor, Glauben, Rebellion, Patriotismus, Raubzüge, Entschlossenheit, Schicksalsschläge, Randale, Herzschmerz und Liebe. Über meine Mutter. Und Gott".
Das trifft über seine komplette Karriere zu, allerdings sind naturgemäß bei diesen Soloaufnahmen die Balladen in der Überzahl und so geht es häufiger über Mord und Tod und seine Mutter und weniger im Boom-Chicka-Boom Rhythmus über Eisenbahnen. Selbstverständlich versinkt der Protagonist dabei nicht in Rührseligkeit, sondern trägt erhobenen Hauptes seine Geschichten vor.

Dem Titel nach vermutet man bei It's Springtime In Alaska eher was erfreuliches, selbst beim Untertitel "It's Forty Below". Bei Johnny Cash verläuft so eine Nummer halt so, dass die letzte Zeile "when it's springtime in Alaska, I'll be six feet below" lautet und man vermutet schon fast, um was für eine Art "Krawatte" es sich in Jim I Wore A Tie Today handelt.
Wenn es um Tod und Mord geht, gibt es wohl keinen "besseren" Sänger als Johnny Cash. Lediglich Nick Cave kommt da wohl gelegentlich in die Nähe.
Nur absolute Insider werden mehr als eine Handvoll dieser Songs kennen, von denen ca. die Hälfte aus Cashs eigener Feder stammt und der Rest sich aus Traditionals und Liedern anderer Interpreten zusammensetzt. Das längste Stück ist das völlig ohne Musik vorgetragene Gedicht The Cremantion of Sam McGee, bei dem man sich an die Konzeptalben Cashs, wie "Ride This Train", erinnert fühlt.
Die erste CD endet mit It Takes One To Know Me, der Song, den Carlene Carter für Johnny schrieb und ihm schenkte und der doch so wunderbar als Widmung an seine Frau June Carter Cash funktionierte.

Zur aktuellen "Sakrileg"-Diskussion passt der Song If Jesus Ever Loved A Woman, von dem weder Autor noch Aufnahmedatum bekannt sind. Das sollte doch zu denken geben!
Der neueste Titel des Albums stammt vom Dezember 1982, heißt Life's Railway To Heaven und es besteht, nicht zuletzt dank diese Zusammenstellung, wohl kein Zweifel, dass dieser Mann bis zur Endstation gelangt ist.
Ob Johnny Cash jetzt gewollt hätte, dass all diese Songs veröffentlicht werden, vermag wohl niemand zu sagen, aber so ist nun mal das Schicksal eines Troubadours. Gut für uns, und wer sich gerne mit Johnny Cash in trauter Zweisamkeit ins Zimmer setzen mag um ihm zu lauschen, legt am besten "Personal File" ein.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 25.05.2006