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Duets
Johnny Cash
Duets, Columbia/Legacy, 2006
Produziert von: Gregg Geller Länge: 45 Min 58 Sek Medium: CD
1. It Ain't Me, Babe9. Help Me Make It Through The Night
2. Jackson10. The Pine Tree
3. Long-Legged Guitar Pickin' Man11. No Need To Worry
4. Oh, What A Good Thing We Had12. Old Time Feeling
5. Darlin' Companion13. One Way Rider
6. If I Were A Carpenter14. Brand New Dance
7. 'Cause I Love You15. Far Side Banks Of Jordan
8. The Loving Gift16. It Takes On To Know Me

Es war kaum zu erwarten, dass der Veröffentlichungsstrom, nach einer kurzen pietätvollen Pause, nach dem Tode der Country-Ikonen Johnny Cash und June Carter Cash so bald versiegen würde.
Nachdem ja mit "Walk The Line" nun auch ein Kinofilm über Johnny Cash gedreht wurde, bietet sich ein sich eine weitere CD an. Hier sind sechzehn der Duette von Johnny und seiner Frau June versammelt. Die wenigsten davon haben sie selbst verfasst, aber bei nahezu jedem Song spürt man, wie sie ihn zu ihrem eigenen machen und so überzeugend interpretieren, als hätten sie die Story durchlebt.

Dylans It Ain't Me, Babe, mit typischer Mundharmonika eingeleitet, wurde eines der Trademarks des Paares. Die mexikanischen Trompeten unterstützen den Refrain effektvoll, so dass diese Version gleich nach meiner Lieblingsversion auf Bob Dylans "The 30th Anniversary Celebration" kommt. Man muss schon eine große Liebe füreinander empfinden, um sich die Textzeilen dieses Liedes problemlos um die Ohren hauen zu können.
Auch in dem Cash/Carter-Lied, Jackson, geht's von Johnnys Seite her nicht zu feinfühlig zu: "All them women gonna make me, teach 'em what they don't know how..." und in Long-Legged Guitar Pickin' Man wird gleichfalls nicht mit Nettigkeiten gespart: "You big-mouthed woman.".
June konnte sowas wegstecken, da sie es ihm gelegentlich zurück zahlte und Johnny das auch an ihr zu schätzen wusste.

Musikalisch wird natürlich dem bewährten Boom-Chicka-Boom Rhythmus ausgiebig gefrönt. Um so mehr fällt die Eigenkomposition Oh, What A Good Thing We Had aus dem Rahmen, die eher im Pop-Bereich, mit ein paar Swing-Jazz-Tupfern, liegt.
Zwar bestens vom Album "Johnny Cash At San Quentin" bekannt, ist diese Version von Darlin' Companion wohl die ausdruckstärkste und die Zwischenrufe der Häftlinge sprechen für sich.
Tim Hardins If I Were Carpenter gehört bei diesem Countrypärchen ebenfalls zu den Sternstunden. Ich konnte dem Song allerdings, von wem auch immer interpretiert, noch nie viel abgewinnen und so reißt er mich auch hier nicht vom Hocker. Lediglich die BEAT FARMERS haben mal eine berauschende (Live-) Fassung davon veröffentlicht.
Kris Kristofferson war auch immer gut für einen brauchbaren Song, was hier erneut durch die liebevolle Ballade The Loving Gift und den Klassiker Help Me Make It Through The Night unterstrichen wird.
The Pine Tree erinnert etwas an Carpenter, kommt aber weniger pathetisch und somit einfach besser. Auch wenn man sich fragt, was das Gesumme von Johnny soll. Ist ihm der Text entfallen?
Im typischem Cash-Stil, aber durch den call-and-response Gospel-Chor aufgepeppt, sticht No Need To Worry hervor und macht richtig Spaß.
Das Old Time Feeling überkommt einen bei der 1976er Aufnahme dieses Titels. Normal kein Streicher-Freund, untermalen sie den Song hier doch sehr effektvoll.
Vom Album "Rockabilly Blues" (1980) stammt Rodney Crowells One Way Rider und man hört, dass auch zu diesem Zeitpunkt gute Musik aus dem Hause Cash/Carter kam. Der Albumtitel steht stellvertretend für den Song, der recht schwungvoll galoppiert.
Wenn die Stimmen in Brand New Dance (1983) schon etwas bröckeln, scheint gleichzeitig noch mehr Tiefe und Wärme zu entstehen.

It Takes On To Know Me ist der letzte, sehr getragene, Song des Albums und weder Johnny Cash noch June Carter Cash hätten wohl einen besseren Partner dafür finden können.
Als ihr bewegendstes Duett bleibt aber wohl, nach ihrer beider Tod, Far Side Banks Of Jordan bestehen. Die Vorstellung, dass June Johnny im Jenseits erwartet hat und sie beide dort vereint sind, erfüllt einen doch irgendwie mit einer tröstlichen Zufriedenheit.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 17.02.2006