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Whistle Rymes
John Entwistle
Whistle Rymes, Castle Music, 2005 (Decca Records, 1972)
John Entwistle Vocals, Bass, Piano, Synthesisers
Peter Frampton Guitar
Jimmy McCulloch Guitar
Neil Sheppard Piano
Rod Coombes Drums
Produziert von: John Alcock Länge: 54 Min 38 Sek Medium: CD
1. Ten Little Friends9. I Found Out
2. Apron Strings10. Nightmare (Please Wake Me Up)
3. I Feel BetterBonus Tracks (Demos - previously unreleased):
4. Thinkin' It Over11. I Wonder
5. Who Cares?12. All Dressed Up
6. I Wonder13. Back On The Road
7. I Was Just Being Friendly14. Countryside Boogie
8. The Window Shopper

Wenn heute, oder morgen, oder wann auch immer, mal wieder eine Liste der "besten Rock-Bassisten aller Zeiten" erstellt wird, wird dieser Name wieder auf den ersten Plätzen stehen: John Entwistle.
Auf ewig werden sich Bassisten an den Soli aus My Generation versuchen und sie doch nie so hinkriegen wie der WHO-Bassist.
Alles Können hilft aber nix, wenn man einen genialen Songschreiber wie Pete Townsend in der Band hat und somit der Platz für Eigenkompositionen auf den Alben der WHO beschränkt ist.
Somit war es auch John, der als erstes von allen Bandmitgliedern den Schritt in die Unabhängigkeit vollzog und ein Solo-Album veröffentlichte. Das war 1971 und trug den Titel "Smash Your Head Against The Wall". Wie schon bei THE WHO mit Songs wie Whisky Man, Heaven And Hell, Cousin Kevin, Boris The Spider usw. unter Beweis gestellt, hat John mit gefühlsduseligen Texten nicht viel am Hut. Er ist der Mann fürs Abwegige und Makabere. Das zeigte sich auf seinem ersten Album und setzte sich auf "Whistle Rymes" im folgenden Jahr fort. Dazu kam noch, wie man ihm teilweise vorwarf: Reinste Pornografie, was Songs wie Ten Little Friends und I Was Just Being Friendly unterstreichen.

Im Gegensatz zu Kollegen wie, sagen wir: Bill Wyman von den ROLLING STONES, haben John Entwistles Alben durchaus Schmackes. Das zeigt sich in dem flotten R&B von Ten Little Fingers (klingt ein bisschen wie Memphis, Tennesse) schon gleich deutlich. Johns Stimme mag sich in Grenzen bewegen, aber er gibt einen guten Shouter ab und mit Peter Frampton, der seine HUMBLE PIE Erfahrungen sehr gut einbringt, hat er sich für dieses Album einen richtig guten Gitarristen geangelt. Mit Jimmy McCulloch (später u.a. bei Paul McCartneys WINGS) stand zudem ein weiterer fähiger Gitarrist mit im Studio.

Musikalisch bewegt sich alles in den Bahnen, die man aus Entwistels WHO-Songs kennt. R&B, auch mal etwas Country und Folk, und natürlich Rock. Es gibt ja Stimmen, die behaupten so ein lyrisches Solo wie bei Apron Strings hat Peter Frampton später nur noch selten hingekriegt. Mich erinnert es etwas an die Spielweise von Peter Green.
An derben Texten lässt es John natürlich nicht mangeln: "When I'm feeling blue, I stick a pin in the picture of you beside my bed and I feel better", aus I Feel Better, oder "I can't afford to buy the kind of dirts books, that show naked ladies with big chests", aus dem Voyeur-Titel The Window Shopper, legen Zeugnis ab.
Verpackt sind aber all diese Texte in gute Songs, denen man den Hintergrund oft gar nicht anhört.
Wer das WHO Raritäten-Album "Odds And Sods" kennt und mag, der kann sich ungefähr einen Eindruck vermitteln, wie dieses Album hier klingt.
Hier und da wird es auch mal progressiver, etwa durch die "angeschrägten" Bläsersätze in I Wonder, oder die "Geisterfahrt" in Nightmare (Please Wake Me Up).
Ein zur Schau stellen seiner Fingerfertigkeiten auf dem Bass hält John, zu Recht, nicht für notwendig, sondern er ist ausschließlich auf die Songs fixiert und die tragen dazu bei, dass die Alben dieses Bassisten, neben denen von Pete Townsend, die besten Soloarbeiten eines Mitgliedes der WHO wurden.

Auf dieser Wiederveröffentlichung sind vier Bonus Tracks hinzugefügt worden. Obwohl Demos, klingen sie alle richtig gut, rechtfertigen allerdings nicht die Neuanschaffung, sofern man dieses Teil schon in irgendeiner Form besitzt. Wenn nicht, können sie natürlich ein Anreiz sein.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 22.01.2006