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So Who's The Bass Player? - The Ox Anthology
John Entwistle
So Who's The Bass Player? - The Ox Anthology, Castle Music, 2005
Länge: 151 Min 44 Sek Medium: Do-CD
CD 1:
1. My Size11. I Was Just Being Friendly
2. Pick Me Up (Big Chicken)12. Do The Dangle
3. What Are We Doing Here?13. Made In Japan
4. Heaven And Hell14. Roller Skate Kate
5. Ted End15. Peg Leg Leggy
6. Ten Little Friends16. Lady Killer
7. Apron Strings17. Mad Dog
8. Thinkin' It Over18. Cell Number 7 (Live)
9. Who Care's?19. Whiskey Man (Live)
10. I Wonder20. Boris The Spider
CD 2:
1. My Wife (Live)10. Life After Love
2. I'm Flash11. The Real Me (Live)
3. Space Pirates12. Success Story (Live)
4. To The Chop13. 905 (Live)
5. Blast Off14. Had Enough (Live)
6. Try Me15. Bogeyman
7. Talk Dirty16. Back On The Road
8. Too Late The Hero17. When The Sun Comes Up
9. Love Doesn't Last18. Don't Be A Sucker

Nachdem THE WHO ab Beginn der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts nicht mehr ganz so viel auf Tour waren, die Abstände zwischen den Alben größer wurden, dafür Filmprojekte aufkamen, vertrieb sich ihr Bassist John Entwistle, immerhin der einzige in der Band mit einer musikalischen Ausbildung, die Zeit mit diversen Soloalben und schließlich sogar einer Zweitband: THE OX.
Seine Solowerke wurden ja mittlerweile restauriert und erweitert wiederveröffentlicht. Wer nicht ganz so viel Zeit und Geld investieren möchte, der kann sich anhand von "The Ox Anthology" einen Überblick oder Einstieg in das Schaffen von John Alec Entwistle, geb. 9. Oktober 1944, gönnen.

Beim Debüt "Smash Your Head Against The Wall" assistierte u.a. HUMBLE PIE-Drummer Jerry Shirley. Gleich fünf Songs davon sind hier vertreten und bereits der Heavy-Einstieg von My Size lässt aufhorchen. Erinnert stark an die frühen BLACK SABBATH.
Mehr im Stile von THE WHO klingt Pick Me Up, nicht zuletzt weil John hier seine Fähigkeiten im Brass-Bereich einbringt.
Das THE WHO von 1968 bis 1970 ihre Shows mit der Entwistle-Nummer Heaven And Hell begannen, spricht schon für sich. Weit langsamer wird der Song hier gespielt, aber auch so funktioniert er bestens und kommt vielleicht sogar noch eindringlicher.
Chronologisch aufgebaut, folgen zehn Songs der Alben "Whistle Rymes" und "Rigor Mortis Sets In", aber da hab ich ja an anderer Stelle schon drüber berichtet.
Auf "Mad Dog" wurde der Rock'n'Roll Weg des Vorgängers fortgesetzt. Stellenweise mit reichlich Background-Chor aufgepeppt, aber durchaus schmissig, wie Lady Killer zeigt. Richtung Teenager-Ballade tendiert Mad Dog, bei dem der Leadgesang an Juanita Franklin vergeben wurde.
Vom gleichen Album stammt Cell Number 7, hier allerdings in einer Liveversion von 1975 vertreten. Wiederum straighter Rock'n'Roll, wie man ihn auch von DR. FEELGOOD kennt. Vom gleichen Konzert, The Spectrum, Philadelphia, 15.3.1975, gibt's interessante Versionen von Whiskey Man - kenn ich von den WHO gar nicht live - sowie von dem Entwistle Song Boris The Spider. Macht Spaß!

Die zweite CD verweilt noch bei diesem Konzert, das ja auch schon als "King Biscuit Flower Hour" veröffentlicht wurde, und präsentiert eine geiles, powervolles My Wife.
Das Album "Flash Fearless Vs. The Zorg Women Parts 5 & 6" ist mehr als Projekt anzusehen, aber ein durchaus interessantes, mit Gästen wie Alice Cooper, der die Lead-Vocals bei dem Roadrunner-ähnlichen I'm Flash übernimmt.
Unter anderem vertreten: die Drummer Carmine Appice, Bill Bruford und Kenny Jones (zu diesem Zeitpunkt ja noch bei den FACES), die Keyboarder Nicky Hopkins und Chick Churchill (TEN YEARS AFTER), sowie Jim Dandy als Vocalist bei Blast Off, welches, wie die anderen Songs eigentlich auch, an den Rock'n'Roll im Stil der "Rocky Horror Picture Show" erinnert.

Erst 1981 erschien das nächste Studioalbum, "Too Late The Hero", für das John seinen alten Freund Joe Walsh gewinnen konnte. Damals kein wirklicher Erfolg, und natürlich an den Sound der frühen 80er angelehnt - sprich die Gitarre klingt eher nach Keyboard - sind die drei Songs doch gar nicht übel. Talk Dirty präsentiert mal wieder Johns eindrucksvollen Bass-Sound und -Stil: als wären die Saiten bis kurz vor dem Zerreißen gespannt, so drahtig knallt das hier. Too Late The Hero ist mir allerdings etwas arg bombastisch-balladesk. Klingt fast wie BARCLAY JAMES HARVEST.

Bereits 1986 eingespielt, und dann nur als "private pressing" rausgebracht, dauerte es bis 1996 bis "The Rock" seine offizielle Veröffentlichung erlebte. Bei den Aufnahmen saß damals bereits Ringo Starrs Sohn Zak Starkey am Schlagzeug. Ein weiteres Mal nahm John Entwistle also einen späteren WHO-Drummer vorweg.
Entwistle beschränkte sich aufs Bassspielen und den Gesang übernahm Henry Small. Natürlich ist auch hier der 80er Jahre Sound zu hören, und wenngleich gute Kompositionen, klingen Love Don't Last und Life After Love doch, na ja, etwas beliebig.
Dann geht's aber wieder gut ab, wenn Liveversionen von WHO-Songs aus diversen US-Shows von 1998 erschallen. Immer noch war John ein richtig guter Shouter, wie The Real Me deutlich macht, und selbst der Einsatz von zusätzlichen (Keyboard-?) Sounds kann diesen Ausnahmebassisten nicht unterbuttern. Wie eh und je höchst beeindruckend!
Wohl auch selten live zu hören war Success Story (vom 1975er WHO-Album "By Nmubers"), das stellenweise leider unter den genannten Sounds leidet, aber mit seiner Power trotzdem noch ansteckt.
Zu meinen Lieblinstiteln von "Who Are You" gehört 905, und den Song hier live zu hören verschafft mir, zugegeben, eine Gänsehaut. Klasse! Tja, und nicht viel anders ergeht's mir mit Had Enough, welches allerdings etwas keyboardlastig ist.

Für die amerikanische Cartoon-Fernsehserie "Van-pires" nahm John zwischen 1978 und 1997 diverse Nummern auf. Bogeyman wurde 1978 auch mal als Demo, mit Keith Moon am Schlagzeug, aufgenommen. Hier allerdings in der endgültigen Fassung, aber sehr Entwistle-typisch in diesem flirrenden "Spider"-Stil, wie er in Krimis oft verwendet wird. Ich weiß nicht wann Back On The Road aufgenommen wurde, aber auf ein Album der WHO, Anfang der 80er, hätte der Midtempo-Song gut gepasst. Nicht so weit von 905 entfernt.
Bei When The Sun Comes Up ist Leslie West am Gesang zu hören. Nix weltbewegendes, aber 'ne nette Mitsingnummer.
Mit Don't Be A Sucker, einem weiteren druckvollen Titel der gut auf ein WHO-Album gepasst hätte, verklingt diese Doppel-CD.

Diesem Teil wurde eine zusätzliche Papphülle verpasst, was sie optisch noch etwas aufwertet. Bis auf ein paar Schwachstellen ist diese "Anthology" quasi durchgängig interessant und nicht nur Fans der WHO zu empfehlen.

Am 27. Juni 2002, in der Nacht vor dem ersten Konzert einer weiteren WHO-Tour durch die USA, verstarb John Alec Entwistle in einem Hotel in Las Vegas. Es gibt einen ärztlichen Bericht, der besagt, er erlag einem Herzinfarkt und wäre allein gewesen, ohne irgendwelche alkoholischen oder sonstige Substanzen konsumiert zu haben.
Es gibt auch andere Berichte, die vom Beisein einer Dame künden und sehr wohl von diversen Getränken..., aber da kann jeder selbst sich seine Meinung bilden.
Tatsache ist: Wenn, selbst in Jahrzehnten, jemand erstmals den Sound von THE WHO hören wird, wird seine Frage sein: "So who's the bass player?".

Epi Schmidt, (Artikelliste), 04.02.2006