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UlfTone Music
Chameleon
Jean Beauvoir
Chameleon, UlfTone Music, 2004
Jean Beauvoir Vocals, Bass, Keyboards, Percussion & Guitar
NylaBacking Vocals
Produziert von: Jean Beauvoir Länge: 48 Min 02 Sek Medium: CD
1. I Wanna Know7. Even More
2. Higher8. Addicted To Us
3. I Don't Need Ya9. Dying End
4. Where The River Runs Deep10. Teenager
5. I Want To Lay Here11. Amazing
6. Something To Believe In12. Angel

Uahh, was für ein eitles Cover. Und dann faselt der Promotext noch etwas von einem unfassbar vielseitigen musikalischen Genie, das nicht nur viele Hüte auf hat, sondern dem diese auch alle passen. Also dies hier ist insgesamt ein ziemlich alter Hut und im Ergebnis empfiehlt sich für den Hörer weniger eine Kopfbedeckung als eher ein Ohrenschutz, möglichst schalldicht, um bleibende Schäden zu vermeiden.

Aber der Reihe nach. In den letzten Jahren war Jean Beauvoir vorwiegend mit der Band CROWN OF THORNS unterwegs, die ja Melodic Hard Rock und AOR machen und Jean war aufgrund seiner extravaganten Frisur a la SIGUE SIGUE SPUTNIK so was wie der Jon Bon Jovi für die Fashion Magazine.
Inzwischen sind die Haare ab und beim Hören des Albums "Chameleon", des ersten Solowerkes seit längerer Zeit (nachdem der 2001-Release "Bare To The Bones" auch nur eine Ansammlung älterer Stücke war), muss ich unwillkürlich an die biblische Geschichte von Samson denken, der mit den Haaren seine Kraft verloren hat.
Denn die Songs auf "Chameleon" sind so dermaßen weichgespülter Mainstream-Pop, dass es eben doch schon wieder weh tut, auch wenn man niemand damit weh tun will. Zwar glitzert es mal funky auf (I Wanna Know, I Don't Need Ya), es gibt einen schwachen Soulschimmer (I Want To Lay Here) oder ein paar winzige Afro-Pop und Calypso-Reminiszenzen (Where The River Runs Deep) aber dann wird immer wieder mit den Keyboards zugekleistert, dass man einen Warnhinweis für Diabetiker auf die CD pappen müsste.
Ab und an mal kurzzeitig aufkeimende ansatzweise rockige Grooves werden sofort wieder weichgespült (Dying End) und die müde RAMONES-Huldigung Something To Believe In dürfte die in andauernder Trauer befindliche RAMONES-Fanschar nicht gerade aufheitern: Das hat mit Punk, Rock oder Straightness so viel zu tun wie George W. Bush mit dem WU-TANG-CLAN.

Man verstehe mich nicht falsch: Ich bin sicherlich kein bornierter Rock-Verfechter und habe hier ja auch schon genügend Pop-Scheiben gelobt, aber dieses windelweiche Konglomerat von Belanglosigkeiten ist einfach zu frustrierend. Schließlich hat der Mann schon bei den PLASMATICS und LITTLE STEVEN mitgewirkt und war als Songschreiber und Arrangeur erfolgreich für so unterschiedliche Acts wie Lionel Richie, Tina Turner oder N'SYNC. Gut, letzteres kann einem wieder zu denken geben, aber ich will damit klarstellen: Der Junge ist kein heuriger Hase im Musikgeschäft. Und liefert dann auf "Chameleon" eine Ansammlung von Songs ab, die wirken wie (zu Recht) unveröffentlichte Werke aus dem Giftschrank von PRINCE oder die peinlichsten Mainstream-Momente von DAN REED NETWORK, nachdem man die Aufnahmen nochmals mit Lenor nachbehandelt hat.

Vor allem die süßlich-vorhersehbaren Arrangements lassen verzeifeln (wie gesagt, der Mann sollte sich im Business auskennen) und verschrecken zudem garantiert die Fans seiner VOODOO X oder CROWN OF THORNES Werke. Und alle anderen brauchen diese Scheibe auch nicht.
Warum tut der Mann sich und uns das an?

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 03.12.2004