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Lion Music
Kailash
Hubi Meisel
Kailash, Lion Music, 2006
Hubi Meisel Vocals
Vivien Lalu Keyboards
Daniel Flores Drums
Marcel Coenen Guitars
Jorge Salan Guitars
Johan Niemann Bass
Joop Wolters Guitars (Bonus Tracks)
Produziert von: Hubi Meisel Länge: 63 Min 04 Sek Medium: CD
1. Potala Palace [04:53]7. The Wheel of Life [10:27]
2. Red Oracle [04:21]8. Milarepa's Cave of Miracles [04:40]
3. Snow Lion [04:56]9. Merdeka [03:42]
4. Himalayan Sunset [05:19]10. The Great Prayer (Monlam Chenmo) [05:14]
5. Shiva's Dance [04:02]11. Bonus Track: The Gentleman of Great Magic [05:30]
6. Kailash - Jewel of Ice [05:25]12. Bonus Track: Tigers of Everest [04:10]

Das Bemusterungsgebaren der Labels und Agenturen treibt immer seltsamere Blüten, so dass ein Künstler wie Hubi Meisel sich mittlerweile für die Rezensionsmuster, die an die diversen Zünfte verschickt werden, regelrecht schämen muss und dann die Promotion für sein neustes Werk lieber gleich selbst übernimmt. Aus verständlichen Gründen erhält der Rezensent auch hier kein vollständiges Endprodukt aber doch ein deutlich liebevoller gestaltetes Muster (nebst feinstem, tibetanischen Räucherwerk, obwohl Hubi mir im Interview eigentlich erzählt hat, dass er sich nichts aus Räucherstäbchen macht ;-). Gegen einen kleinen Obolus gibt's sogar die schöne Digipack-Version zum Selbstkostenpreis. Den Obolus zahlt man dann doch gerne.

"Kailash", so der Titel des neuen Opus, ist wie der Vorgänger "EmOcean" ein komplexes Konzept Album geworden. Nach fast, auf den Tag genau, zwei Jahren Produktionszeit, taucht Hubi diesmal, anstatt in die Saragasso See, tief in die Mystik des alten Tibet, der Faszination des Himalaja sowie in die buddhistische/hinduistische Kultur ein. Der Höhenunterschied ist gewaltig, von dem Grund des Ozeans zum Dach der Welt, da kann selbst ein Reinhold Messner oder Arved Fuchs nur noch neidvoll erblassen.

Kailash (auch Kailasa oder Rajatadri), wörtlich "silberner Berg", ist ein sagenumwobener Berg im Himalaja, der u.a. das Paradies Shivas (hinduistische Gottheit) beherbergen soll. Der Berg wird sowohl von Hindus als auch Buddhisten als Heiligtum verehrt und ist Ziel regelmäßiger Pilgerfahrten, ähnlich wie Mekka für die Muslime.
Dieser heilige Berg ist nun das Ziel eines europäischen Trekking-Touristen, der in den Katakomben des ehemaligen Regierungspalastes des Dalai Lamas, hoch über der alten tibetischen Hauptstadt Lhasa, vom seligen 13. Dalai Lama die Weisung erfährt, diese, wohlmöglich schicksalhafte, Reise anzutreten.
Das liebevoll illustrierte, mit fundierten Fußnoten ergänzte Konzept (englisch) kann man sich wie immer, neben Soundfiles sowie der kompletten FREE Online-Single Potala Palace, auf Hubis Website downloaden. Außerdem kann man dort auch das handsignierte Album zum vergleichsweise günstigen Kurs erwerben.

Obwohl es sich bei "Kailash" zum Teil wieder um eine Art Prog-Metal-Oper handelt, bekommen die einzelnen Songs stilistisch deutlich mehr Eigengewicht, man könnte auch von einem Melodic Metal Album mit Prog-Elementen sprechen. Die Songs enthalten auf der einen Seite recht heftige Metal-Passagen, auf der anderen Seite dann jedoch wieder balladeske, fernöstliche oder symphonische Elemente, so dass ein recht vielschichtiger, durch seine Vielfalt an Stilrichtungen, ungemein abwechslungsreicher und spannender Erzählrhythmus entsteht, der, auch nach mehrfachen Durchgängen, nie langweilig wird, wobei diverse Klangeffekte ihr Scherflein dazu beitragen.

Bis auf eine Ausnahme greift Hubi Meisel bei der musikalischen Umsetzung seines Konzeptes auf das bewährte Team des Vorgänger-Albums zurück, insbesondere auf die kompositorischen Fähigkeiten des französischen Tastenvirtuosen Vivien Lalu sowie des Holländers Marcel Coenen am Griffbrett, der sich einmal mehr als europäischer Steve Vai präsentiert, was allerdings sowohl filigrane Gitarrenakrobatik als auch bodenständiges Riffing umfasst.

Technisch entwickelte sich die Produktion übrigens zeitgemäß als globales Dorf, da nun mal fünf Nationen beteiligt waren, die man nicht einfach für ein paar Wochen einfliegen lassen konnte, zumal alle Musiker auch eigene Bands und Projekte am Start hatten. Jeder Künstler hat somit seinen Part jeweils für sich allein eingespielt bis dann alle Spuren letztendlich zu dem gelungenen Ergebnis zusammengefügt wurden.

Abgerundet wird das Gesamtwerk durch zwei Bonus Tracks, die erneut Hubis Sympathie zu dem kanadischen Prog-Rock Trio RUSH erkennen lassen, deren Einflüsse, im restlichen Album (im Gegensatz zu früheren Werken) weniger zur Geltung kommen, sowie von einem, bereits erwähnten, wirklich schönen Digipack, welches sich vor Major-Produktionen nicht zu verstecken braucht.
In diesem Sinne....

Ralf Frank, (Artikelliste), 21.03.2006