Fleetwood Mac
Peter Green's Fleetwood Mac, 1968, Mr. Wonderful, 1968, The Pious Bird Of Good Omen, 1969, Blues Jam In Chicago - Volume One & Two, 1969, Blue Horizon, Sony Music, 2004
Peter Green Vocals, Guitar, Harmonica
Jeremy Spencer Vocals, Guitar, Piano
John McVie Bass
Mick Fleetwood Drums
Bob Brunning Bass ("Peter Green's Fleetwood Mac" & "The Pious Bird Of Good Omen")
Christine Perfect Piano, Organ (ab "Mr. Wonderful")
John Almond, David Howard, Roland Vaughn Saxes ("Mr. Wonderful")
Steve Gregory Tenor Saxophone ("Mr. Wonderful" & "The Pious Bird Of Good Omen")
Danny Kirwan Vocals, Guitar ("The Pious Bird Of Good Omen" & "Blues Jam In Chicago")
Walter 'Shakey' Horton Harmonica ("Blues Jam In Chicago")
Buddy Guy Guitar ("Blues Jam In Chicago")
'Honey Boy' Edwards Guitar ("Blues Jam In Chicago")
Willie Dixon Upright Bass ("Blues Jam In Chicago")
Otis Spann Piano ("Blues Jam In Chicago")
J.T. Brown Tenor Sax ("Blues Jam In Chicago")
S.P. Leary Drums ("Blues Jam In Chicago")
Produziert von: Mike Vernon & Marshall Chess ("Blues Jam In Chicago") Länge: 63 Min 39 Sek,
56 Min 27 Sek,
64 Min 22 Sek,
68 Min 24 Sek,
75 Min 52 Sek
Medium: CD
Peter Green's Fleetwood Mac:
1. My Heart Beat Like A Hammer11. The World Keep On Turning
2. Merry Go Round12. Got To Move
3. Long Grey MareBonus Tracks:
4. Hellhound On My Trail13. My Heart Beat Like A Hammer (Take 1)
5. Shake Your Moneymaker14. Merry Go Round (Take 1)
6. Looking For Somebody15. I Loved Another Woman (Takes 1, 2, 3 & 4)
7. No Place To Go16. I Loved Another Womand (Takes 5 & 6)
8. My Baby's Good To Me17. Cold Black Night (Takes 1, 2, 3, 4, 5 & 6)
9. I Loved Another Woman18. You're So Evil
10. Cold Black Night19. I'm Coming Home To Stay
Mr. Wonderful:
1. Stop Messin' Round10. Lazy Poker Blues
2. I've Lost My Baby11. Coming Home
3. Rollin' Man12. Trying So Hard To Forget
4. Dust My BroomBonus Tracks:
5. Love That Burns13. Stop Messin' Round (Takes 1,2 & 3)
6. Doctor Brown14. Stop Messin' Round (Take 5)
7. Need Your Love Tonight15. I Held My Baby Last Night
8. If You Be My Baby16. Mystery Boogie
9. Evenin' Boogie
The Pious Bird Of Good Omen:
1. Need Your Love So Bad - Version #2Bonus Tracks:
2. Rambling Pony8. Like Crying
3. I Believe My Time Ain't Long9. Need Your Love So Bad - Version #1 (Takes 1,2 & 3)
4. The Sun Is Shinning10. Need Your Love So Bad - Version #2 (Takes 1 & 2)
5. Albatross11. Need Your Love So Bad - Version #2 (Take 3)
6. Black Magic Woman12. Need Your Love So Bad - USA Version
7. Jigsaw Puzzle Blues
Blues Jam In Chicago - Volume One:
1. Watch Out9. I Held My Baby Last Night
2. Ooh Baby10. Madison Blues
3. South Indiana (Take 1)11. I Can't Hold Out
4. South Indiana (Take 2)12. Bobby's Rock (Bonus Track)
5. Last Night13. I Need Your Love (Take 2) (Bonus Track)
6. Red Hot Jam (Take 1) (Bonus Track)14. Horton's Boogie Woogie (Take 1) (Bonus Track)
7. Red Hot Jam (Take 2)15. I Got The Blues
8. I'm Worried
Blues Jam In Chicago - Volume Two:
1. World's In A Tangle10. Sugar Mama (Take 1) (Bonus Track)
2. Talk With You11. Sugar Mama (Take 2)
3. Like It This Way12. Homework
4. Someday Soon Baby13. Honey Boy Blues (Bonus Track)
5. Hungry Country Girl14. I Need Your Love (Take 1) (Bonus Track)
6. Black Jack Blues15. Horton's Boogie Woogie (Take 2) (Bonus Track)
7. Everyday I Have The Blues16. Have A Good Time (Bonus Track)
8. Rockin' Boogie17. That's Wrong (Bonus Track)
9. My Baby's Gone18. Rock Me Baby (Bonus Track)

Wieder ertappt: Die frühen FLEETWOOD MAC hatte ich eigentlich schon abgestempelt. Etliche Versionen von Dust My Broom kreisten mir im Kopf und der Aufkleber "08/15-Blues" für die Schublade mit dem einen Sampler den man aus den Anfangstagen der Band braucht, war auch schon angedacht.
Für Ignoranten wie mich gibt's jetzt die ersten fünf Alben remastered, mit raren und unveröffentlichten Aufnahmen aufgepeppt und mit Booklets mit genauen Informationen, sowie Liner Notes des Original-Produzenten Mike Vernon. Hat also auch einen Vorteil, wenn man ein Späteinsteiger ist. J

"Peter Green's Fleetwood Mac" (der Name wurde kurz nach Veröffentlichung des ersten Albums gekürzt) ist eigentlich ein weiterer Beweis für die hervorragende Schule John Mayalls, denn mit John McVie, Mick Fleetwood und Peter Green stammten ja gleich drei Mitglieder aus dessen legendären BLUESBREAKERS. Im Gegensatz zu Zeitgenossen wie Eric Clapton, dem Vorgänger Greens bei den Bluesbreakern, Jeff Beck oder Jimmy Page, die alle zu einem lauteren und zum Hard Rock tendierenden Stil konvertierten, blieb Peter Green einem puristischen, eng an seine Vorbilder, wie B.B. King, angelehnten Blues treu.
Mit Jeremy Spencer fand sich ein Gesinnungsgenosse, der wiederum stark von Elmore James geprägt war und als Produzent konnte man sich kaum einen besseren als Mike Vernon wünschen.

Los geht's: 11. Dezember 1967 und jener Mike Vernon klopft ungeduldig auf sein talk-back Mikrofon um die Herren dazu zu bringen sich dem anstehenden Song und nicht der "rum-dudelei" zu widmen. Es war vor allem den beiden Gitarristen stets ein Spaß, den Produzenten zu ärgern. Wenn's dann endlich los geht, offenbart sich ein allerfeinster Blues-Boogie namens My Heart Beat Like A Hammer. Wenn ich mir die Gitarrenarbeit anhöre, schlägt auch mein Herz wie ein Hammer. Das passt einfach perfekt ineinander und transportiert dieses an Dust My Broom angelehnte Stück in die Spitzenklasse dieses Genres. Besonders dem einfühlsamen und perfekten Ton von Peter Green, u.a. beim folgenden Merry Go Round ist zu entnehmen, was hier für ein Könner am Werke war, der den bereits genannten Star-Gitarristen zu Unrecht hinten an gestellt wurde.
Obwohl John McVie der reguläre Bassist war, ist bei Long Grey Mare am Bass Bob Brunning zu hören, während Peter Green hier auch an der Harmonica brilliert. Jeremy Spencer hat seinen Solo-Spot an Gesang und Piano in Hellhound On My Trail sowie natürlich an der Slide-Gitarre in der treibenden Elmore James-Nummer Shake Your Moneymaker - und das Gelächter im Intro zu diesem Song wird auch aufgeklärt...
Mit jedem Song macht diese Scheibe mehr Spaß und es ist somit nicht verwunderlich, dass dieses Album es bis auf Platz 4 der englischen Charts schaffte.

Die reichlich vertretenen Bonus Tracks lassen einen miterleben wie die Band im Studio gearbeitet hat. Wie beim Black Magic Woman-Vorläufer I Loved Another Woman immer neue Takes eingespielt wurden, weil der Text nicht stimmte, das Intro zu lahm oder eine Note zu schlampig gespielt war. Was natürlich die meisten Zuhörer gar nicht gemerkt hätten... Selbst ein Spezialist wie Mick Fleetwood brauchte mehrere Takes bis er den richtigen Einsatz zu Cold Black Night fand.
Wenn man jetzt noch weiß, dass alleine sechs der Songs an einem einzigen Tag eingespielt wurden, muss man endgültig urteilen: Ein ebenso interessantes wie imposantes Album.

Gerade mal ein halbes Jahr später wurde schon das nächste Album, "Mr. Wonderful", veröffentlicht. Stilmäßig hat sich logischerweise nichts geändert und mit Stop Messin' Round geht's wieder mit einem Boogie gleich richtig gut los. Nicht von ungefähr findet sich dieser Song auch auf dem aktuellen "Blues-Album" von AEROSMITH - der gehört zum Besten was in diesem Stil gibt.
Am Piano ist hier schon Christine Perfect zu hören, die spätere Mrs. McVie. Außerdem ist auf diesem Album ein verstärkter Einsatz von Bläsern zu verzeichnen.
Es ist schon lustig, welche Gedanken sich Mike Vernon in den Liner Notes allein darüber macht, wer denn jetzt Saxofon in welchem Stück gespielt hat.
Wer es auch immer war, es kommt richtig gut wenn die Saxes ihre Einwürfe machen, sich aber nie in die erste Reihe drängen. Da spielen die Gitarren, die sich gern auch mal in einen Dialog mit den Bläsern begeben, wie Peter Green in Rollin' Man.

Die Songs wurden überwiegend mit kompletter Band live eingespielt und brauchten doch nur wenig Studiozeit, da hier einfach Spitzenkräfte gewirkt haben. Natürlich ist Jeremys Vorliebe für Elmore James Slide-Boogies öfter zu hören und wie STATUS QUO auf den Lazy Poker Blues kamen, kann man hier auch schon mal hören.
Wieder gibt's einiges an Bonus Tracks und die beweisen, auch wenn das Album wieder innerhalb weniger Tage aufgenommen wurde, gab's "Verspieler". Auf seine Art ist das Album ebenso zu unverzichtbar wie sein Vorläufer.

Nachdem im folgenden Jahr die Plattenfirma gewechselt wurde, erschien dann noch die Zusammenstellung von Singles und Raritäten namens "The Pious Bird Of Good Omen".
Hier enthalten sind u.a. die erste, erfolglose, Single der Band, I Believe My Time Ain't Long, sowie die einiges erfolgreicheren Black Magic Woman (erst so richtig bei SANTANA, aber ich ziehe das Original vor) und das zeitlose Meisterwerk Albatross.
Zunächst verkündet aber Peter Green: "Oh yeah, the blues has got me" bevor er das Album, etwas ungewöhnlich, mit dem Slow-Blues Need Your Love So Bad eröffnet. Die Streicher muten zunächst etwas eigenartig an, doch man gewöhnt sich schnell an den dadurch erweiterten Sound.
Das "Indianer-Geheul" zu Ramblin' Pony wird nur von Mick Fleetwoods durchlaufender Tom und Peter Greens Gitarre, bzw. Harmonica, angeführt und ist trotzdem richtig anmachend. Durch die Einstellung von Danny Kirwan gab es inzwischen einen dritten Gitarristen in der Band, der in den Instrumentals Albatross und Jigsaw Puzzle Blues zu hören ist. Außerdem ist hier erstmals die Originalversion seines Gesangs- und Gitarren-Duetts mit Peter Green, Like Crying, zu hören.
Die Bonus Tracks beschränken sich ansonsten auf mehrere Versionen von Need Your Love So Bad, die sehr schön die Entwicklung dieses Songs in seinen verschiedenen Phasen zeigt - wirklich interessant!

Dass die Aufnahmen die FLEETWOOD MAC in den Chess-Studios in Chicago machten, die am wenigsten erfolgreichen ihrer frühen Alben sind, dürfte mehrere Gründe haben. Da wären schon mal all die unterschiedlichen Titel unter denen diese Sessions rauskamen. Von "Fleetwood Mac In Chicago" über "Blues Jam At Chess" und was weiß ich was noch alles.
Dann waren ein großer Teil der erhofften Blues-Stars nicht anwesend und wenn doch, durften sie z.T. nicht auf dem LP-Cover erwähnt werden. So wurde aus Buddy Guy "Guitar Buddy"!
Tatsächlich sind die beiden CDs "Blues Jam In Chicago Volume One" und "Volume Two" zwei Zeitzeugen von historischem Wert. Was würde man bei manchen Bands dafür geben, wenn man solche "Live im Studio" Aufnahmen hätte und hier werden sie, selbst von den Fans, stiefmütterlich behandelt. Man muss sich das mal vorstellen: Das wurde alles an einem einzigen Tag, dem 4. Januar 1969, aufgenommen!

Agierten bei den ersten beiden Titeln noch die Fleetwoods alleine, gesellt sich bei South Indiana schon der Harmonica-Spieler Walter 'Shakey' Horton zu ihnen und inspiriert die beiden Gitarristen Green und Kirwan hörbar.
Auch die Dialoge die zwischen den Songs geführt werden sind interessant und tragen viel zu dem Gefühl bei, man wäre selbst bei den Sessions anwesend. Etwa wenn Buddy Guy mit den anderen sich über den Ablauf von Red Hot Jam unterhält, bei dem dann auch Willie Dixon den Bass übernimmt. Der weißt dann auch am Ende der Aufnahme Walter Horton an, gefälligst nicht vorzeitig aufzuhören, wenn ihm niemand die Anweisung dazu erteilt hat. Wie schreibt Mike Vernon: "classic moments".
Jeremy Spencer ist zu hören, wie er kurz überlegt ob er jetzt Dust My Broom oder I'm Worried als nächstes aufnehmen möchte. Er entscheidet sich für das letztere und hier ist dann auch erstmals Peter Green nicht mit von der Partie. Für Jeremy war es natürlich die Krönung, hier mit dem Saxofonisten J.T. Brown aufzunehmen, der lange Jahre mit Jeremys Vorbild Elmore James gearbeitet hat.

Es ist wirklich eine Freude zuzuhören, wie anscheinend völlig intuitiv entschieden wird was als nächstes gespielt wird. Jemand nennt I Can't Hold Out, kurze Ansage, jeder kennt's und schon wird der Song gespielt (der bei anderen, wie etwa der BLUES BAND unter Talk To Me Baby firmiert) und auch noch auf den Punkt. Wie zu erwarten, sind auch die Bonus Tracks wieder äußerst interessant. Bei dem Instrumental Bobby's Rock stehen mit Green, Spencer und 'Honey Boy' Edwards gleich drei Gitarristen von den man lernen kann wie man sich "songdienlich" verhält und trotzdem brilliert im Studio. Die drei Stücke in denen Otis Spann am Piano sitzt sind ein weiterer Ohrenschmaus. Was für ein Pianist, da fällt mir als Vergleich bestenfalls noch Johnny Johnson ein.

Spätestens auf der zweiten Scheibe muss das doch mal langweilig werden, oder?
Aber nix, das bleibt spannend und unterhaltsam. Zunächst steht Danny Kirwan im Spotlight, u.a. mit dem selbstverfassten Midtempo-Boogie Talk With You, in dem wieder ein tolles Zusammenspiel mit Peter Green zu hören ist. Dann übernimmt Otis Spann für den Slow-Blues Someday Soon Baby sowie für Hungry Country Girl den Gesang.
Ob Willie Dixons Bass immer 100%ig gestimmt ist, darf vor allem im Black Jack Blues bezweifelt werden, aber das macht den Charme dieser Aufnahmen mit aus.
Ein Highlight ist sicherlich auch der Gesang von David 'Honey Boy' Edwards in My Baby's Gone und ein weiteres das flotte Homework (später u.a. von der J. GEILS BAND sowie NINE BELOW ZERO aufgenommen).

Bonus Tracks? Sicherlich! Überwiegend handelt es sich hier Stücke in denen Walter Horton mit seiner Harmonica den Ton angibt. Mit dessen Einstellung war schwer zu arbeiten, wie man den Liner Notes von Mike Vernon entnehmen kann, aber wenn es mal lief, dann richtig gut, woran auch wieder Otis Spann am Piano großen Anteil hat.
An diesem Januartag 1969 haben sich hochtalentierte Musiker zweifellos gegenseitig zu Höhenflügen inspiriert.

Der Sound überzeugt bei allen fünf Alben. Da wurde sehr gute Arbeit verrichtet - damals wie heute! Nachdem auch die Qualität der Songs stimmt, sind die "Blue Horizon"-Wiederveröffentlichungen ebenso lobens- wie empfehlenswert.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 01.08.2004