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Finstere Sonne/Black Sun
Flaming Bess
Finstere Sonne/Black Sun, Arkana Multimedia, 2005
Dieter Joswig Vocals, Keyboards & Percussion
Claas Reimer Keyboards, Synthesizer, Drums, Percussion & Backing Vocals
Achim Wierschem Guitar & Keyboards, Synthesizers, Drums, Percussion & Vocals
Hans Wende Bass
Peter Figge Keyboards
Tatsuya Nishiwaki Keyboards
Lucy Wende Vocals
Mela Halbauer Vocals
Jenny K. Vocals
Andreas Lange Erzähler
Martin Richard Worth Narrator
Produziert von: Flaming Bess & Fritz Fey Länge: 73 Min 51 Sek Medium: CD
1. Die Schwarze Sonne (Prolog)9. Das Schattenreich
2. Reise ins Licht10. Halle der Götter
3. Quelle des Lichtes11. Die Prüfung
4. Die vergessene Herberge12. Unendliches Nichts
5. Fluss ohne Wiederkehr13. Ein neuer Tag
6. Das Orakel14. Schlüssel des Lebens
7. Gesang der Stille15. Iganu
8. Kampf um Dig Dagg

Im Jahre 1969 gegründet, hatte die deutsche Rocklegende FLAMING BESS sicherlich mit "Tanz der Götter" im Jahre 1977 am meisten Aufsehen erregt. Seit 1981 bilden Dieter Joswig, Achim Wierschem, Hans-Peter Figge und Hans Wende den Stamm von FLAMING BESS, die dann 1996 mit "Fata Morgana", der dritten CD, das Muster der fortlaufend erzählten Story verließen und in der Folgezeit mit Claas Reimer einen jüngeren Musiker hinzugewonnen haben, um damit auch zeitgemäßeren Sounds aufgeschlossen zu bleiben, ohne natürlich die eigene Indentität zwischen Krautrock, Progressiverock, Jazzrock und Ethno zu verlieren.

Mit "Finstere Sonne/Black Sun" wurde wiederum ein Fantasykonzeptalbum geschaffen, in dem eine fortlaufende Story, die wohl als Allegorie auf das Musikgeschehen aufgefasst werden kann, in den groovigen, dabei aber hochmelodischen, für FLAMING BESS so typischen Prog-Krautrock eingebettet. Als spürbare Vertreter der "Düsseldorfer Schule", die mit NEU, CLUSTER und nicht zuletzt KRAFTWERK schon immer ganz besondere Individualisten hervorgebracht hat, sind sie dennoch am Puls der Zeit, gleichzeitig aber mit deutlicher Rückbesinnung auf verloren geglaubte musikalische Tugenden wie Neugier, eine gewisse naive Fantasie und eine unendliche Harmoniesucht, ist diese Musik wie eine üppig blühende Oase in einer steinigen, staubigen Musiklandschaft.

Wie schon der zweisprachige Titel andeuten mag, gibt es die CD eigentlich als Doppel-CD: Mit einer deutschen und einer englischen Fassung, von der musikalischen Struktur identisch, aber mit unterschiedlichen Erzählern versehen, die die jeweilige Sprachfassung verwirklichen. Mir lag die deutsch Fassung vor, der ich mich jetzt näher widmen möchte:
Dem athmosphärischen Intro Die Schwarze Sonne (Prolog) folgt ein rhythmisch sehr lebendiges Stück mit Reise ins Licht, das ein wenig an frühe Tage von TANGERINE DREAM erinnert. Der Sound ist dabei angenehm modern und druckvoll, das wirkt alles gar nicht verstaubt oder gestrig.
Pferdegetrappel leitet das federleicht groovende, mit deutlichem Soulgeschmack versetzte Quelle des Lichtes ein, bei dem Sängerin Jenny K. ihr aufregend kantiges, raues Organ erklingen lässt. Auch Die vergessene Herberge treibt den relaxten Fluss der Geschichte voran, in Fluss ohne Wiederkehr kommt noch ein Hauch von Reggae in das im Tempo gedrosselte Stück.

In Das Orakel erklingen Rasseln und geheimnisvolle Synthesizerklänge. Die überbordende Melodienfülle und die regelrechte Harmoniensehnsucht lassen dieses Stück herausragen, wobei FLAMING BESS trickreich mit orientalisch angehauchten Sounds spielen. Das sanfte, geradezu einschmeichelnde Wesen von Gesang der Stille schält sich allmählich zu einem cleveren Souljazz mit anregenden Bläsern.
Aber jäh wird diese Stimmung durchbrochen, als in Kampf um Digg Dagg kriegerische Trommeln und Schlachtengeschrei erklingen. Der von Keyboardzauberer Tatsuya Nishiwaki veredelte Ethno-Pop wird mit irrwitzigen Samples und Sounds zur atemberaubenden Fusion. Danach ist etwas Abkühlen angesagt, demgemäß entpuppt sich Das Schattenreich als mystischer Schleicher.

Nach einem erhabenen Intro nimmt Halle der Götter ordentlich Fahrt auf, Prog Rock im Stile von PINK FLOYD erklingt, bis in Die Prüfung Gitarrist Achim Wierschem sogar mal dem Affen ein bißchen Zucker geben darf - am Ende ist das schon beinahe Dancefloor.
In Unendliches Nichts fällt man tatsächlich regelrecht tief herab, um aber samtweich von souligem Barjazz, inklusive Saxophon-Samples aufgefangen zu werden.
Nach dem flirrenden Zwischenspiel Ein neuer Tag folgt das versöhnliche Outro Schlüssel des Lebens mit dem unvermeidlichen Happy End in Ton und Musik.
Als Bonustrack gibt es noch den feurigen Latino-Groove-Titel Iganu, bei dem Mel Halbauer nochmal alle Register ihrer Sangeskunst ziehen darf.

Eine Scheibe, die regelrecht nach dem Kopfhörer verlangt: Zum darin Eintauchen, sich Fallenlassen und in der Musik versinken, dabei, wie schon erwähnt, keineswegs muffiger oder angestaubter Krautrock sondern moderner, melodischer Prog mit einem Hauch Fusion, Ethno und Soul.
Eine wirklich schöne Erfahrung, sich von FLAMING BESS auf diese musikalische Reise mitnehmen zu lassen.

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 07.02.2005