Love, Hate, Revenge
Episode Six
Love, Hate, Revenge, Sanctuary Records, 2005
Ian Gillan Vocals
Sheila Carter Keyboards, Vocals
Tony Lander Lead Guitar
Graham Carter Rhythm Guitar
Roger Glover Bass
Jarvey Shield Drums (1965-1967)
John Kerrison Drums (1967-1968)
Mick Underwood Drums (1968-1969)
Länge: 121 Min 29 Sek Medium: Do-CD
CD 1 - The Singles, As & Bs:
1. Put Yourself In My Place12. When I Fall In Love
2. That's All I Want13. Little One - THE EPISODE
3. I Hear Trumpets Blow14. Wide Smiles - THE EPISODE
4. True Love Is Funny That Way15. Lucky Sunday
5. Here There And Everwhere16. Mr. Universe
6. Mighty Morris Ten17. Mozart Versus The Rest
7. Love, Hate, Revenge18. Jak D'Or
8. Baby Baby Baby19. I Will Warm Your Heart - SHEILA CARTER & EPISODE SIX
9. Morning Dew20. Incense - SHEILA CARTER & EPISODE SIX
10. Sunshine Girl21. I Won't Hurt You - AS NEO MAYA
11. I Can See Through You22. U.F.O. - AS NEO MAYA
CD 2 - Rarities, Demos & Live Recordings:
1. Love, Hate, Revenge (US Version)12. Walking To New Orleans (Demo)
2. The Way You Look Tonight (Outtake)13. Let The Four Winds Blow (Demo)
3. My Little Red Book (Outtake)14. Mozart Versus The Rest (Live)
4. Plastic Love (Outtake)15. Him Or Me (Live)
5. Time And Motion Man (Outtake)16. Hazy Shade Of Winter (Live)
6. Only Lonely People (Outtake)17. Monster In Paradise (Live)
7. Zip-A-Dee-Doo-Dah (Demo)18. Orange Air (Live)
8. Cottonfields (Demo)19. The Castle (Live)
9. My Babe (Demo)20. Slow Down (Live)
10. Love Is A Swinging Thing (Demo)21. I Am The Boss (Live)
11. Steal Your Heart Away (Demo)22. Morning Dew (Live)

"EPISODE SIX waren eine Pop-Gruppe", hat Ian Gillan mal gesagt, und damit, im guten wie im schlechten Sinn, den Nagel auf den Kopf getroffen.
1965 stieg Ian Gillan in die Band ein, die sich aus zwei Schülerbands entwickelt hatte, und ersetzte Andy Ross and den Vocals. Schon damals beeindruckte der spätere DEEP PURPLE Sänger durch seine Bühnenpräsenz und seinen Gesang. Seinen langjährigen Bandkollegen bei DEEP PURPLE, Bassist Roger Glover, lernte Ian hier auch kennen. Dessen Bassspiel fällt auch durchaus in einigen Songs positiv aus dem Rahmen.

Die Musik von EPISODE SIX bewegte sich im damals für Popgruppen üblichen Bereich. Etwas psychedelisch, etwas Rock, ein bisschen Blues und natürlich mehrstimmiger Gesang. Im Prinzip also nicht viel anders, als die THE HOLLIES - deren Put Yourself In My Place ihre erste Single wurde - , THE HERD, THE EASYBEATS und was noch in unermesslicher Zahl an Bands in den 60ern herumschwirrte.
Auf der ersten CD finden sich die Singles mit ihren B-Seiten aufgereiht und es fällt auf, dass Roger Glover schon damals zu den Hauptsongwritern gehörte.
Nähert man sich der Band von der DEEP PURPLE Seite her, schmunzelt man oft genug über den teilweise nahezu albernen Gesang, wie im Mittelteil von I Hear Trumpets Blow und den popigen Arrangements. Aber so war das halt in den 'Golden Sixties'.

Wie das so ist, wenn der Erfolg sich nicht so richtig einstellen will, wandelt man zwischen den Stilen und versucht mal dies und mal das und Coverversionen von Hits anderer Bands waren üblich. So wurde auch Here There And Everywhere nachgespielt. Allerdings mit zu großem Respekt, um hier wirklich etwas eigenes daraus zu machen.
Da kommt das von Roger Glover geschriebene BEACH BOYS inspirierte Mighty Morris Ten doch erheblich besser und anmachender. Natürlich ist das so wenig originell, wie der R&B von Baby Baby Baby, auch wenn's gut klingt.
Zu den stärksten Aufnahmen der Band gehört sicherlich die Version von Tim Hardins Morning Dew, mit den sich perfekt ergänzenden Stimmen der drei Vocalisten der Band. Wer weiß, ob sich nicht NAZARETH von diesem Cover für ihre eigene Aufnahme inspirieren ließen.
Mit Sunshine Girl fällt man dann wieder zurück in den Tralala-Beat-Pop und die folgenden Titel sind, der Zeit gemäß, oft psychedelisch angehaucht, was sich in Vocal-Arrangements und kleinen instrumentalen Spielereien ausdrückt.

Der Plattenfirmenwechsel zu MGM brachte die Verkürzung des Namens auf THE EPISODE für zwei Singles mit sich. Hat weder musikalisch noch kommerziell was gebracht. Im Gegenteil: Wide Smile klingt schon ganz schön nach Kinderlied.
Um diese Zeit fragte ein gewisser Nick Simper an, ob Ian Gillan nicht interessiert wäre, in seine neu formierte Band einzusteigen. Doch dieser entschied sich (zunächst) dagegen und so bekam Rod Evans den Job bei DEEP PURPLE.
Einen Besetzungswechsel gab es dagegen bei EPISODE SIX: Nach den üblichen 'musikalischen Differenzen' saß nun Mick Underwood von THE HERD auf dem Schlagzeugstuhl und brachte einen eher rockigen Stil mit ein.
Bei Mr. Universe kann man schon deutlich den bald weltweit bekannten Gesangsstil von Herrn Gillan hören.
Die Idee Mozart Versus The Rest aufzunehmen, stammt natürlich von Gitarrist Tony Lander, der seine Art Antwort auf Sabre Dance von LOVE SCULPTURE liefern wollte. Expressiv ist es ja, allerdings immer haarscharf am Erträglichen und hier und da auch mal am musikalisch Korrekten. Da rettet auch Ians Gesang nix mehr.
Zwischendurch hatte man mal die Idee, das Interesse durch Solo-Veröffentlichungen steigern zu können. Charles Aznavours Ballade I Will Warm Your Heart dürfte eher ein paar Fans verscheucht haben. Da kommt das R&B-lastige Incense schon besser und fand ja auch seinen Weg ins Live-Repertoire der Band. Interessant ist es allemal, diese CD mit den Solotiteln zu kompletieren.

Die zweite CD setzt sich aus Demos und Live-Titeln von z.T., na ja, fragwürdiger Qualität zusammen.
Zunächst kann man anhand der frühen Demos verfolgen, wie die Band herumruderte und die verschiedensten Dinge ausprobierte um Erfolg zu haben. Albernheiten wie Zip-A-Dee-Doo-Dah wurden probiert und auch Ausflüge aufs Land mit Cottonfields getätigt.
Das treibende R&B-Stück My Babe von Willie Dixon kommt allerdings ziemlich gut. Auf diesen Songs ist noch der erste Sänger der Band, Andy Ross, zu hören, der mit seiner rauen Stimme gut dazu passt.
Die Live-Titel haben dann nur noch Bootleg-Charakter. Bei der Liveversion von Mozart Versus The Rest ...puuh, da kriegt man schon das Grausen. Heutzutage hat man für so eine Leistung nur noch ein Grinsen übrig. Gehört haben muss man's aber mal. :)
Auch vor Paul Simons Hazy Shade Of Winter wurde nicht zurück geschreckt. Ich bevorzuge allerdings die Version von den BANGLES.
Bei Slow Down hat sich wohl Gillans Rock'n'Roll Ader durchgesetzt. Jedenfalls war das Liverepertoire mit einer Menge Coverversionen versetzt und das spiegelt nicht zuletzt die Tatsache wieder, dass das eigene Material von EPISODE SIX einfach zu schwach war, um der Band ein längeres Bestehen zu sichern.

Am 4. Juni 1969, bei einem Gig im "Woodford Youth Club", kreuzte Ritchie Blackmore auf und schnappte sich Ian Gillan für DEEP PURPLE. Roger Glover folgte innerhalb weniger Wochen und EPISODE SIX waren Geschichte.
Für Purple-Komplettisten und 60's Fans sind hier sicherlich ein paar interessante Sachen drauf, aber durchgehend überzeugen tut mich das Teil nicht.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 17.11.2005