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Frontiers Records
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Enuff Z'nuff
"?", Frontiers Records, 2005
Donnie Vie Vocals, Guitar
Chip Znuff Bass, Guitar, Vocals
Vikki Foxx Drums
Derek Frigo Guitar
Produziert von: Chip Znuff & Donnie Vie Länge: 46 Min 15 Sek Medium: CD
1. Gorgeous8. How Are You
2. Home Tonight9. Joni Woni (Likes To Ride The Pony)
3. Help10. This Guy
4. No Place Like Home11. Stone Cold Crazy
5. HarleyaBonus Track:
6. Hang On For Life12. Fly High Michelle (Acoustic)
7. Man With A Woman

Wenn man halt auch nicht genau aufpaßt: 12 Alben haben die Kerle schon veröffentlicht!
Und jetzt erschien mit "?" das 13.! Das waren halt noch Zeiten, anno 1989, als das erste Album von ENUFF Z'NUFF erschien. Haarspray-Bands waren auf dem Gipfel. Sogenannte Poser wie POISON bestimmten den Markt, Spandexhosen waren die Bühnenkleidung schlechthin und selbst alte Hasen wie AEROSMITH erlebten einen zweiten Frühling.
Da passten ENUFF Z'NUFF genau zwischen rein. Und irgendwie auch wieder nicht, denn irgendwo waren sie zu sehr "dazwischen". Für die Schwermetallfraktion zu soft und für die Softies wieder, stellenweise, zu rockig. Ich kenne einige Leute (mich eingeschlossen), die die Band zwar gut fanden, aber doch nicht zum richtigen Fan wurden. Die sind halt einfach nicht richtig einzuordnen.

So trägt das neue Album zu Recht den Titel "?". Wieder finden sich völlig unterschiedliche Sounds und Stile zusammen. Natürlich liegt der übliche hohe Pop-Faktor wieder ganz weit oben. Verdeutlicht schon mit dem ersten Song Gorgeous, mit seinen BEATLES-Harmonien und Sixties-Anleihen. Das klingt eigentlich sehr "englisch". Bands wie JELLYFISH oder JACKDAW4 fallen einem ein. Zwar finden sich ein paar dezente Brat-Gitarren im Hintergrund, aber die Stimmen säuseln doch recht süßlich.
Bei Home Tonight wird's gleich noch poppiger. Wenn die Stimme von Donnie Vie nicht dieses leicht kratzige Timbre hätte, könnte man wirklich auf eine 60er Beatgruppe schließen. Verbreitet allerdings gute Laune und machte sich im Autoradio sicher sehr gut.
Ähnliches trifft auf Help (nicht die BEATLES-Nummer) zu. Hier wird's nach dem Intro allerdings schon etwas "rockiger". Na, da wird die Bon Jovi-Fraktion ihre Freude dran haben - jedenfalls wenn sie die Zeit um "These Days" herum bevorzugt.

Nach sehr einschmeichelnden Intro entpuppt sich No Place Like Home zu einem lockeren Boogie in absoluter SMOKIE-Manier. Die waren ja hin und wieder auch etwas rockiger und diese Nummer, vor allem der Harmoniegesang hätte da durchaus reingepasst.
Ein weiteres Jahrzehnt zurück liegen die Wurzeln von Harleya, das wieder voll im Spät-Beatles/Lennon-Fahrwasser paddelt. Aber Vorsicht: Stellenweise wird das Wasser sehr seicht.
Der zurückgekehrte Gitarrist Derek Frigo lässt ein durchaus ansprechendes und filigranes Solo vom Stapel und sorgt damit wieder für ein paar Handbreit Wasser unterm Kiel. Tragischerweise verstarb Derek Frigo noch im letzten Jahr und konnte diese Veröffentlichung nicht mehr erleben. R.I.P.

Mit Hang On For Life begibt sich die Band dann wieder in deutlich rockigere Gefilde. Der Gesang immer noch deutlich Pop-orientiert, brettern die Gitarren nahe am Punk (GREEN DAY sind nicht weit entfernt) und sorgen zusammen mit der Rhythmusabteilung für gewaltigen Schub. Im Auto gehört, könnte der Song die ein oder andere Strafe wegen Geschwindigkeitsübertretung nach sich ziehen.
Für Man With A Woman packt man, zu einem schwer stampfenden Groove, gleich noch ein paar Heavy-Gitarren neuester Güte aus. Zum Refrain können die Jungs von ENUFF Z'NUFF aber doch nicht aus ihrer Haut. Da erklingen, bläserunterstützt, die mehrstimmigen Pop-Choräle und machen auch noch richtig Spaß.
Im akustischen How Are You ist mir dann doch zuviel Zucker drin. Wer allerdings wieder mal so einen Song wie More Than Words braucht - hier ist er.
Recht heftige Klänge und ein Dschungelrhythmus untermalen Joni Woni und stellen den Hörer gemäßigterer Sounds auf die Probe. Erlöst werden aber auch die, wenn der eingängige Refrain sich in die Lüfte schwingt. Wieder was für die Bon Jovi Fans - diesmal der "Bounce" Ära.

Tja, so pendeln diese Jungs wie gewohnt zwischen den Stilen/Stühlen. Wer BEATLES, Tom Petty, BYRDS, QUEEN etc. zu seinen Faves zählt, wird hier gut bedient. Sagte ich QUEEN? Nach dem Midtempo-Muss-Hit This Guy (klingt wie die männlichen BANGLES) dröhnen vertraute Akkorde an meine Ohren! Da haben sie doch prompt die alte QUEEN-Nummer Stone Cold Crazy gecovert. Und gut klingt's auch noch! Natürlich nicht so brachial wie bei METALLICA, aber mir gefällt es sowieso besser, wenn man die Töne noch voneinander unterscheiden kann. Doch, das geht richtig gut ab und steht dem Original kaum nach.
Für den europäischen Release hat man der CD einen Bonustrack spendiert. Ob's jetzt allerdings unbedingt eine Akustik-Lagerfeuer-Version von Fly High Michelle (vom ersten Album der Band) sein mußte? Zumal sich Sänger Donnie Vie zum Teil in sehr gewagte Stimmlagen begibt. Na ja, ein ganz netter Verweis auf ihre frühen Tage ist es ja.

Es hat sich also nix großartiges verändert bei ENUFF Z'NUFF und wer die Musik von WHITE LION, BANG TANGO und PRETTY BOY FLOYD mag, der ist hier richtig und mit genau denen sind ENUFF Z'NUFF demnächst auf Europatour.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 14.03.2005