Balance Of Power
Balance Of Power, Sony BMG, 2007 (1986)
Jeff Lynne Lead & Background Vocals, Guitars, Bass Guitars, Keyboards, Piano
Bev Bevan Drums, Percussion
Richard Tandy Keyboards, Piano, Sequenze Programming
Produziert von: Jeff Lynne Länge: 56 Min 19 Sek Medium: CD
1. Heaven Only Knows10. Send It
2. So SeriousBonus Tracks:
3. Getting To The Point11. Opening
4. Secret Live12. Heaven Only Knows (Alternative Version)
5. Is It Alright13. In For The Kill
6. Sorrow About To Fall14. Secret Lives (Alternate Take)
7. Without Someone15. Sorrow About To Fall (Alternate Mix)
8. Calling America16. Caught In A Trap (U.K. B-Side)
9. Endless Lies17. Destination Unknown (U.K. B-Side)

Na, man hätt' sich's ja fast denken können, und ich im besonderen: Die computerisierten 80er waren ein gefundenes Fressen für den Technikfreak Jeff Lynne. Und umgedreht natürlich genauso.
Ja, ich bin da auch in manch melodiöse Falle gestiefelt. Der Film "Electric Dreams", z.B., hat mir gefallen und irgendwie auch die Musik darin und penibel wie ich sein kann, hab ich mir auch den Soundtrack besorgt. Kein großes Wunder, dass neben solchen Roots-Bands wie CULTURE CLUB auch der Jeff Lynne seine Finger an der Tastatur hatte.
[Das mit CULTURE CLUB hat er nur so gesagt, weil er die Haare nie so hübsch hingekriegt hat, unser Eberhard; Red.]
Soll ich mal noch so einen Namen fallen lassen? Giorgio Moroder! So! Da schüttelt's einen, gell?!
1987 war Lynne auch am "Cloud Nine" Album von George Harrison beteiligt und auch das hat mir gefallen. Allerdings, im Gegensatz zu besagtem Film und Soundtrack, finde ich die LP heute noch recht gut. Liegt zum einen an den Songs, die halt doch was taugen und wohl auch an der nicht ganz kompetenzlosen Band, mit, u.a., Eric Clapton, Elton John, Kim Keltner, Ringo Starr...
Im Jahr zuvor war die für lange Jahre letzte CD Scheibe vom ELECTRIC LIGHT ORCHESTRA erschienen: "Balance Of Power". ELO waren mittlerweile zum Trio geschrumpft, aber wenn scherts, da erstens Lynne sowieso die Fäden zog und wer brauchte in diesen glorreichen Zeiten noch eine Band, gar echte Streicher, wo doch alles im Studio reproduzierbar war.

Tja, man mag es ja gar nicht mehr so recht wahr haben, aber das eindimensionale Geblubber und die furchtbaren computerisierten Schlagzeugsounds hat es gegeben und von Heaven Only Knows kann keine Rede sein: Jeder weiß es! So wären die BEACH BOYS-Harmonien in diesem Song sicher durchaus brauchbar und irgendwo geht es ja gut ins Ohr, flutscht allerdings auch genauso wieder aus. Brrrr...
Beim nächsten Titel, So Serious, - oh, ja, ich erinnere mich: auch das ein Radio-Dauerbrenner - matscht und platscht es gleich von Beginn an und wabbelt und brabbelt. Hach, wenn's nicht so kinderleicht zum mitsingen wäre. Fast mögen Sympathien aufkommen, die aber von dem Keyboardsolo (wunderbar der Einsatz des Pitch-Reglers) vom Tisch gefegt werden.
Begonnen hatte man mit den Aufnahmen in Nassau, kehrte aber, nachdem dort nix ging, bald ins bewährte Bayern zurück. Genauer gesagt "in the Franconian town of Untertrubach, near Nuremburg." Aber auch die Franken konnten da nicht viel retten. Die butterweiche Schmiere von Getting To The Point erträgt man nicht bis zum Song-Ende.
Manchmal bleibt einem ob dieser Keyboardsounds nur noch ein Schmunzeln übrig. Die Secret Lives werden so eingeläutet und bald ist man wieder voll in diesem Schema drin, welches man heutzutage ja noch hin und wieder in Spielfilmen aus jener Zeit zu gehör kriegt. "Beverly Hill's Cop" und ähnlichem.
Auch bei Is It Alright fallen einem etliche musikalischen Sünder aus jener Zeit ein. So was wie HEAVEN 17 (schüttel), oder ABC (rrr..)
Es fängt jedenfalls genauso glatt an wie es auffährt und bei Sorrow About To Fall sieht es nicht anders aus. Gleichförmig bis zum geht nicht mehr.
[Again, es ist der nackte Haar-Neid! Red.]
Knapp am Einschlafen schrammt man bei Without Someone vorbei. Das vertraute Calling America rettet einen gerade noch so, allerdings hatte ich das doch etwas, na ja, "rockiger" in Erinnerung. Es bleibt natürlich ein guter Pop-Song und doch schaltet man so was heute eigentlich ab, es sei denn man ist gerade auf dem Weg "Zurück in die Zukunft".
Ein bisschen was von den BEE GEES klingt durch Endless Lies hindurch, aber, Gott, wenn sich Jeff zu einem operettenhaften Gesang aufschwingt, ist alles zu spät.
Recht flott, aber nicht befriedigend, blubbert einen Send It aus dem Original-Album hinaus. Schauen wir mal was die Bonus Tracks zu bieten haben. Da braucht man sich nix zu erhoffen, nicht von der zweifelhaft alternativen Version von Heaven Only Knows und auch nicht von In For The Kill. Die alternative Mischung von Secret Lives ist genauso eingängig wie die bekannte Fassung, ansonsten..., wer's mag.
Die B-Seite Caught In A Trap bleibt in der allgemeinen flachen Ohrwürmigkeit, während Destination Unknown - von wegen! - zielsicher ins Don't Bring Me Down Lager trifft.

So lange Rede, kurzer Sinn: Wer einen Song/Sound von denen hier versemmelten, sorry, versammelten mag, dem wird auch der Rest gefallen. Ansonsten sollte man sich im Falle von ELO lieber an die Veröffentlichungen aus den 70ern halten.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 11.03.2007