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Blue Rose Records
Gangstabilly
Drive-By Truckers
Gangstabilly, Blue Rose Records, 2005 (Soul Dump Records, 1998)
Mike Cooley Guitars, Vocals, Banjo (Late For Church)
Patterson Hood Guitars, Vocals, Banjo
Adam Howell Big ole Upright Bass, Vocals
John Neff Pedal Steel, Vocals
Matt Lane Drums
Produziert von: Andy Baker, Andy LeMaster & Drive-By Truckers Länge: 53 Min 56 Sek Medium: CD
1. Wife Beater7. Why Henry Drinks
2. Demonic Possession8. 18 Wheels Of Love
3. The Tough Sell9. Steve McQueen
4. The Living Bubba10. Buttholeville
5. Late For Church11. Sandwiches For The Road
6. Panties In Your Purse

Inzwischen haben die DRIVE-BY TRUCKERS das Tor zum eingängigeren und breitenwirksameren Southern-Rock aufgestoßen und durchschritten und auch Michael Knippschild bescheinigt ihrer 2001er CD "Southern Rock Opera" in seinem Standardwerk "Southern Rock - Bands und Fakten" (2002, BoD) "ein zeitgemäßes Meisterwerk".
Wenn man allerdings bedenkt, dass die meisten Southern Rock Bands mehr oder weniger große Countryeinflüsse zu verzeichnen haben, trifft Michaels Aussage, dass die frühen Scheiben der DRIVE-BY TRUCKERS "nicht im entferntesten mit Southern Rock zu tun hatten" das Schwarze nur am Rande.

Blue Rose Records verdanken wir die Neuauflage zweier jener Scheiben. Im Digipack mit Pappschuber und auf recyceltem Papier gedruckten Booklet sowie einer CD im Vinyl-Design machen die Scheiben schon optisch Spaß. Dazu kratzt und knackt es zu Beginn der in Side 1 und Side 2 unterteilten CD "Gangstabilly", als läge eine Schallplatte auf dem Teller.
Die erste offizielle Veröffentlichung hieß also "Gangstabilly" und wurde in zwei Tagen, praktisch "live im Studio" aufgenommen. Und dieser raue Charme dieses Albums schlägt, für mich, ihre späteren Alben problemlos!

Wife Beater ist eine Art Country-Waltz mit feinem Harmoniegesang und noch feinerer Pedal Steel Guitar. Eine Vorliebe für "verschrobene" Texte zeichnet das komplette Album aus und bereits beim ersten Titel erinnern sie mich an die BOTTLE ROCKETS.
Die Country-Vorliebe wird beim folgenden Demonic Possession noch deutlicher. Das geht schon mehr Up-Beat-mäßig los, mit flott gezupftem Banjo, dürfte aber Anhänger von glatten Countrysongs eher abschrecken. Dazu kommt der Gesang stellenweise viel zu "dreckig". Da muss ich doch sehr an Herrn Mojo Nixon denken und freu mich darüber.
The Tough Sell bringt deutlich mehr Rauheit ein und hat einen gewissen Desert-Rock Charme, wie man ihn bei Rich Hopkins findet. Flirrend und hypnotisch windet sich der Song und man kann sich gut vorstellen, wie die Band bei diesem Teil endlos gejammt hat.
Deutliche Neil Young (mit CRAZY HORSE) Spuren weist The Living Bubba auf. Jedenfalls, wenn der seine Country-Nummern mit der E-Gitarre "verziert". Ein Charles Bukowski hätte seine Freude an den Lyrics: "... and I'm drunk and stubborn... chain smoking, guitar picking, til I'm gone". Und genauso hört sich der Gesang auch an, versüßt nur von der wunderschönen Pedal Steel.
Solche Typen waren sicherlich immer Late For Church. Das wird anderen nicht viel anders gegangen sein. Jason Ringenberg etwa, oder Dan Baird. An die beiden, und besonders an Another Chance von letzterem, erinnert mich dieser lockerere Countryfolk mit schönem Harmoniegesang.
So "Country" wie hier, waren die DBT zwar nie mehr, aber lustiger wohl auch nicht. Vor allem, was die Texte angeht. Panties In Your Purse schwelgt wieder in bestem Nashville-Stil, wie ihn die BYRDS auf "Sweetheart Of The Rodeo" z.T. zelebrierten, und gaukelt einem mehr Mainstream vor als es ist. Schöner Titel für warme Sommerabende und Bier.

Natürlich wird auch der Übergang zur "zweiten Seite" vinylgerecht gestaltet (knister, knister...) und es dröhnt unerwartet heftig aus den Speakern, als wären CRAZY HORSE am Werke. Schwere, verzerrte Akkorde zu einem schleppenden Tempo, etwas entschärft von der süßlichen Lap Steel. Da klingen natürlich auch die BOTTLE ROCKETS wieder mit rein und man kann sich so richtig reinsteigern in diesen Sound. Kommt echt gut.
Die Story über die Mutter, die mit einem Fernfahrer durchgebrannt ist, rollt etwas flotter, aber auch noch in gemäßigtem Country-Rock-Tempo. Der Gesang erinnert mich total an Mojo Nixon und der hätte sicherlich auch Spaß an diesem Song. Da möchte man gerne dazu mit einem 18-Räder durch die Prärie schaukeln.
Mit dem gleichnamigen Song wird Steve McQueen geehrt. Einer Ikone wie Steve tritt man natürlich nicht zu nahe. Schon die ROLLING STONES hatten anno 73 brav die Erlaubnis für die Verwendung seines Namens in Star Star (Starfucker) erbeten und erhalten. Die DRIVE-BY TRUCKERS verpacken ihre Hommage in einen flotten, rauen Country-Wechselbass-Rocker. Textauszug? "I really love The Getaway back when I was eight, that pussy Alec Baldwin sucked in the remake, and speaking of pussy, I guess Steve got it all. He fucked Faye Dunaway and he fucked Ali McGraw." Mit solchen Texten hat man natürlich keine Chance auf großartige Radiopräsenz. Aber für deftigen Spaß sorgen sie allemal.
[Und was man erst für einen Spaß mit Ali McGraw haben muss... Die ist eindeutig Sieger vor der Dunaway. Rrrrr...edaktion]
In Buttholeville (muss man den Titel erläutern?) wird wieder ordentlich in der Neil Young/Crazy Horse Kiste gekramt. Verzerrte, grungige Gitarren, die der Mundharmonika im Hintergrund wenig Gelegenheit zur Entfaltung geben, und wieder diese kratzig-grölende Stimme, die den Text hervor stößt. Eine herrliche Klangorgie erster Güte.
Zum Schluss werden noch ein paar Sandwiches For The Road eingepackt. Dazu wird die Akustische ausgepackt, die irgendwie leicht verstimmt klingt, und nach und nach gesellen sich E-Gitarre und wieder diese effektvoll heulende Lap Steel Gitarre dazu. Klingt wirklich wie der Titel, den man am Ende von zwei harten Aufnahmetagen als raue Ballade einspielt und den Tag damit ausklingen lässt.

Klasse Album - klasse Sound - klasse Band!
Also her mit der zweiten Studioscheibe dieser Typen: "Pizza Deliverance". Und vergesst das Bier nicht!

Epi Schmidt, (Artikelliste), 05.04.2005