Rapture Of The Deep
Deep Purple
Rapture Of The Deep, Edel Records, 2005
Ian Gillan Vocals, Harmonica
Roger Glover Bass
Ian Paice Drums
Steve Morse Guitar
Don Airey Keyboards
Produziert von: Michael Bradford Länge: 50 Min 53 Sek Medium: CD
1. Money Talks6. Don't Let Go
2. Girls Like That7. Back To Back
3. Wrong Man8. Kiss Tomorrow Goodbye
4. Rapture Of The Deep9. Junkyard Blues
5. Clearly Quite Absurd10. Before Time Began

"60 Jahre und kein bisschen leise" könnte man im Falle der Hard Rock Legende DEEP PURPLE den alten Curd Jürgens Titel abwandeln, obwohl "Rapture Of The Deep" durchaus leisere Töne aufweist als mancher Vorgänger.
"Rapture Of The Deep" erinnert mich als Gesamtwerk aus unerfindlichem Grund an "Who Do We Think We Are", obwohl es eigentlich recht funky im Stile der GILLAN BAND daher kommt. Ansonsten knüpft es, mit seinen zum Teil an LED ZEPPELINs Kashmir erinnernden orientalischen Klängen an das Reunion Album "Perfect Stranger" an, wo diese in ähnlicher Form bereits Verwendung fanden, weshalb ich die allgemeine Verwunderung darüber selber etwas wunderlich finde.

Was mich an dem Album stört, ist allerdings, dass die meisten Songs anfänglich mit straighten Riffs und heavy Drive aufwarten, aber dann nicht konsequent durchgezogen werden, sondern innerhalb der Strophen immer wieder quasi verdudelt werden, was mich wiederum zur GILLAN BAND zurückbringt. Laut Booklet stammen alle Songs aus der Feder Airey/Gillan/Glover/Morse/Paice, aber Gillan prangt meines Erachtens nicht nur im Booklet über der Band, sondern scheint seit dem Ausscheiden Jon Lords nun mittlerweile das Ruder in der Hand zu haben. Auch darf Steve Morse im Gegensatz zu früher deutlich mehr frickeln und erinnert phasenweise ein wenig an DREAM THEATERs John Petrucci (der ja bekanntlich zum neuen G3 Gitarren Dream Team gestoßen ist).
Auch Don Airey versucht sich im letzten Drittel der CD von seinem Übervater zu lösen, den er ansonsten aber nicht nur im Intro mehr als nur zitiert.

Das Vorgängeralbum "Bananas" erreichte 2003 überraschenderweise noch Platz 3 der Media Control Charts (warum eigentlich?), eine ähnliche Platzierung würde mich bei "Rapture Of The Deep" eher verwundern, vielmehr reiht sich das Album konsequent in die gesichtslosen Werke der Mark V-Ära ein. Morse mag ein exzellenter Gitarrist sein, aber Blackmores Fußstapfen sind einfach zu groß. Auf der Bühne vermag er die alten Songs durchaus passabel zu interpretieren (wie auch z.B. Joe Satriani), aber das typische Songwriting ist Vergangenheit, seit Jon Lord nicht mehr dabei ist wird dies um so deutlicher.

Der Titelsong Rapture Of The Deep hat durchaus noch Wiedererkennungswert, doch wenn mir als Hardrocker und PURPLE Fan der ersten Stunde die nachfolgende Ballade Clearly Quite Absurd mehr zusagt als der überwiegende Rest, spricht dies wohl für sich. Grund dafür mag übrigens sein, dass die Ballade (mich) nicht unerheblich an Peter Gabriel erinnert, einen anderen Fave aus der guten alten Zeit.
Und so schließt sich eigentlich der Kreis, drei der heißesten Bands der 70er nebst ihren Split Offs liefern die Grundlagen für "Rapture Of The Deep" in mehr oder minder starken oder schwachen Ausprägungen. Fans der Ära oder dieser Bands mögen Gefallen an dem Album finden, doch so richtig vom Hocker reißt es einen nicht wirklich.

Fazit: Ein Lebenszeichen, nicht mehr und nicht weniger.

P.S.: Das Album erscheint übrigens auch in einer Limited Edition nebst Bonus Track und Enhanced CD. Da mir diese allerdings nicht vorliegt, kann ich über die Qualität des Extramaterials nichts aussagen.

Ralf Frank, (Artikelliste), 22.10.2005