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All I Found
Debbie Davies
All I Found, Telarc International, 2005
Debbie Davies Vocals, Lead & Rhythm Guitars
Arthur Neilson Rhythm & Slide Guitars
Bruce Katz Organ & Piano
Noel Neal Bass
Per Hanson Drums
Produziert von: Randy Labbe Länge: 52 Min 05 Sek Medium: CD
1. Made Right In The USA7. So What
2. One More Time8. Comfort Zone
3. Evidence9. Every Breath I Take
4. All I Found10. Trying To Keep It Real
5. Troughin'11. What Do you See In That Girl
6. I Won't Be Your Baby Too Long

Schon längere Zeit hat es sich gezeigt, dass die Frauen den Männern, was den Blues-Sektor angeht, mühelos Paroli bieten. Gesanglich war das ja sowieso schon immer der Fall und auch instrumental sind sie inzwischen auf Augenhöhe. Und das trifft spätestens seit Beginn der 70er auch auf die weißen Damen zu. War lange Zeit Bonnie Raitt das Aushängeschild für den "White Women Blues", gibt es heutzutage eine lange Liste an Bluesladies. Ob das am Piano Marcia Ball ist, oder an der Gitarre Sue Foley oder Ana Popovic - hochklassig sind sie alle und bringen natürlich noch ihre eigenen Stil- und Farbtupfer aus anderen Sparten wie Jazz oder Cajun mit ein.

Seit 1993 veröffentlicht Debbie Davies ihre Soloalben und die Dame ging lange Jahre bei einer der Blues-Größen schlechthin in die Schule: Albert Collins. Von dessen Stil sie einiges übernommen hat.
Ein weiterer Mentor war John Mayall und diesem zollte sie mit ihrem letzten Album Tribut. Auf "Key To Love" (2003) waren denn auch die Ex-Bluesbreakers Peter Green und Mick Taylor mit von der Partie, ebenso wie ein gewisser James Cotton.
Zusammenarbeiten gab's natürlich noch viele mehr, wie etwa mit Tab Benoit (auf "Homesick For The Road" 1999) und mit dem blutjungen Eric Steckel stand sie auch auf der Bühne.
Die Frau hat also was los, da darf man sich von der Camilla-Frisur nicht täuschen lassen.

Mit Made Right In The USA präsentiert sie einen Boogie in bestem CANNED HEAT-Style - gemächlich hoppelnd und mit wunderbaren, unprätentiösen Licks verziert. An dem Fade-Out darf man sich nicht so stören, denn ein Großteil des Albums wurde live im Studio mitgeschnitten und so ging es bei dem Song wahrscheinlich 20 Minuten noch so weiter. So ist das mit dem Boogie: You just can't stopp it.
Im Booklet bedankt sich Debbie ausdrücklich bei Shemekia Copeland, der Tochter von Johnny Copeland (R.I.P.), für das "Ausleihen" ihres Gitarristen Arthur Neilson, und der liefert u.a. einen tollen funky Rhythmuspart in One More Time. Darüber soliert Debbie mit ihrem tollen, klaren Gitarren-Ton und einer hervorragenden Technik. Wo viele Effektgeräte und Verzerrung überstrapazieren, kommt diese Dame auch ohne Hilfsmittel absolut überzeugend. Auch diese Bluesstimme würde man dem Gesichtchen auf dem Cover auch nicht zutrauen.
Ein paar Soul-Einflüsse werden bei Evidence hinzugefügt und mit Hammondorgel stimmig untermalt. Groovig und zum Tanzen verführend hat der Song Hitpotenzial. Ein bisschen Overdrive lässt die Gitarre hier schön singen und Verweise an Albert Collins sind durchaus zu hören. Hören sie mal her, Herr Moore: So kann man Blues-Songs auch instrumentieren, ohne sie gleich an der H-Saite zu strangulieren.

Ein Slow-Blues brauchts natürlich auch. All I Found erinnert mich etwas an LED ZEPPELIN, wenn die, vor allem live, den Blues hatten. Positiv fällt hier wieder die Hammondorgel sowie das Zusammenspiel der beiden Gitarren auf. Da sind einem die über sechs Minuten fast zu kurz.
Leicht funky und "jumpy" wird's wieder bei Troughin'. Diesmal mit Honky Tonk Piano, Slide-Rhythm-Guitar und einer chrunchy Lead Guitar. Das klingt alles so wunderbar locker, auch wie Debbie mit ihrer Stimme spielt, dass man unwillkürlich einfach gut drauf kommt.
Back to Boogie mit I Won't Be Your Baby Too Long und durch das mit sich selbst gesungene Duett kommt etwas 50's Doo-Wop Feeling auf.

Sucht man jetzt auf diesem Album nach beeindruckenden Tracks oder Gimmicks, ist man auf dem falschen Dampfer, aber wer ein Good-Time-Feeling auch beim Blues mag, wird bestens bedient. Wie sich die Gitarren in dem funkigen Instrumental So What ergänzen, ist schon super. Allerdings muss man Arthur Neilson die bessere Rhythmus-Arbeit bescheinigen, was dann auffällt, wenn er das zweite Solo übernimmt.
Bei Every Breath I Take läuft das ähnlich ab, nur das dann (Sprech-) Gesang mit dabei ist - und die Soli häufiger zwischen den beiden 6-Stringern wechseln.
Trying To Keep It Real schleicht sich mit großem R&B/Soul-Anteil gefühlvoll über den Dancefloor. Hier liefert Bruce Katz an den Tasten ein paar geniale Hammondorgelsoli, denen Debbie nicht weniger inspirierte Gitarrensoli folgen lässt. Gehört zu den besten Songs auf dieser Scheibe!
Zum Schluss swingt es noch mal richtig gut bei dem Jump-Blues von What Do You See In That Girl. Ähnliches kennt man von Candye Kane und der würde dieser Song auch gut stehen. So schlendert man denn beschwingt zur Tür raus und fühlt sich einfach richtig gut. Kann man mehr von (Blues-) Musik verlangen?

Epi Schmidt, (Artikelliste), 19.08.2005