Crosby, Stills & Nash
Crosby, Stills & Nash / Daylight Again, Warner Music, 2006 (Atlantic Records, 1969 & 1982)
David Crosby Vocals, Guitar
Stephen Stills Vocals, Guitar, Bass, Organ
Graham Nash Vocals, Organ, Piano
"Crosby, Stills & Nash":
Dallas Taylor Drums
"Daylight Again":
Joe Vitale Drums
George Perry Bass
Joe Lala Percussion
Timothy B. Schmitt Vocals
Jeff Porcaro Drums
Jay Ferguson Organ
Art Garfunkel Vocals
Michael Stergis Drums
Produziert von: David Crosby, Stephen Stills, Graham Nash & Bill Halverson ("C,S & N") & Craig Doerge, Steve Gursky, Stanley Johnston ("Daylight Again") Länge: 53 Min 26 Sek
& 56 Min 26 Sek
Medium: CD
"Crosby, Stills & Nash":
1. Suite: Judy Blue Eyes9. Long Time Gone
2. Marrakesh Express10. 49 Bye-Byes
3. GuinnevereBonus Tracks:
4. You Don't Have To Cry11. Do For The Others
5. Pre-Road Downs12. Song With No Words
6. Wooden Ships13. Everybody's Talkin'
7. Lady Of The Island14. Teach Your Children
8. Helplessly Hoping
"Daylight Again":
1. Turn Your Back On Love9. You Are Alive
2. Wasted On The Way10. Might As Well Have A Good Time
3. Southern Cross11. Daylight Again
4. Into The DarknessBonus Tracks:
5. Delta12. Raise A Voice
6. Since I Met You13. Feel Your Love
7. Too Much Love To Hide14. Tomorrow Is Another Day
8. Song For Susan15. Might As Well Have A Good Time

Diese LIVE AID Geschichte am 13. Juli 1985 ist natürlich, gerade wenn man es sich im nachhinein auf der 4-DVD-Box ansieht, teilweise schon ein arger Müll gewesen. Wenn ich nur dran denke: LED ZEPPELIN! Da graust es mir heute noch. Und der Großteil der 80er Bands lässt mich auch nur gequält das Gesicht verziehen.
Es gab aber auch Ausnahmen und eine davon war CROSBY, STILLS & NASH.
Schön, die Harmonien kamen da zwar nicht mehr so perfekt wie in früheren Tagen - es ist bei einem Open Air auch oftmals nicht so einfach mit dem Singen, glaubt's mir - und eine gewisse Kurzatmigkeit kann man dem ein oder anderen auch bescheinigen, ABER: Wenn Graham Nash vor der letzten Strophe von Teach Your Children das Publikum auffordert: "Now you sing!", dann steht das ganze JFK Stadion in Philadelphia wie ein Mann auf und singt den Text fehlerlos und mit einer Leidenschaft, dass mir vor dem Fernseher eine Gänsehaut über den Rücken läuft und mir vor Ergriffenheit fast Tränen in den Augen stehen.
Da waren schon 26 Jahre seit ihrem Debütalbum vergangen, ebenso wie ihre Auftritte bei Woodstock und in Altamont.
Jenes selbstbetitelte Album gehört unbestreitbar zu den beachtlichsten Erstlingswerken der Musikgeschichte. Natürlich hatten die drei schon einiges an Erfahrung und Erfolg gesammelt, aber das muss, wie oft genug bewiesen, nicht unbedingt ein Garant für Klasse sein. Songs wie das hervorragende Suite: Judy Blue Eyes mit seinen Orgel und E-Gitarren Einwürfen, der muntere Marrakesh Express-Urlaubssong, die anrührende, schwermütige Guinnevere und praktisch jeder Song auf dieser Scheibe zeigen allerdings, dass hier alles gepasst hat.
Kein Wunder, dass viele und allen voran die Industrie hier die BEATLES Amerikas entdeckt haben wollten.

Dieser Druck von außen und die 'nicht so ganz einfachen' Charaktere der drei waren wohl mit Gründe, warum es dann nie mehr sonderlich lange gut mit C,S & N ging. Die Male, die einer der drei schwor, nie mehr mit den anderen zusammen zu arbeiten, sind gar nicht zählbar.
Besser als auf diesem ersten Album waren sie wohl nie mehr. Höchstens dann, wenn Neil Young noch dazu stieß.
Wenn sich in You Don't Have To Cry die Stimmen ineinander verschachteln, umkreisen, um sich dann gemeinsam in die Höhe zu schrauben, das ist schon genial.
Um so mehr beeindruckt das Album, da hier nur der Schlagzeuger Dallas Taylor als zusätzlicher Musiker mitspielt. So kommen Stephen Stills' Gitarrenexkursionen richtig gut und störungsfrei. Ein Musterbeispiel an Folkrock mit Country- und Rock-Einflüssen und einer großartigen Atmosphäre.

Jetzt ist es natürlich so, dass es erst wenige Jahre her ist, als sich "Deppen" wie ich erfreut die remasterte Version kauften. Jetzt kommt wieder so ein Teil auf den Markt, diesmal HDCD remastert und als Zuckerl mit vier Bonustracks. Mir liegt leider nur ein "Promo" vor, so dass ich über die "neuen Liner Notes" nix sagen kann. Die vier zusätzlichen Lieder sind durchaus auf einer Höhe mit den restlichen Titeln des Albums, aber nur deswegen rechtfertigt sich ein Kauf nicht. Als Doppel-CD und mit einer zusätzlichen Live-Scheibe oder DVD ließe ich mir das angehen, aber so finde ich es etwas schwach und nur für bisherige CS&N-Abstinenzler geeignet. Oder wenn die LP inzwischen abgespielt ist.

Anno 1982 wurde für "Daylight Again", es war bereits das dritte CS&N Album, eine ganze Kohorte von Gastmusikern ins Studio gekarrt. Da waren Mitglieder der EAGLES ebenso dabei wie von TOTO und auch ein Art Garfunkel war beteiligt.
Hat dem ganzen aber kaum geschadet. Klar, es klingt alles etwas glatter - produzierter - aber wer Take It Easy mag, wird sich auch in Waysted On The Way verlieben. Etwas besseres um in den Sonnenuntergang zu reiten, zu fahren und auch nur zu starren, lässt sich kaum finden.
Der Anfang von Southern Cross scheint mir stark bei BAD COMPANYs Shooting Star entlehnt zu sein, aber es gibt ja Leute, die den Song für den besten der Band überhaupt halten. Dem möchte ich mich nicht rückhaltlos anschließen. Ein Highlight ist es aber gewiss.
Into The Darkness würde wohl auch als ein Titel der EAGLES durchgehen und Since I Met You wäre kein Fremdkörper auf einer, sagen wir, KANSAS Scheibe.
Schön, Too Much Love to Hide ist mir dann doch etwas zu mainstreamig, wenn nur nicht dieser immer noch einzigartige Gesang wäre.
Deswegen: Lässt man möglichst viel von dem unnötigen Ballast und Brimborium weg, vgl. die Piano-Ballade Might As Well Have A Good Time und natürlich den folkig-melancholischen Titelsong, nur von Gesang und Akustikgitarre getragen und an die 'Coast Of Freedom' anlegend, dann kehren die wohligen Schauer zurück.
Auch auf dieser Neuauflage wird man mit vier Bonusstücken geködert und es gilt eigentlich das gleiche wie für das Debütalbum: Nett, aber nicht ausreichend. Raise Your Voice ist schon schönster Country-Folk wie in den alten Zeiten und bei Tomorrow Is Another Day langt Stephen Stills streckenweise in die Saiten wie sonst nur bei seinen Duellen mit Neil Young.

Das Debüt bleibt eine Klasse für sich. Mit "Daylight Again" macht man nix falsch.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 23.01.2006