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Last Call Records
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Rockabilly Hall of Fame
Honky Tonk Man & New Jungle Fever
Charlie Feathers
Honky Tonk Man & New Jungle Fever, Last Call Records, 2004 (1982 & 1987)
Charlie Feathers Lead Vocals, Rhythm Guitar
Bubba Feathers Lead Guitar, Background Vocals
Mark Qurion Bass, Background Vocals
Wanda Vanzant Background Vocals
Produziert von: Charlie Feathers Länge: 40 Min 57 Sek Medium: CD
1. We're Getting Closer To Being Apart8. Honky Tonk Man
2. Blame It On Time9. Jungle Fever
3. Working On A Building10. In The Pines
4. Who Da Say11. You Believe Everyone But Me
5. Blue Suede Shoes12. Roll Over Beethoven
6. Ooby-Dooby13. He'll Have To Go
7. If You Were Mine To Loose14. That's All Right Mama

Man kann über die Filme von Quentin Tarantino, insbesondere über seine "Kill Bill"-Streifen, denken was man will, aber: Ein Gespür für coole Musik/Musiker hat der Tarantino allemal. Wer kannte hierzulande schon TITO & TARANTULA vor "From Dusk Till Dawn"? Die meisten halten die wahrscheinlich immer noch für eine "Filmband".
Bei Charlie Feathers sollte sich das eigentlich umgedreht verhalten (was es aber nicht tut), denn der dudelt im 2. Teil jener "Kill Bill"-Schlächtereien zwar zu Beginn aus dem Polizeiwagenradio, ist aber erstens bereits seit dem 29. August 1998 tot und zweitens war der schon in den 50ern bekannt, als er in den legendären Sun-Studios Aufnahmen machte und da, wem sonst: Elvis, über den Weg lief. Einen Song von Charlie, I Forgot To Remember To Forget, nahm der King ja dann auch auf. Mit Sam Phillips verstand sich Charlie allerdings nicht so gut. Der wollte ihn wohl mehr in die Country-Ecke drängen, wo doch Mr. Feathers Herz an Rockabilly und Rock'n'Roll hing. Wie's halt so geht, wer sich nicht verbiegen lässt bleibt an die Nebenstraßen gebunden.
So ist Charlie sein Leben lang ein "Hot Head" geblieben und auf dieser CD sind zwei Scheiben vereint die er wenige Jahre vor seinem Tod aufgenommen hat.

Immer noch bei bester Stimme ist in We're Getting Closer To Being Apart schon feinster Rockabilly mit Countryelementen zu hören wie es etwa ein Eddie Cochran populär gemacht hat. Er macht halt das was er schon immer gemacht hat, sparsam instrumentiert und nie zu glatt gebügelt, wie man in dem ebenfalls selbst verfassten Blame It On Time hört.
Schön twangende Gitarren sind fast immer präsent, ebenso wie der "Schluckaufgesang" öfter mal als Stilmittel eingesetzt wird.
Ein Countrysong wie Who Da Say muss einen direkten Einfluss auf den Gesangs-Stil von Country Dick Montana gehabt haben, der mit seinen BEAT FARMERS so was auch gern mal präsentierte.

Die Verbundenheit zu Zeitgenossen wie Carl Perkins wird bei dessen Blue Suede Shoes deutlich, das von Charlie in ähnlichem Rockabilly-Stil interpretiert wird. Wenn er "easy now" sagt, fühlt man sich leicht an Jerry Lee Lewis erinnert.
Roy Orbison's Ooby-Dooby hat natürlich nicht die Power von CCRs Version, aber trotzdem kommt hier richtig Stimmung auf, auch (oder weil?) mit dem Gesang und dem Text herumgespielt wird.
Weiter im Rockabilly a la MATCHBOX geht's mit If You Were Mine To Loose und jemand wie der selige George Harrison hätte damit sicherlich seine Freude gehabt, genauso wie ich.

Wie gesagt, klingt hier alles recht roh und viele Overdubs gab's bestimmt nicht, aber für mich kommt das der Musik nur entgegen. Der Honky Tonk Man klingt allerdings etwas "zusammen gemischt", doch bei diesem Song und diesem Gesang funktioniert das trotzdem noch.
You Believe Everyone But Me hätte auf die meisten Jerry Lee Lewis-Alben auch gepasst. Das Piano kommt zwar nur sparsam und nicht so wild, aber der Beat ist bester Rocket 88-Stuff.
Na, Roll Over Beethoven hat Charlie aber komplett umgemodelt. Nix Rock'n'Roll sondern eher so eine Art "Jungle-Groove" und eigentlich nur am Text zu erkennen. Originell.
Dem King wird dann mit That's All Right Mama auch noch gehuldigt und zwar recht nahe am Original gehalten - so wie der Song halt gespielt gehört.

Was soll ich sagen? Wer auf Perkins, Cochran, Orbison, Presley und Konsorten steht, löst sein Ticket am Eingang.
Was man nicht mit den Jahren alles noch entdeckt. Dieser Mann ist es jedenfalls wert, dass man sich an ihn erinnert. Findet nicht nur Quentin Tarantino (der Song Can't Hardly Stand It ist übrigens auf dem Soundtrack zu "Kill Bill, Vol. 2" enthalten).

Epi Schmidt, (Artikelliste), 06.07.2004