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All Things To All People
Carpark North
All Things To All People, EMI Music, 2006
Lau Højen Vocals & Guitar
Søren Balsner Bass & Vocals
Morten Thorhauge Drums, Percussion & Programming
Gäste:
Andrea Gyarfas Violin
Inger von Rüden Violin
Morten Meller Viola
Nikolaj Lund Cello
Produziert von: Joshua & Carpark North Länge: 50 Min 21 Sek Medium: CD
1. Berlin7. Song About Us
2. Human8. Newborn
3. Best Day9. Wild Wonders
4. Fireworks10. There's A Place
5. Run11. The Beasts
6. Transparent & Glasslike12. Heart Of Me

Drei junge Dänen wollen nicht kleckern, sondern klotzen, und fahren mit ihrer zweiten Veröffentlichung "All Things To All People" die ganz großen Geschütze auf, um allen Nordic- oder Brit-Popern das Fürchten zu lehren. So hat man unter anderem einen 36-köpfigen Chor rekrutiert, bietet Streicher satt und hat sich die Produzententätigkeit von Joshua (u. a. schon für MEW und KASHMIR aktiv) gesichert. Schließlich wollen sie nicht nur in ihrer dänischen Heimat den Status von Superstars behaupten, sondern auch in der südlicheren Welt einen Schritt in Richtung Hall of Fame machen.

Es fängt mit Berlin ja auch ganz manierlich an, das Ganze klingt hier ein wenig nach A-HA - The Next Generation. Böse Zungen beginnen allerdings schon hier von THE RASMUS zu zischeln. Aber vorerst kann da noch die vorab veröffentlichte Single Human Punkte sammeln, die mit dem My Sherona-Zitat recht munter dahergerauscht kommt. Der stark elektronisch gefärbte Dance-Wave-Pop von Best Day fährt sogar einen Vocoder auf, wirkt aber dennoch etwas blutleer. Bei der Ballade Fireworks wünscht man sich Paul Young in seinen besten Tagen ans Mikrophon, dann könnte dieses Stück einen gewissen Reiz entfachen. Immerhin etwas für COLDPLAY-Fans.

Aber mit zunehmender Dauer rutscht der Rezensent immer unruhiger auf dem Stuhl hin und her, aus simpel gestrickt wird allmählich belanglos, aus belanglos schließlich ärgerlich. Nach immer dem selben Strickmuster verfahrend (einfache, zurückgenommene Strophe, aufgeblasener Glamour-Refrain zum Arme-Ausbreiten und Feuerzeuge schwenken), schielt man so offensichtlich auf Massenkompatibilität, dass man das wichtigste dabei auf der Streck liegen lässt: nämlich ein vernünftiges Songwriting. Wenn ausnahmsweise mal "gerockt" wird, dann nur ganz vorsichtig um schnell wieder den Schmusegang einzulegen (Song About Us). Im übrigen: Wer dieser Scheibe den Stempel Rock aufdrückt, für den ist BON JOVI finsterster Death Metal. Harmloses (bestenfalls) Mittelmass in Hochglanzverpackung, da retten auch die elektronischen Gimmicks nicht mehr viel, zumal die auch allenfalls als uninspirierte Reminiszenz an die Achtziger durchgehen können.

Normalerweise muss man sich nicht verschärft mit dem lobhudelnden Infotext zu einer neuen Scheibe beschäftigen, aber hier werden Vergleiche angestellt mit EUROPE, DEPECHE MODE und THE BEATLES. Dazu kann man nur sagen: EUROPE geht gar nicht wegen klarer frisurentechnischer Unterlegenheit, DEPECHE MODE haben die Fähigkeit bewiesen, aus verformtem Schrott edlen Pop zu machen (hier scheint es eher umgekehrt zu sein) und zu dem Vergleich mit THE BEATLES: ja, auch der VfL Wolfsburg spricht immer wieder von der Champions League. CARPARK NORTH in dieser Verfassung ist leider mehr Schein als Sein.

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 23.01.2006