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Penumbra Diffuse
Canvas Solaris
Penumbra Diffuse, Laser's Edge/Sensory Records, 2006
Nathan Sapp Synthesizers & Guitar
Ben Simpkins Guitar, Bass, Mandolin & Synthesizers
Hunter Ginn Drums & Percussion
Jeff Wagner Synthesizer (Luminescence)
Produziert von: Jamie King & Canvas Solaris Länge: 48 Min 42 Sek Medium: CD
1. Panoramic Long-Range Vertigo5. To Fracture.
2. Horizontal Radiant6. Psychotropic Resonance
3. Accidents In Mutual Silence7. Luminescence
4. Vaihayasa

Also mal vorab: Naturwissenschaften waren mir schon immer ein Gräuel, alles was nur im Entferntesten mit Mathematik zu tun hatte, war mir reichlich suspekt. In der Schule konnte man damals zum Glück das meiste von dem Zeug bald abwählen, so dass man nur Biologie durchs Abitur mitschleifen musste und auch später machte man einen großen Bogen um die immer wieder vorkommenden Zahlengenies. Zu letzterer Spezies gehören ganz bestimmt auch die Jungs von CANVAS SOLARIS, die ihren instrumentalen Prog-Metal auf dem Reißbrett und unter Auslotung sämtlicher technischer Möglichkeiten, sowohl was das Equipment als auch die Spielfertigkeit der Protagonisten anbelangt, entwickelt haben. Irgendwie vermutet man hinter "Penumbra Diffuse" lichtscheue Eggheads, die statt einer normalen Jugend mit zahlreichen Unternehmungen mit Freunden sich lieber in ein dunkles Kämmerlein verkrochen haben, um ihre Fingerfertigkeit (genauer gesagt ihre Gniedelfähigkeit) zu maximieren.

Und dann kommt eben so etwas dabei heraus: Düsterer Metal-Jazz-Prog, bei dem schon Titel wie Panoramic Long-Range Vertigo oder Horizontal Radiant ein gewisses Technokratentum nahe legen und bei dem einziges Ziel zu sein scheint, wie viele Töne, Rhythmusverschiebungen und Breaks man in einen "Song" packen kann. Leider bleibt dabei ein wesentliches Element musikalischen Schaffens auf der Strecke: die Seele nämlich. Ganz davon abgesehen, dass diese handwerklich tadellosen Kleinkunstbrocken, die hier versammelt sind, kompositorisch jeglichen roten Faden vermissen lassen, kommt hier einfach kein irgendwie geartetes Gefühl hinter den technischen Kabinettstückchen auf, es bleibt unklar, was hier vermittelt werden soll, außer der Tatsache, dass die Herren Sapp, Simpkins und Ginn äußerst flinke Finger haben.

Am ehesten kann man sich noch das abschließende Luminescence anhören (liegt es am Gastmusiker Jeff Wagner am Synthesizer?), da hier ruhigere, wenn auch düstere Klanglandschaften ausgebreitet werden, aber irgendwann auch ein wenig die Luft ausgeht. Insgesamt ein äußerst zerrissenes, unbefriedigendes Werk, das allenfalls als konservierte Nabelschau der technischen Fähigkeiten und Fertigkeiten der beteiligten Musiker dienen kann. Ein klassischer Komponist hätte so etwas Etüden genannt und zwar zu Papier gebracht, aber doch eher selten in der Öffentlichkeit gespielt. Hochentwickelte Technik kann auch ein Fluch sein, wenn sie zum Selbstzweck eingesetzt wird.

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 01.03.2006