Link Homepage:
Offizielle Canned Heat Homepage
Link Kaufen:
www.amazon.de
Link Plattenfirma:
Ruf Records
The Boogie House Tapes - Volume 2
Canned Heat
The Boogie House Tapes - Volume 2, Ruf Records, 2004
Länge: 152 Min 05 Sek Medium: Do-CD
CD 1:
1. Struttin' That Stuff13. Get On My Airplane
2. Go To Utah14. Wolfman's Blues
3. Hell's On Down The Road15. Seven Up - Boogie (Commercial)
4. You Tease Me16. Seven Up - Blues (Commercial)
5. Something's Gotta Go17. Schlitz Beer (Commercial)
6. Please Don't Bother Me18. Levi's (Commercial)
7. Get Off My Back19. Music City (Commercial)
8. Saturday Blues20. Smokey The Bear (Commercial)
9. Blind Melon21. Living The Blues (spot)
10. Sloppy Drunk22. Boogie With Canned Heat (spot)
11. Death Bed Blues23. Hallelujah (spot)
12. Sneakin' Around
CD 2:
1. Red Headed Woman10. Dizzy Miss Lizzy
2. 24 Hours11. Worried Life Blues
3. Turpentine Moan12. Nitwit
4. Kid Man Blues13. Gamblin' Woman
5. Oh Baby14. Mambo Tango
6. JJ Jump15. Quiet Woman
7. Sunnyland16. Creole Queen
8. Built for Comfort17. A Little Time With Me
9. Looking For A Party

Dass es sich bei den "Boogie House Tapes" nicht um irgendwelche "Basement Tapes" handelt, die in einem Keller bei einer Session aufgenommen wurden, wissen die Besitzer der "Vol. 1" längst und den anderen sei es hiermit gesagt. Vielmehr handelt es sich um eine Ansammlung von Raritäten, die das verbliebene Originalmitglied Fito de la Parra aus den Archiven mit der Unterstützung von Thomas Ruf ausgegraben hat.
Zwei vollgestopfte CDs mit dem absoluten Boogie-Overkill sind es geworden und nahezu alle sind zu hören, die den CANNED HEAT Sound über die Jahre mitgeprägt haben!
Harvey Mandel an der Gitarre, in einem rasanten Struttin' That Stuff anno 1977, natürlich noch mit Bob "The Bear" Hite als Sänger, der am 5. April 1981 verstarb. Der urwüchsige Blues Go To Utah mit einem abgefahrenen Henry "Sunflower" Vestine (gest. 20. Oktober 1997) sowie Joel Scott Hill an den Gitarren, aufgenommen 1971 in L.A. Etwas Wehmut überkommt einen, wenn man die letzte Studio-Aufnahme von Bob Hite, natürlich ein Boogie, anhand von Hell's On Down The Road (1981) hört.
Naturgemäß klingen Aufnahmen von um 1970 herum soundmäßig etwas "mäßiger", aber für mich vermitteln sie den Blues und Boogie der Band sogar noch authentischer, denn glattpolierte Musik wollte die Band nie spielen, und so kommen You Tease Me und die letzte Aufnahme mit Alan Wilson (gest. 3. September 1970), Something's Gotta Go, wirklich anmachend.

Live war (und ist) die Band noch mal eine Klasse besser als auf Konserve und das kann man bei den Liveaufnahmen von Please Don't Bother Me und dem über 10 Minuten dauernden Get Off My Back (beide von 1969) hören. Jedes mal steigert sich die Band in einen unstopbaren Groove, der auf und abschwingt, mal die Richtung ändert, aber immer in einem gnadenlosen Rhythmus verhaftet ist.
Alan Wilson hatte damals mit schweren Depressionen zu kämpfen und befand sich zeitweilig in psychiatrischer Behandlung. 4 Songs, die er im Hospital komponierte und als Demos für die Band aufnahm, sind hier zu hören. Da kann man erleben, wie wohl die Grundlagen für viele CANNED HEAT-Songs entstanden sind. Außerdem hört man wie genau dieser Fanatiker seine Blues-Vorbilder studiert hat.
Dafür, dass Drummer Fito de la Parra damals nicht viel von der Einstellung des Wilson-Nachfolgers Joel Scott Hill hielt, macht der als Sänger aber keine schlechte Figur beim Slow-Blues Sneakin' Around, bei dem Henry Vestine ausgiebig an der Lead-Gitarre brilliert! An dieser Stelle sei noch mal auf das Buch "Living The Blues" von Fito de la Parra hingewiesen, das man einfach gelesen haben muss.

Eine weitere Rarität ist sicherlich die Live-Radio-Show Aufnahme von Get On My Airplane, bei der die J. GEILS BAND Mitglieder Peter Wolf und Magic Dick (mit seinem typischen Mundharmonikaspiel) mitmischen.
Der legendäre Discjockey Wolfman Jack stand bei Wolfman's Blues 1971 mit auf der "Hollywood Bowl"-Bühne und teilte sich die Vocals mit dem Bär. Eine weitere historische Aufnahme!
Die Tracks 15-23 der ersten CD sind alle als Werbejingles zwischen 1968 und 1970 aufgenommen worden. Teilweise liefern sie die Backgroundmusik für den Werbesprecher (in gewohntem Blues-Boogie-Stil) oder übernehmen gleich selbst den Text. Genial, wenn Bob Hite "Schlitz-Beer" anpreist! Eine Super-Idee, diese Raritäten mit auf das Album zu nehmen. Das werden wohl die wenigsten bisher gehört haben.

Die zweite CD bringt überwiegend Live-Material. Zunächst 7 Songs von der 1994er Tour. Schwer zu glauben, dass die mit einem "handheld stereo cassette recorder" aufgenommen worden sein sollen. Für mich klingt das echt in Ordnung. Die ersten fünf Lieder stammen übrigens vom 31.3.94 aus Dortmund. Die Besetzung damals: James Thornburry (voc, slide guitar, harp), Henry Vestine (lead guitar), Junior Watson (lead guitar), Ron Shumake (bass), Fito de la Parra (drums). Zum Teil spielen The Heat da schon in diesem eher Swing-betonten Boogie, der ja später immer öfter in ihrem Stil zu hören ist. Gut kommt es live allemal.
Dann geht's wieder ein paar Jahre zurück, ins Jahr 1986 und ins Hilton Hotel von Reno. Reichlich roh klingen diese Mitschnitte, die ein bisschen Bootleg-Qualität haben. Zusätzlichen Schub bringt hier Ronnie Baron (gest. März 1997) am Piano u.a. bei Willie Dixons Built For Comfort und besonders bei Little Richards Dizzy Miss Lizzy. Letzteres bekommt ein Blues-Intro aber dann geht's in bewährter Boogie-Manier weiter.
Nitwit und Gamblin' Woman stammen aus einer 2-Track Aufnahme einer Probe von 1994. Die Qualität ist trotzdem ganz gut und Harvey Mandel zeigt hier wieder seine Klasse an der Lead-Gitarre.
Die letzten vier Songs stammen vom Februar 1996 in Spanien und wurden wieder mit bewährtem "Radio-Recorder" aufgenommen. Vor allem das Instrumental Mambo Tango, nur mit Junior Watson an der Gitarre und Bass/Schlagzeug aufgenommen, beeindruckt. So einen dichten Sound nur mit drei Leuten zu produzieren, dazu braucht es schon einiges an Erfahrung und Perfektion.
Die Formation der restlichen, nicht vom Sound aber vom spielerischen überzeugenden, Songs setzt sich aus Robert Lucas (vocals/slide guitar/harp), Henry Vestine (lead guitar), Junior Watson (lead guitar), Mark Goldberg (bass) und Fito de la Parra (drums) zusammen.
Creole Queen klingt wie eine Mischung aus Green River und Stevie Ray Vaughan und A Little Time With Me bringt noch mal einen typischen CANNED HEAT-Blues/Boogie.

Eine weitere Spaß machende und sinnvolle Veröffentlichung aus dem Hause RUF, mit durchaus historischen Wert!
Geeignet für alle, die den Schlachtruf des "Bären" nicht vergessen: "Don't forget to boogie!"

Epi Schmidt, (Artikelliste), 04.06.2004