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Sony BMG
Boston
Boston & Don't Look Back, Epic/Sony BMG, 2006 (1976 & 1978)
Brad Delp Lead Vocals, Harmony & Background Vocals, Acoustic Guitar
Tom Scholz Lead & Rhythm Guitars, Acoustic Guitars, Organ, Clavinet, Piano Bass
Sib Hashian Drums
Jim Masdea Drums (Rock & Roll Band)
Barry Goudreau Lead & Rhythm Guitars
Fran Sheehan Bass
Produziert von: John Boylan ("Don't Look Back") & Tom Scholz Länge: 37 Min 46 Sek & 33 Min 54 Sek Medium: CD
"Boston":
1. More Than A Feeling5. Smokin'
2. Peace Of Mind6. Hitch A Ride
3. Foreplay/Long Time7. Something About You
4. Rock & Roll Band8. Let Me Take You Home Tonight
"Don't Look Back":
1. Don't Look Back5. Feelin' Satisfied
2. The Journey6. Party
3. It's Easy7. Used To Bad News
4. A Man I'll Never Be8. Don't Be Afraid

Für mich ging die BOSTON Geschichte mit dem zweiten Album, "Don't Look Back", los. Das eindrucksvolle Science-Fiction Cover wird nicht unwesentlich zum Kauf beigetragen haben, als mir Ende der 70er die LP in die Finger kam und mich sofort begeisterte. Auch wenn ich noch nicht zum Führen motorisierter Fahrzeuge berechtigt war, verschaffte mir das Album doch schon irgendwie so eine Art "Highway-Feeling". Zwar irgendwie recht keimfrei gehalten, aber es ging einfach gut ab und hatte ordentlich Drive.
Korrekterweise müssen wir aber hier mit dem Debütalbum "Boston" der gleichnamigen Band beginnen. Eigentlich braucht's dazu nicht viele Worte, denn bei mittlerweile über 17 Millionen verkaufter Scheiben und noch viel öfteren Einsätzen der Single More Than A Feeling im Radio, gibt's wohl innerhalb der Pop-Welt keinen, der nicht zumindest Teile dieser Melodien irgendwo im Hinterkopf abgespeichert hat.

Zum 30jährigen Jubiläum des Erstlings wird nun das Album, remastert von Mr. Tom Scholz himself, wieder auf den Markt gebracht und den Nachfolger veröffentlicht man gleich mit dazu. Ist auch sinnvoller so.
Im schönen Digi-Pack sind die Teile gut verpackt und auch ein Booklet liegt bei, mit z.T. interessanten Infos. Nett wäre es allerdings gewesen, wenn man die Texte mit abgedruckt hätte. Nicht dass sich ein Weltlicher in die schwindelerregenden Höhen von Brad Delps Stimme schrauben könnte, aber selbst die Versuche machen Spaß.
Den jeweiligen Sticker hätte man auch etwas käuferfreundlicher ablösbar anbringen können. Sonst gibt's nix zu meckern. Gut, so sehr ins Gewicht fällt der "remasterte" Sound nicht, denn Tom Scholz hat schon damals, wenn er nicht gerade Produkte für Polaroid entwickelte, nix anderes als seinen Sound im Kopf gehabt und in seinem Keller solange gewerkelt, bis er damit zufrieden war. So klingen selbst die LPs heute noch gut und meine CD von vor ein paar Jahren schwächelt auch nur wenig.
Schön wäre es gewesen, ein paar Bonus-Tracks anzuhängen! Aber da gab es wohl nix und Liveaufnahmen... mhhh, ich weiß nicht. BOSTON waren nie als großartige Liveband bekannt - und wie auch? Tom Scholz spielte fast alle Instrumente selbst und Brad Delp sang ALLES. Von BAND konnte also eigentlich nie die Rede sein.
Wenn Gitarrist Barry Goudreau mal mitspielen durfte, macht sich das in Songs wie Long Time oder Let Me Take You Home Tonight wohltuend bemerkbar. Einfach, weil das herumreiten auf ein und derselben Melodie nicht ganz so ausgeprägt ist.
Die Gesangsmelodien sind natürlich durchwegs Ohrwürmer von endloser Haltbarkeit. So steigt man doch immer wieder mit ein und versucht, wenigstens annähernd, die Lieder mitzusingen. Die lassen möglichst wenig Klischees aus, aber natürlich waren die Typen jung und wollten eben auch nix anderes sein als eine Rock & Roll Band.
Dass Brad Delp nicht nur einschmeichelnde Süße, wie in Hitch A Ride, gesanglich produzieren konnte, sondern auch einen recht passablen Rock-Shouter geben konnte, zeigt das pumpende Smokin', sowie der furiose Schlussspurt von Let Me Take You Home Tonight.
Alles in allem ist "Boston" vielleicht DAS American-Pop-Rock Album schlechthin und dürfte bei etlichen Bands für kommerzielles Umdenken gesorgt haben. JOURNEY und R.E.O. SPEEDWAGON nur mal als Beispiel genannt.

Mittagspausenfreundliche knappe 38 Minuten dauerte das Debüt und "Don't Look Back" war sogar noch kürzer. Damals bestand ja gezwungenermaßen noch das Konzept der A- und B-Seite eines Tonträgers und hier eröffneten sowohl der Titelsong als auch Feelin' Satisfied ihre Hälfte gar prächtig. Mir war die zweite Seite sogar lieber, denn statt des langatmigen The Journey folgte mit Party gleich ein, ja, eben: Partykracher. "I'm gettin' ready for a party tonight, yes I'm gettin' ready to cruise..." und eifrig vom Bett gesprungen und den Federballschläger malträtiert! Auch Feelin' Satisfied sorgt mit deftigen Akkorden für ordentlich Schub und gute Stimmung.
"Nur" auf über 7 Millionen verkaufte Exemplare bringt es "Don't Look Back", aber es hat im Prinzip nicht mehr zu bieten als sein Vorgänger und manche Melodien, etwa das Gitarrenthema aus A Man I'll Never Be, meint man doch schon öfter gehört zu haben. Trotzdem sind sowohl die Pop-Rock Hymne Used To Bad News als auch das rockigere Don't Be Afraid, zu dem Barry Goudreau ein paar "middle wah slide leads" beisteuert, hervorragende Cabrio-Highway-Nummern, wie die beiden Scheiben insgesamt, und bringen einem mühelos das "endless-summer-party-feeling". Und das auch nach 30 Jahren noch.

Alle paar Generationen brachte Tom Scholz wieder mal eine Scheibe unter dem BOSTON-Etikett heraus und hier und da fanden sich auch ein paar ansprechende Töne, aber wirklich brauchen tut man davon eigentlich nix. "Boston" und "Don't Look Back" braucht's allerdings schon.
Als Tipp für Interessierte sei noch das Soloalbum von Barry Goudreau gleichen Namens (1980) empfohlen, denn hier singen sowohl Brad Delp als auch der spätere Boston-Sänger Fran Cosmo.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 09.09.2006