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Island Records
Have A Nice Day
Bon Jovi
Have A Nice Day, Island Records, 2005
Jon Bon Jovi Vocals, Backing Vocals
David Bryan Keyboards
Richie Sambora Guitars, Backing Vocals
Tico Torres Drums & Percussion
Hugh McDonald Bass
Produziert von: John Shanks, Jon Bon Jovi & Richie Sambora Länge: 53 Min 34 Sek Medium: CD
1. Have A Nice Day8. Last Cigarette
2. I Want To Be Loved9. I Am
3. Welcome To Wherever You Are10. Complicated
4. Who Says You Can't Go Home11. Novocaine
5. Last Man Standing12. Story Of My Life
6. Bells Of Freedom13. Dirty Little Secret
7. Wildflower

"I would love it if I could be half as long half as cool" hat Jon Bon Jovi mal über AEROSMITH gesagt. Tja, Johnny, da wurde ja nun mal leider nix draus.
Zwar ist heute noch fast jeder Musiker stolz, wenn er mit der Band auf der Bühne stehen kann, aber mit Coolness ist es bei BON JOVI spätestens seit "These Days" vorbei.
Dann hat man mit der "It's My Life"-Schiene neue Möglichkeiten entdeckt und verfolgt denn auch mehr oder weniger erfolgreich diese Linie.

Natürlich war nicht immer alles früher besser, aber an das Album "Bounce" erinnert man sich doch größtenteils nur noch wegen des Titelsongs. Der wurde halt oft genug durch den Äther gejagt. An das unsägliche "This Left Feels Right" von 2003 mag man sich eigentlich gar nicht mehr erinnern.
Auf dem neuen Album "Have A Nice Day" scheinen mir die Gitarrensounds etwas homogener als auf "Bounce" zu sein, aber am Stil wurde insgesamt nicht viel geändert.

Das Album beginnt mit seinem Titelsong und der erinnert schon gleich deutlich an It's My Life mit ein klein wenig Livin' On A Prayer Zutaten. Nicht so übel, aber auch nix besonderes. Von BON JOVI hat man halt hochkarätigere Songs in Erinnerung.
Bei I Want To Be Loved bringt man in den Strophen zeitgemäße Heavy-Sounds zum Einsatz, um beim Chorus wieder in altbekannten Mustern zu schwelgen. Irgendwie sind die Songs der Band dermaßen berechenbar geworden und Hooklines oder prägnante Gitarrenparts oder -soli gibt's eigentlich nicht mehr.
Daran krankt auch das schon länger bekannte Welcome To Wherever You Are. Der Song an sich ist ja nicht schlecht, geschmackvoll instrumentiert und Jon ist immer noch ein verdammt guter Sänger, dem wenige das Wasser reichen können, doch das gewisse Etwas fehlt. Das plätschert alles auf einem mittelguten Level dahin, aber dabei bleibts.

Überlegt doch mal: Von manchen Songs von "Slippery When Wet" oder "New Jersey" könnt Ihr heute noch das Gitarrensolo singen oder pfeifen - wette ich jedenfalls. Und heute? Wenn ein Song vorüber ist, weiß man kaum noch wie er gegangen ist.
Selbst von nicht so oft gespielt Titeln wie These Days oder I'll Sleep When I'm Dead singen die meisten noch heute 50% vom Text sofort mit. Heute kann man sich kaum die Titel der Lieder in Erinnerung rufen, die eben gelaufen sind. Rocker wie Something For The Pain oder Blame It On The Love Of Rock'n'Roll hat man sich eh längst abgeschminkt.

Zu den erfreulichen Lichtblicken gehört die Hommage an Ikonen wie Bob Dylan, Last Man Standing. Da kommt Samboras Gitarre mal richtig treibend, mit einem guten Riff und endlich ein Solo mit Dampf! Natürlich mischt sich Jon gesangsmäßig bald wieder ein, aber insgesamt geht es doch prima ab.
Die Bells Of Freedom klingeln ganz nett um diese Midtempo-Ballade herum, die einen gewissen folkigen Ansatz hat und weniger aufgeblasen zum schönen Umtrunk-Lied geeignet wäre.
Das Wort Wildflower scheint im Moment recht angesagt zu sein. Das neue Album von Sheryl Crow heißt zumindest auch so. Diese Streicher-verzierte Halbballade würde der wohl auch nicht schlecht stehen. Aber sie kommt auch ganz gut ohne sie aus. Wie der Rest der Menschheit auch.
Für Texte wie das Geschwurbsel um eine Last Cigarette fehlt mir in meinem vorgerückten Alter wohl der Sinn. Oder kann ich mich einfach an bessere Text-Tage von John Frank Bongiovi erinnern? Richie Sambora setzt kurzzeitig zum Solo an, aber schnell wird er ertappt und gleich ist's vorbei mit der (Slide-) Herrlichkeit. Der Song würde bei GREEN DAY bestimmt ganz witzig rüberkommen...
Complicated ist immerhin recht rockig und druckvoll, auch wenn man hier wieder problemlos ein Medley mit "It's My Life" draus machen könnte.
Novocaine klingt bemüht und powert stellenweise auch gut, aber das Klassenziel wird trotzdem nicht erreicht. Auch hier fehlt der "Kick".
Auf die Piano-Ballade haben wir ja noch gewartet. Aber, hoppla, bei The Story Of My Life klimpert's nur zu Beginn, dann wird ordentlich in die Saiten, Tasten und Felle gelangt. Allerdings klingt der Text mit seinen zusammengeschusterten Reimen doch etwas peinlich.
Als Bonus gibt's den Titel Dirty Little Secret. Wäre, denke ich, ein ganz guter Song, wenn man das ganze Brimborium aus Keyboardwänden und Rhythmusmaschinchen weggelassen hätte.

Na ja, ehrlich gesagt hatte ich es schlimmer erwartet. Nach ein paar Durchgängen erscheint mir die Scheibe besser als "Bounce", aber in ein paar Jahren wird man auch hier kein Ohr mehr dran verschwenden.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 05.11.2005