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Sony BMG Music
Bob Dylan
Bob Dylan & The Times They Are A-Changin', Sony BMG Music Entertainment/Legacy, 2005 (1962 & 1964)
Bob Dylan Vocals, Guitar, Harmonica, Piano
Produziert von: John Hammond ("Bob Dylan"), Tom Wilson ("The Times They Are A-Changin'") Länge: 37 Min 04 Sek & 45 Min 43 Sek Medium: CD
"Bob Dylan":
1. You're No Good8. Gospel Plow
2. Talkin' New York9. Baby, Let Me Follow You Down
3. In My Time Of Dyin'10. House Of The Rising Sun
4. Man Of Constant Sorrow11. Freight Train Blues
5. Fixin' To Die12. Song To Woody
6. Pretty Peggy-O13. See That My Grave Is Kept Clean
7. Highway 51 Blues
"The Times They Are A-Changin'":
1. The Times They Are A-Changin'6. Only A Pawn In Their Game
2. Ballad Of Hollis Brown7. Boots Of Spanish Leather
3. With God On Our Side8. When The Ship Comes In
4. One Too Many Mornings9. The Lonesome Death Of Hattie Carroll
5. North Country Blues10. Restless Farewell

"Spectacularly remastered from original source tapes" prangen die Sticker auf diesen beiden Wiederveröffentlichungen, Bob Dylans erstem und drittem Album.
Tja, so was muss man immer für selbst entscheiden, wie viel Wert man auf solche Klangverbesserungen legt, zumal ein Anreiz in Form von Bonus-Tracks nicht geboten ist.
Tatsächlich klingen diese beiden Scheiben natürlich schon spitzenmäßig und man kann sich durchaus vorstellen, dem Herrn Dylan beim vortragen dieser Songs gegenüber zu sitzen, so klar und prägnant hört sich das an.
Warum man das zweite Album (zunächst) ausspart, ist mir nicht ganz klar (womöglich weil mit Band eingespielt), aber soll jetzt auch nicht weiter stören.

Braucht man eigentlich den frühen Kram von Bob Dylan? Hat man die relevanten Songs nicht auf irgendeiner "Greatest Hits", oder so?
Zumindest was das erste Album angeht, wird das kaum der Fall sein. Wenn man zu der Sorte Musikfan gehört, die sich über, sagen wir die ROLLING STONES zu deren Blues-Vorbildern durchgehört hat, dann interessiert es einen auch, wie denn die Originale der Hits klingen, die andere mit Dylan-Kompositionen hatten, bzw. haben.
Und dann geht man auch noch den nächsten Schritt und will wissen, wie der Typ denn angefangen hat.

Wie bei den meisten Künstlern aus jener Zeit, Anfang der 60er, finden sich wenig eigene Songs auf dem Debüt. Unter gerade mal zwei Titeln steht der Name B. Dylan. Der Rest sind Coverversionen und da wiederum erstaunlich viel Blues. Beim ersten Song, You're No Godd, fühlt man sich leicht an das spätere Don't Think Twice erinnert, zwar mit mehr Blues-Feeling, doch dieser treibende Railroad-Rhythmus ist bereits vorhanden.
Bei dem autobiographischen Talkin' New York scheint sich Paul Simon Inspirationen für einige seiner Songs geholt zu haben und der Blues In My Time Of Dyin' findet sich ja später bei zahllosen Interpreten, wie LED ZEPPELIN, wieder.
Obschon nicht von ihm geschrieben, gehört das Traditional Man Of Constant Sorrow gleichwohl mittlerweile zu den Dylan-Klassikern.
Fixin' To Die wurde zwar von Bukka White geschrieben, aber solche Zeilen wie "I don't mind dyin', Lord, but I hate to leave my children cryin'" hätten auch gut von Bob sein können.
Der Highway 51 Blues klingt zunächst stark nach EVERLY BROTHERS und wird dann so eine Art Zwitter zwischen Wake Up, Little Susie und Mystery Train.
Als Vielleser waren Bob Dylan natürlich auch die Werke von Jack Kerouac, Ginsberg und Konsorten geläufig und eindeutig Inspiration. So atmen nahezu alle Songs den Staub der Straße und versprühen den Hobo-Blues.

Interessant, und wohl nicht so oft gehört, sind die Fassungen von Baby, Let Me Follow You Down, in typisch erzählendem Stil, wie man es von Folk-Sängern wie Woody Guthrie kennt, und House Of The Rising Sun. Letzteres hat es ja wirklich gegeben, wie ein Artikel in der ZEIT (Ausgabe vom 2. Juni 2005) kürzlich bewies. 1821 eröffnete diese "Herrenetablissement" seine Pforten. Hört man Bob Dylans Aufnahme, kommt sie einem, im Vergleich zur bekannten ANIMALS-Fassung, wie eine "Stripped"-Version vor, in der der Text allerdings besser und eindringlicher hervorkommt.
Freight Train Blues bringt einiges an Country-Flair mit ein, während sich Song To Woody auch musikalisch an die Folk-Ikone richtet.
Blind Lemon Jefferson's See That My Grave Is Kept Clean bekommt Bob Dylans Folk-Stempel ohne seine Blues-Wurzeln zu verlieren. Ein würdiger und eindrücklicher Abschluss dieses Debüt-Albums.

Zwei Jahre später stand dann schon ein "All Songs by B. Dylan" auf dem Plattencover und es strotzt nur so vor Folk- und Dylan-Klassikern.
Das geht mit dem Titelsong The Times They Are A-Changin' los und ruft man sich die damalige Zeit mal ins Gedächtnis, schüttelt man heute noch verblüfft den Kopf, was ein Anfang 20-Jähriger damals den Leuten entgegen rief: "Your sons and your daughters are beyond your command". Der ganze Song ist dermaßen revolutionär und textlich unerreicht (jedenfalls was die Pop-Musik angeht), dass er selbst heutzutage noch zu den angesagtesten Liedern bei Protestlern gehört.
Auch diese Scheibe offenbart einen kristallklaren direkten Sound, der den Interpreten direkt ins Zimmer stellt.
Gut zu hören bei der Ballad Of Hollis Brown und es scheint mir auch, dass Dylans Gitarrespiel etwas straighter und prägnanter geworden ist.
In diesem Song zeigt sich sein Hang zu längeren Geschichten und Texten und das setzt sich in With God On Our Side fort. Bob bringt eine ganze Reihe von Lügen und Ungereimtheiten zur Sprache, die sich alle in Wahrheit und gutes Recht drehen lassen, solange man die Kirche, und damit Gott, auf seiner Seite hat - mit einem Wort: Amerikaner ist. Da braucht man nicht zu sehr zu schmunzeln, denn als Deutscher berührt einen die Strophe über den Zweiten Weltkrieg naturgemäß besonders: "When the Second World War, came to an end, we forgave the Germans, and we were friends. Though they murdered six million, in the oven the fried, the Germans now too, have God on their side".

Mit One Too Many Mornings folgt bereits der nächste Dylan-Klassiker. Ich empfinde es als absolut erfrischend, diese Songs wieder mal in ihrem ursprünglichen Gewand zu hören. Die ganzen Coverversionen und auch geänderten Fassungen durch Dylan selbst sind ja ganz nett, am Schluss tendiere zumindest ich wieder zu den Anfängen. Liegt's am Alter?
Tatsache ist: Bob Dylan ist einer der wenigen Songschreiber, deren Texte auch völlig ohne Musik funktionieren. Bei denen man sich hinsetzen kann und ihre Lyrik wie ein Buch lesen kann und die einen stellenweise ohne Musik sogar noch mehr berühren.
Only A Pawn In The Game ist zwar ein Folksong, aber von der Art wie die Worte anscheinend die Musik zurecht biegen, fühlt man sich eher an die frühen Country-Blues Songs erinnert. Erneut weißt er in unnachahmlicher Manier mit dem Finger auf Missstände in der amerikanischen Gesellschaft.
Zu meinen absoluten Favoriten in Bob Dylans Repertoire gehört Boots Of Spanish Leather. Dieses fingierte Zwiegespräch ist ein weiterer Beweis, welchen Ausdruck und welche Kraft Worte, richtig eingesetzt, haben. Wie der Daheimgebliebene seine Liebste anschmachtet, um ihre Rückkehr fleht und als er merkt, dass sie wohl doch nicht sobald zurückkehrt, sie überraschend kaltschultrig um ein Paar Stiefel aus spanischem Leder bittet - das kann niemand besser als Bob Dylan.
Die irischen Wurzeln in der Musik zu When The Ship Comes In sind deutlich und haben später u.a. THE CLANCY BROTHERS tolle Versionen dieses Stücks aufnehmen lassen. Im Original ist das Lied doch einiges schneller, weniger getragen, als ich es in Erinnerung hatte, und die Kombination aus treibenden Gitarrenspiel und aggressiver Mundharmonika wühlen es auf wie das Meer in dem Pharaos Heer ertrinkt.
The Lonesome Death Of Hattie Carroll ist eine weitere Geschichte, die einen, je nach Stimmung, zu Tränen rühren oder in brodelnden Zorn treiben kann. Die Anschaffung von Dylans Songtexten in Buchform (mit deutscher Übersetzung) lohnt sich wirklich.
Auch "Ein eiliges Lebewohl" dauert bei Bob einige Zeit und wird wortreich ausgeschmückt. "It's for myself and my friends my stories are sung", verkündet er in dem Lied und man weiß nicht so recht, ob man es ihm glauben soll.

Es ist ihm nicht immer leicht zu folgen, dem Herrn Zimmermann. Für einen leichteren Zugang empfiehlt sich das Lesen des unlängst erschienenen Buches "Bob Dylan - Chronicles Volume One", in dem er selbst durch seinen Werdegang führt. Den perfekten Soundtrack für die ersten Kapitel liefern diese beiden Scheiben hier.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 30.07.2005