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Ruf Records
Blues Reflex
Bob Brozman
Blues Reflex, Ruf Records, 2005
Bob Brozman Vocals, National Guitar, National Baritone Tricone Guitar, Hawaiian Guitar, Percussion
Greg Graber Drums (Dead Cat On The Line, Mean World Blues & More Room At The Edge)
Länge: 43 Min 54 Sek Medium: CD
1. Dead Cat On The Line8. Little Tough Guy Blues
2. Rattlesnake Blues9. New Guinea Blues
3. One Steady Roll10. It's Mercy We Need
4. Death Come Creepin'11. Mean World Blues
5. Vieux Kanyàr Blues12. More Room At The Edge
6. Poor Me13. Workman's Song
7. Cypress Grove Blues

Vögel gibt's auf dieser Welt. Und der der Bob Brozman ist ein ganz besonderer!
Blues-Fanatiker sowieso, aber er designt auch Instrumente, verschenkt hier und da auch mal eines, ist Sammler wie Händler und ganz nebenbei auch noch Professor an einer Universität in Sydney.
Wundert's einen da, dass er mit knapp über 50 in Form von "Blues Reflex" sein 30. Album vorlegt? Kaum.
Rein akustisch ist es gehalten und Bob legt Wert darauf, dass kein Instrument mit einem Tonabnehmer versehen war. Sprich: Alles per Mikrofon aufgenommen.
Da bekommt man natürlich einen ebenso authentischen wie beeindruckenden Klang hin und bei den National Gitarren macht das Zuhören richtig Spaß. Als säße man mit dem Typ zusammen.

Bei drei Songs ist ein Drummer dabei ansonsten hat Bob Brozman alles allein eingespielt. Richtig Laune macht diese Session. Als wäre der Kerl durch seinen Keller gehüpft und sich mal hier mal da ein Instrument geschnappt und seine Einflüsse vermischt.
Rhythmisch und groovig, mit Slidegitarren verziert geht's mit Dead Cat On The Line schwungvoll los. Der vage an den großen Deltabluesmusiker Charley Patton angelehnte Rattlesnake Blues erinnert in seiner sprunghaften, unterhaltsamen Art auch an die Entertainerqualitäten dieses einflussreichen Musikers. Kein Problem für Bob, da eine Hawaii-Gitarre zwischendurch aufheulen zu lassen. Klasse. Diese unverkrampfte Art des Vortrags erinnert mich auch ein bisschen an die Norweger von JOLLY JUMPER & BIG MOE.

Vor 20 Jahren hat Bob One Steady Roll schon mal aufgenommen, aber diese Version ist ein kleines Meisterwerk. Mit afrikanischen Einflüssen versehen und quasi als Mischung aus Shuffle und Walzer präsentiert. Irgendwie meint man auch osteuropäische Zutaten zu hören. Tja, der Blues ist halt eine Weltmusik.
Tief in den Deltablues taucht Bob bei Death Come Creepin', erweist mit diesem ursprünglichen Stil Tommy Johnson die Ehre und mancher Southern-Rocker wird sich an das Mississippi Kid auf LYNYRD SKYNYRDs erstem Album erinnern.

Poor Me stammt dann tatsächlich von Charley Patton und wird nahe an der Vorlage gehalten, nur dass Bob diverse Saiteninstrumente unterbringt. Hat natürlich große Ähnlichkeit zu You Gotta Move von Fred McDowell.
Skip James' Cypress Grove Blues ist der nächste Shuffle-Song und zeigt, auch in diesem Arrangement, was die Typen früher schon alles drauf hatten. Bei Bob werden da natürlich noch ein paar Grenzen ausgelotet...
Ungeheuer fingerfertig und im Wechsel mit Slide-Einlagen, kommt der etwas wilde Delta-Little Tough Guy Blues - mit Referenzen an Robert Johnson.
Weil sich Herr Brozman überall auf der Welt rumtreibt, ist ihm auch Neu Guinea nicht fremd. Für den New Guinea Blues hat er gleich fünf Gitarren eingespielt und sich dabei den Picking-Style der dortigen Gegend bedient, der sich gar nicht weit vom ursprünglichen Deltablues bewegt.

Einen "protest song without words", wie It's Mercy We Needy, muss man auch erst mal hinkriegen. Was immer man in diesen langsamen Slide-Blues hineininterpretiert - für gespannte Aufmerksamkeit sorgt er allemal.
Der Mean World Blues ist als Homage an Tommy Johnson, einen der frühesten und traditionellsten Deltablues-Musiker, gedacht. Ob allerdings der Canned Heat Blues - als dessen Remake dieser Song fungiert - wirklich von Tommy Johnson, und nicht doch von Sloppy Henry ist, darüber kann man sich streiten. Ein cooler Blues zwischen Ska und Jump bleibt es trotzdem.
Gemächlich geht es bei More Room At The Edge zu. Bob erzeugt in den Zwischenräumen dieses Countryblues wieder jede Menge außergewöhnliche Töne mit seinen diversen Gitarren, die hin und wieder direkt asiatisch klingen. Klingt etwas nach Jam-Session - inspiriert aber ziellos.
"A lullaby for tired working people everywhere" nennt Bob den Workman Song und sagt damit schon viel darüber. Plätschert ruhig dahin ohne beliebig zu werden und lässt einen versonnen aus diesem Album heraus driften.

Wer sich mit den frühen Bluessachen gern beschäftigt und mal eine neue Herangehensweise braucht, sollte ein Vorlesung beim Professor Brozman besuchen.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 18.11.2005