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Live
The Black Crowes
Live, V2 Records, 2002
Produziert von: Rich Robinson Länge: 103 Min 14 Sek Medium: Do-CD
CD 1:
1. Midnight From The Inside Out6. Cursed Diamond
2. Sting Me7. Miracle To Me
3. Thick N Thin8. Wiser Time
4. Greasy Grass River9. Girl From A Pawnshop
5. Sometimes Salvation10. Cosmic Friend
CD 2:
1. Black Moon Creeping6. Lickin'
2. High Head Blues7. Soul Singing
3. Title Song8. Hard To Handle
4. She Talks To Angels9. Remedy
5. Twice As Hard

Die BLACK CROWES sind, für mich, unzweifelhaft die beste Band der 90er Jahre. Und darüber hinaus. Von dem Moment an als ich Twice As Hard zum erstenmal im AFN gehört habe, war mir klar: Hier sind die würdigen Nachfolger der ROLLING STONES, der FACES und wen man sonst noch als wahre Rock'n'Roll Band anführen will. Ein überzeugenderes Debut-Album als die CROWES hat wohl selten jemand auf die Reihe gekriegt und auch die folgenden Alben waren allesamt mit Klasse-Rock-Songs gespickt.
Der "Fehler" der Band war vielleicht, dass sie sich nicht stur ans Reproduzieren ihres ersten Albums gemacht haben. Zu sehr waren sie auch von Bands wie den GRATEFUL DEAD, sprich Jam-Bands, beeinflusst, was sie, vor allem live, auch entsprechend zelebriert haben.
Über die Jahre hinweg wurden sie so von der Rock'n'Roll Fraktion nicht mehr so gelitten und waren andererseits den "Jam-Rockern" zu rockig. Umbesetzungen und Unstimmigkeiten, vor allem zwischen den beiden Robinson-Brüdern Chris und Rich Robinson, taten neben dem nachlassenden Erfolg ein übriges, um die Band Ende 2001 zur Auflösung zu bringen.

Jetzt erscheint auf einmal wie aus heiterem Himmel ihr erstes Live-Album. O.K., da gab's natürlich die "Live At The Greek"-Doppel CD. Aber das war ja eher ein Jimmy Page/BLACK CROWES-Projekt und da wurden auch fast ausschließlich ZEPPELIN-Songs gespielt. Jedenfalls keine Songs der Robinson-Brüder.
Also warum erst jetzt das Live-Album, das vor Jahren eigentlich viel sinnvoller gewesen wäre? Schließlich waren die BLACK CROWES eine der fleißigsten Live-Bands. Außer mit der letzten CD "Lions" waren sie nach jeder Veröffentlichung auch mindestens für eine Tour in Deutschland. Warum jetzt dieser "Schwanengesang"?
Die Vermutung, dass Gitarrist Rich Robinson sonst nix ins Laufen kriegt, liegt natürlich nahe.

Aber anyway, führen wir uns das Werk zu Gemüte: Die Ausstattung des Booklets muss man als sehr dürftig beschreiben. Ein paar Bilder, die Songs von der CD-Rückseite nochmals aufgelistet, ein paar magere Infos wer produziert und gemixt hat. Alles in schwarzweiß. Kein Wort, wer der Band zu dem Zeitpunkt der Aufnahmen angehört hat oder wo die Songs aufgenommen wurden. Vielleicht wissen sie es selber nicht mehr...

Das Album startet, wie die letzte Studio-CD, mit Midnight From The Inside Out. Nicht unbedingt der beste Einstieg. Die schrägen Töne und der schleppende Rhythmus lassen einen nicht so leicht in Fahrt kommen. Was sich aber gleich beim zweiten Song Sting Me ändert. Der Klassiker von ihrem zweiten Album lässt die CROWES schon richtig rocken. Thick N Thin, vom Debut, folgt und treibt weiter an.
Ich muss zugeben, anfangs hat mir die Produktion nicht so gefallen. Für mich hat sich der Rhythmus-Gitarrist, der ja produziert hat, einfach zu sehr nach vorne gemischt. Ich hab's doch schon so oft gesagt: Man produziert sich nicht selber!! Gut, aber man gewöhnt sich schnell dran. Die Lieder kriegt man auch so nicht kaputt.
Sänger Chris Robinson ist mitteilsam wie gewohnt und immer für 'ne kleine Story zwischen den Songs gut. Bei Greasy Grass River wird's etwas "grooviger", bevor der "Live-Favorit" Sometimes Salvation folgt. Hier wird dann auch schon mal über sechs Minuten "gedudelt". Und zwar gut! Das setzt sich auch bei Cursed Diamond fort.
Mit Miracle To Me kommt wieder ein Song vom letzten Album. Live fällt es noch mehr auf, was für eine tolle Ballade das ist. Überhaupt muss ich sagen, gefallen mir die Lieder von "Lions" hier bedeutend besser als in den Studio-Versionen.
Mit Wiser Time wird einer der besten Songs vom "Amorica"-Album ausgiebig gewürdigt. Gegen Ende der über sieben Minuten kommen schon fast ALLMAN BROTHERS-Erinnerungen auf. Der Backgroundgesang wurde erfreulicherweise mindestens zwei (wahrscheinlichen schwarzen) Sängerinnen überlassen. Bei Rich Robinson hat das ja nicht immer so toll geklungen...
Auch Girl From A Pawnshop profitiert ungeheuer von der Live-Atmosphäre.

"You know we're gonna play at least one Cosmo Song" kündigt Chris Robinson Cosmic Friend an. Klingt im Intro stark nach THE WHO in den Sechzigern. Geht aber schnell in ein typisches CROWES-Riff über. Bis auf den Refrain, muss ich sagen, gehört das Lied aber nicht unbedingt zu meinen Favoriten. Vielleicht zu kosmisch?
Auf CD 2 geht's aber gleich wieder anders weiter. Ein weiterer Live-Favorit: Black Moon Creeping. Auch hier hat sich Herr Rich Robinson wieder ganz schön in den Vordergrund gedrängt (gemischt).
Selige Erinnerungen an den damaligen Lead-Gitarristen Marc Ford (der inzwischen eine tolle Solo-CD veröffentlicht hat!) kommen auf. Aber auch Audley Freed macht einen ordentlichen Job.
Das leicht psychedelische High Head Blues schließt direkt an. Dem Groove dieser Nummer kann man sich nur schwer entziehen. Vor allem wenn's in den heftigen Mittelteil und erst Recht ins Solo geht. Da wiederum hätte es deutlicher hörbar sein sollen, Herr Robinson!
Der schon fast PURPLE-hafte schwere Hammondsound von Eddie Harsch leitet Title Song ein. Auch der Song entwickelt ungedachte Livequalitäten. Spätestens jetzt fällt natürlich auf, dass vom 1998er Album "By Your Side" kein einziger Song auf dieser Live-CD ist. Etwas erstaunlich, hatte man sich doch gerade mit der damaligen Single Kickin' My Heart Around wieder auf alte Qualitäten (und Fans) besonnen. Tatsächlich wurden diverse Songs von "By Your Side" auf der Tour gespielt. Warum hier keiner zu finden ist - wer weiß.

She Talks To Angels ist wohl eine der tollsten Rockballaden die jemals geschrieben wurden. Audley Freed spielt eine wundervoll einfühlsame Slidegitarre dazu. Ja, wir sind schon auf der Zielgeraden. "An old one", Twice As Hard, steigert die Stimmung noch mal um einiges. Könnte etwas besser produziert sein. Hatte ich's schon mal erwähnt?
"Some funky shit" wollen sie spielen, verkündet Chris vor Lickin'. Eigentlich ein guter Song aber direkt nach Twice... finde ich's nicht so passend. Mit dem folgenden Soul Singing, dem besten Song von "Lions" (kommt weit besser als Lickin'), sind sieben Songs vom letzten Album vertreten. Bei insgesamt 19 Liedern etwas überrepräsentiert, finde ich. Da wäre mir ein Thorn In My Pride beispielsweise doch lieber gewesen. Na ja, da wird jeder noch Songs finden, die ihm auf dieser Doppel-CD fehlen. Hard To Handle darf natürlich nicht fehlen. Gewohnt druckvoll von Gitarren gespielt. Überraschend hört man hier die Orgel mal ziemlich deutlich.
Den Abschluss macht der Hit Remedy. Ihren Klassiker rocken die BLACK CROWES mit ungeheuerer Wucht und auch Sänger Chris Robinson hat von seiner charismatischen Stimme nichts eingebüsst. Natürlich wird hier noch mal etwas "gejamt" und der Song ausgedehnt. Geht aber dann doch irgendwie zu schnell vorbei.

Um den Kauf der CD kommt man eigentlich nicht rum, auch wenn ein paar Schwachstellen da sind. Schließlich und endlich ist die Band und die Musik darauf zu gut.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 01.09.2002