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The Past Experience 1994-2004
Ben Granfelt
The Past Experience 1994-2004, Megamania, 2004
Ben Granfelt Vocals, Guitars, Synth Guitar
Lauri Porra Bass
Miri Miettinen Drums, Percussion
Geir Rönning Backing Vocals
Kari Leppälä Bass
Ako Kiiski Bass, Backing Vocals
Pekka Gröhn Keyboards
Tero Pennanen Keyboards
Produziert von: "who ever takes the blame" Länge: 72 Min 18 Sek Medium: CD
1. All I Want To Be9. Last Notes
2. Keep Tomorrow Free10. Morning Mist
3. Snowking11. Passport
4. What We Are12. XXX
5. Faith Hope & Love13. Falling For You Again
6. Home14. Crashing Down
7. Power Of Passion 200115. Checkered Flag
8. Picture Perfect Reality16. Slapshot

Ja, das war damals eine feine Sache, das erste Album der GRINGOS LOCOS. Straighter Hardrock, der so dreckig war und so staubte, wie die Typen auf dem Cover. Ein geiler Sänger mit rauer Röhre und zwei Guitarslinger, die die Riffs, wenn auch oft aus zweiter Hand, nur so rausschleuderten.
Schon beim zweiten Album setzte man allerdings mehr auf breitenwirksame Chöre und der Sound kam auch nicht mehr so rotzig. Außer dem verstieg man sich zu dessen Ende zu einem pubertären "wer-hat-den-längsten/wer-spielt-schneller" Blues. Da konnte auch die Produktion durch den legendären Tom Dowd nicht mehr züchtigend eingreifen. Insgesamt aber trotzdem noch ein gutes Album.
Leider war's das auch schon mit dieser Band. Ben Granfelt fing an seine Kreise zu ziehen und landete, als Finne fast zwangsläufig, bei den LENINGRAD COWBOYS. Zwischen '92 und '95 spielte er mit den Sauf-Tollen fünf Alben ein.
Seine Fähigkeiten an der Gitarre nahmen immer weiter zu und das muss unweigerlich zu Solo-Projekten führen.

Von 2001 bis 2004 war Ben als zweiter Gitarrist bei WISHBONE ASH angestellt und Andy Powell ist ja heute noch voll des Lobes über Herrn Granfelt.
Mir persönlich hat er in der Band ja nicht so gefallen, aber zum Album "Bonafide" hat's ja immerhin geführt. Nachdem er die Band letzten Herbst wieder verließ, kann er sich jetzt "Ex-Wishbone Ash Gitarrist" auf sein Banner schreiben. Da gibt's ja auch noch nicht sooo viele, was sich allerdings in ein paar Jahren auch ändern könnte.
Um mal ein Licht darauf zu werfen, was er in den Jahren 1994 bis 2004 zu Wege gebracht hat, erschien nun diese Retrospektive. Fünf Alben erschienen in dieser Zeit und da wollen wir doch mal reinhören.

Gleich All I Want To Be verdrießt mich etwas mit seinem funkigen Rhythmus und den gerappten Vocals. Stammt aus dem gleichnamigen Album von 2001 und bringt entsprechend Nu-Rock mäßige Klänge mit unter.
Beim zweiten Song Keep Tomorrow Free wird die Passion von Ben deutlich: Die Guitar-Hero Schiene a la Gary Moore, Steve Vai und Joe Satriani liegt ihm halt am meisten. Sein Gesang ist denn auch eher durchschnittlich und kann mit seinen gitarristischen Fähigkeiten nicht mithalten. Die lassen einen beim dritten Song, von 1996, schon glauben, dass er bei WISHBONE ASH gut mitklampfen könnte.
Tja, aber eben nur mitklampfen, ohne so richtig dazu zu passen. Er ist halt doch mehr der Alleingänger, wie die bereits genannten Stars. Die hielten es auch nie lange in einer Band aus und waren doch genau dort immer am besten aufgehoben. Steve Vai hatte seine beste Zeit unter der Fuchtel der Herren Roth, bzw. Coverdale und so einen Zuchtmeister bräuchte auch Granfelt.
Allein spielt er wundervolle Melodien in immer neuen Varianten und wirbelt beseelt über das Griffbrett. Zum ganz großen Budenzauber langt's aber halt doch nicht.

Gesanglich klingt er in Stücken wie What We Are ähnlich wie die deutsche Krautrock-Band JANE, musikalisch dafür mehr zwischen Brit-Pop und H-BLOCKX.
Wie gesagt, alles wunderbar gespielt, allerdings meistens mit diesem übersteuerten, komprimierten Sound, der diesen Griffbrett-Flitzern eigen ist, einem zwar zu einem endlosen Sustain verhilft, aber halt auch keinen vernünftigen Druck entwickelt.
Zu den erfreulichen Ausnahmen gehört Home, das klingt, als würden die SCORPIONS daraus einen prima Stadion-Hit machen können. Tut mir leid, aber da fehlt's bei Ben echt am Gesang. Sonst wäre das nämlich echt eine richtig klasse Nummer. Bisschen besser produziert und der Rock-Klassiker wäre fertig.
Ansonsten dudelt man sich halt so durch. Zwar weit besser als es die ganzen Möchtegern-Gitarrenhelden tun, aber so richtig was hängen bleiben tut wenig. Na ja, muss ja vielleicht auch nicht - man kann schön weg träumen dabei.

Wer auf Satriani, Eric Johnson etc. steht, könnte hier wirklich mal ein paar neue Töne in seinen CD-Player einführen. Dem Genre gemäß gibt's reichlich Instrumentalparts, wenn nicht gar komplette Instrumental-Nummern. Durchaus auch mal mit eine paar Jazz- und Fusion-Anleihen, und trotzdem rockig. Da klingt XXX manch längeren Jams von GOV'T MULE nicht unähnlich.
Dann gibt's aber auch wieder den Sprung zum mehr Melodic-Rock orientierten Falling For You Again, das auch in den Katalog von JOURNEY und Konsorten gepasst hätte.
Wie das live abgeht, wird anhand zweier Songs vom 97er Live-Album demonstriert. Da wird bei Checkered Flag ausgiebig im Stile eines Rhandy Rhoads oder Eddie Van Halen soliert. Vielleicht hat Ben nicht ganz die Klasse dieser beiden, aber er kommt doch nahe dran und auch bei Slapshot (war übrigens der Titelsong zur finnischen Eishockey WM 1997 - die spinnen die...) legt er so richtig los.
Also, wenn Ozzy oder Sammy Hagar mal wieder einen Sideman brauchen, sollten sie Ben Granfelt mal anchecken. Spieltechnisch macht ihm so leicht keiner was vor. Er bräuchte halt mal wieder einen vernünftigen Partner.

Was macht eigentlich Richard G. Johnson (Sänger der GRINGOS LOCOS) heutzutage?

Epi Schmidt, (Artikelliste), 25.07.2005