Closer
Bad Influence
Closer, STC Recordings, 2005
Val Cowell Lead Vocals, Backing Vocals, Guitars
Richard Hayes Guitars, Resonator, Mandolin
Harry James Drums, Backing Vocals
Chris Childs Bass, Backing Vocals, Keyboards, Guitars
Danny Bowes Lead Vocals on Standing On My Own
David Cowell Harmonica on Fly & Bad Desire
Produziert von: Chris Childs Länge: 50 Min 55 Sek Medium: CD
1. Fly7. My World
2. You Stepped On My Heart8. Tell Me
3. Closer9. Now You're Gone
4. Standing On My Own10. This Ain't Love
5. Bad Desire11. The End
6. Not The Only One

Was man nicht alles versäumt, über die Jahre. Gut, so riesig war ihr Output nicht, aber auf die englische Rockband BAD INFLUENCE wäre ich gern schon früher gestoßen.
Immerhin gibt es die Band schon fast 20 Jahre. So musste es halt wieder über den Umweg THUNDER gehen. Deren Bassist, Chris Childs, stieg in die, häufigeren Besetzungswechseln unterlegene, Band bereits 1998 ein. Und weil die Typen von Thunder allesamt umtriebige Leutchen sind, trommelt auf der neuen Scheibe auch gleich noch Thunder-Dampfhammer Harry James.

So wird den beiden Konstanten in der Band, Sängerin Val Cowell und Gitarrist Richard Hayes, also ordentlich Feuer, bzw. Donner, unter dem Hintern gemacht.
Entsprechend fegt Fly los, wie die Boogie-Quintessenz aus Cheap Tricks 'I Want You To Want Me', einer frühen Whitesnake-Nummer und einem großen Schuss Texas-Rock. Slide, Blues-Harp, geile Gitarren, alles drin was man braucht und dazu kommt noch eine geniale Sängerin!
Ich hab eine ganze Weile gebraucht, bis ich darauf kam: Val Cowell erinnert zwar gesanglich an einige Power-Sängerinnen, aber tatsächlich klingt sie wie die weibliche Ausgabe von Stefan Berggren (Classic Whitesnake, M3, Company Of Snakes) und bringt sogar noch das gewisse Etwas mit, welches ich bei dem Stefan manchmal vermisse.
Blues-Boogie herrscht auch bei You Stepped On My Heart vor. Könnte auch aus dem Repertoire von Thunder stammen - mit etwas gezügelter Power. Der Refrain tendiert zwar Richtung Ballade, aber hat den Gänsehautfaktor eingebaut und schon bei der ersten Wiederholung singt man unwillkürlich mit. Ganz klasse!

Bad Influence sind eigentlich in erster Linie eine Live-Band und eine Party-Garantie. Da werden auch gerne Coverversionen integriert und verschiedene (keine schlechten!) Einflüsse verarbeitet.
So biegt man hier mit dem Titelsong auch schnell mal Richtung funkigen R&B ab. Keine Angst, auch das ist bestens gemacht, toll gespielt und Val's, leicht jazziger, Gesang besteht auch hier mühelos. Erinnert so etwas an die "Solo-Scheiben" von Bowes & Morley
Und wo wir gerade bei denen sind, da taucht doch in der wunderschönen Ballade Standing On My Own, mit leichtem Beatles-Touch, plötzlich die bekannte Stimme von Danny Bowes auf und teilt sich, mit gewohnter Brillanz, den Lead-Gesang mit Val Cowell.
Gleich darauf frönt man wieder dem Good Time Boogie-Rock. Bad Desire groovt in bester Canned Heat/Status Quo Tradition, erneut von der Harp David Cowells befeuert, von einem feinen "Booker T"-Orgel-Solo gepusht und von der Bonnie Raitt-ähnlichen Röhre getragen. Langsam krieg ich echt Lust diese Truppe live zu erleben.
Der 'Sweet Home Alabama' Anfang von Not The Only One befremdet zunächst aber man bewegt sich dann doch mehr in Country-Rock Gefilden, wie sie u.a. bei Mary McBride zu finden sind. Richtig gut gefällt mir auch das Gitarrenspiel von Richard Hayes. Ob Slide oder, wie in diesem Song, ein Wah-Wah Solo - er bringt es immer auf den Punkt. Kein überflüssiges Gedudel, sondern straight und immer genau das, was der Song braucht.
Da kommen auch mal die akustischen Gitarren raus und in Verbindung mit dem Piano fühlt man sich bei My World stellenweise an die großen Balladen von ABBA erinnert. Ein richtiger Ohrwurm-Refrain krönt diesen Song und wenngleich ich auf die Keyboard-Streicher gern verzichtet hätte, ist man erneut beeindruckt von dieser Stimme.

Etwas flotter folgt Tell Me und schon ist man wieder in bester Good-Time-Laune. Diesmal bewegt sich die Band im Fleetwood Mac-Fahrwasser und Val ersetzt Stevie Nicks und Christine McVie in Personalunion.
Ähnlich läuft es bei Now You're Gone ab, nur in Form einer Midtempo-Ballade. Den Titel find ich an sich jetzt nicht so herausragend, aber diese Stimme geleitet einen auch hier mühelos durch und die geschmackvolle Instrumentierung hilft zusätzlich.
Gerockt wird dann wieder bei This Ain't Love. In den Strophen mehr wie John Mellencamp oder die Stones und im Refrain scheint mir die Sheryl Crow nicht so weit entfernt. Ich widerspreche der Protagonistin: Das ist Liebe! Und zwar bei mir und zwar zu dieser Scheibe.
Da passt zum Schluss das folkige The End, wie weiland die Heart-Schwestern, bestens dazu und macht sofort Lust die Scheibe von vorne zu hören.
Nach The Stand ist dieses Album eine weitere äußerst positive Erscheinung aus dem Thunder-Umfeld.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 24.09.2005